Bummelstreik und PCP-Präsentation

In Industrierobotertechnik baut Prof. Raul wie immer sein Notebook und den Beamer auf, schließt sie dann aber nicht an. Stattdessen ist er als alter Gewerkschafter in den Bummelstreik getreten, und referiert zwei geschlagene Stunden über den Sinn, dass jetzt alle in den Streik treten müssten. Hoffentlich bleibt er der einzige. Danach treffe ich mich kurz mit Vilson, der ein neues, noch nicht auf dem Markt erschienenes Portugiesischlehrbuch für Ausländer bewerten soll. Was halte ich davon? Ich sammle so mit ihm einige Vorteile, und zahlreiche Kritikpunkte.
Nachmittags steht die Präsentation in Planejamento e Controle de Produção an. Zunächst hat Prof. Dalvio mächtig mit der Technik zu kämpfen, und als wir mein Notebook zuschalten, kann ich keine soo niedrige Auflösung und Bildwiederholfrequenz einstellen, dass der Beamer arbeitet. Die Präsentation bekommen Franziska und ich dann gut hin, und ich denke die brasilianischen Studenten sind begeistert, dass wir mit Excel Diagramme malen können. Von neun Gruppen stellen drei ihre Ergebnisse vor: Forsti und Steve, Franziska und ich, und eine brasilianische Gruppe. Anders gesagt: 100% der deutschen Studenten hat Ergebnisse, aber nur eine von sieben brasilianischen Gruppen. Das muss besser werden, stichelt Prof. Dalvio uns und seine brasilianischen Studenten an, die Deutschen hätten immerhin eine 6..7 (ausreichend) und die Brasilianer minus 3…minus 4 verdient.


Klick auf das Bild öffnet die Präsentation

Zur nächsten Woche sollen wir noch einmal als mittelgroßes Unternehmen alles durchspielen.
Nach der Aula gehen wir ins Reisebüro, um endlich unsere Flüge zu buchen. Auf dem Weg dorthin sehen wir im Buchladen noch ein Angebot, die gerade große Rucksäcke raushauen. Forsti und ich schlagen zu und kaufen uns jeweils einen 45-Liter-Wanderrucksack, und können den Preis auf jeweils 125 Reais herunterhandeln (etwa 40 Euro).
Den richtig großen Reibach macht aber heute das Reisebüro, wollen doch insgesamt sieben deutsche Studenten verreisen: Forsti will schon Donnerstag früh los, und auf die Hochzeit eines Kollegen aus dem Praktikum nördlich von Cuiabá in Mato Grosso fliegen, weiter nach Bonito und dann im Pantanal zu uns stoßen. Steve fährt Samstag früh mit dem Komfortreisebus Leito nach São Paulo, wo er am Montagmorgen seine Freundin Kathrin erwartet. Am kommenden Dienstagabend werden Rebecca, Jürgen, Franziska und ich mit dem Bus nach Curitiba fahren, weiter nach São Paulo fliegen, dort Steve und Kathrin einsammeln, nach Campo Grande fliegen. Für den Rückflug wollen wir dann zu siebt direkt nach Florianópolis zurück, das war ausnahmsweise die billigste Variante aus dem Webangebot des brasilianischen Ryan-Air-Pendants GOL.
Die Dame aus dem Reisebüro bucht mit viel Geduld unsere Reisen, und sammelt dann am Ende knappe 4500 Reais von uns ein. Das dürfte wohl einen Großteil des Tagesumsatzes ausgemacht haben, hinter uns wird die Tür geschlossen und das Schild „Aberto“ gegen „Fechado“, geschlossen, getauscht. Wir frotzeln, dass jetzt erst der Geldtransporter bestellt werden muss.
Wir bereiten uns hingegen langsam auf das Abendprogramm vor, im Elase findet heute das Abschiedschurrasco von Markus bei Eletrosul statt. Seine Kollegen sind und ja bereits von diversen Festivitäten bekannt, wird dort eigentlich auch gearbeitet? Ich lerne einen jungen Mitarbeiter kennen, der auch bis vor ein paar Jahren an der UFSC studiert hat, und berichte ihm, dass so langsam wieder alle Zeichen auf Streik stehen. „Wie lange streiken sie denn schon?“, fragt er, „denn wenn sie erst einmal streiken, hören sie soo schnell nicht auf!“. Na dann ist ja alles Beleza.
Außerdem lerne ich Tobias Grobe kennen, einen Systemingenieur aus Chemnitz, der gerade in Floripa bei Márcia Sprachkurs macht und dann ins Praktikum nach Joinville geht. Da hat man schon mal einen Grund, mal wieder Joinville zu besuchen…


Patricia und Rika mit Tobias

Pantanalplanung

Den Tag über bastele ich an der Präsentation für die PCP-Stunde. Die Daten kann man als Excel-Datei ausgeben lassen, so dass ich noch ein paar Diagramme über die Kapazitätsauslastung, über Nachfrageschwankungen etc. erstelle.
Abends kommen Steve, Christian, Rebecca und Jürgen vorbei: Nächste Woche, genauer am 7. September, feiert Brasilien seine Unabhängigkeit von Portugal (1822). Für uns ein Grund, dem sowieso freien Mittwoch einen freien Donnerstag anzuhängen, und somit von Dienstagabend bis Montagmorgen fast eine Woche Urlaub in den Pantanal einzuschieben. Zusätzlich zum Wissen auf Wikipedia sollte man erwähnen, dass das Pantanalgebiet vor Jahrmillionen und damit vor der Auffaltung der Anden eine Bucht im Pazifik war, und irgendwann durch Plattenverschiebungen vom Pazifik getrennt wurde. Eingeschlossene Tiere und Pflanzen konnten sich durch den nur sehr langsam sinkenden Salzgehalt im Wasser anpassen, so dass es in diesem großen Feuchtgebiet neben ca. 32. Mio. Kaiman-Krokodilen auch zahlreiche Süßwasserhaie und –delfine gibt.
Das Buchen der Flüge über das Internet von Curitiba über São Paulo nach Campo Grande hat leider nicht wieder mit deutschen Kreditkarten funktioniert, so dass wir morgen noch einmal ins Reisebüro müssen.


Rio Paraguay und Pantanalgebiet auf Google Earth. Wenn die Auflösung so gut wie in Tokio in Peking wäre, könnte man sicher auch die Krokodile erkennen.

Zu Besuch bei Batinga

Batinga, ein Verwandter von Ângela, der bei uns hin und wieder zum Churrasco vorbeischaut, hat heute uns eingeladen. Er wohnt in Naufragados, an der Südspitze der Insel. Er baut Häuser, wohnt dann eine gewisse Zeit darin, etwa 2 Jahre, und baut dann ein neues Haus irgendwoanders, während er das „alte“ Haus verkauft. Er macht alles selbst und kann alles. Seefahren und Fische fangen sicherlich auch, ich kann ihn mir als Pirat vorstellen. Gut kochen kann er auch, und weil er weiß, dass Fisch und ich keine guten Freunde sind, hat er noch eine kleine Hühnerbrühe gezaubert, während sich alle anderen an Fischsuppen, Austern und sonstigem Meeresgetier bedienen.


Joãozinho ist der Sohn von Batinga


Beatriz (Batingas Tochter), Batinga und seine Freundin, Delmo und Franziska haben gerade ein paar Austern verspeist.

12 Austern kosten beim Austernzüchter um die Ecke 4 Reais, 1,30 Euro. Vor einer halben Stunde gefangen. Soll sehr frisch gewesen sein, und Delmo mag es am liebsten, wenn die Austern noch leben, wenn er sie isst.
Auf dem Rückweg fahren wir noch über Costeira, wo Markus Monza eine wirklich nette Sorveteria (Eisdiele) kennt.

Simulation

Nach der anstrengenden Party fiel das Aufstehen entsprechend schwer, so dass wir pünktlich zum Mittagessen im ELASE eintreffen, dem Sportzentrum von Eletrosul. Hier veranstaltet der Samba- und Karnevalsverein unseres Stadtteils Carvoeira heute ein großes Mittagessen, und Ângela und Delmo sind natürlich mit von der Partie.
Den Nachmittag haben wir wieder vor dem Laptop mit diversen Produktionsstrategien verbracht, und sind irgendwann müde ins Bett gefallen.

Textilfirma „Spinnerei“

Prof. Dalvio aus Produktionsmanagement hat endlich das Acess-Tool zum Herunterladen bereitgestellt, mit der wir als Hausaufgabe ein Produktionssystem simulieren sollen. Franziska und ich machen uns an die Arbeit, zukünftige Bedarfe und saisonabhängige Nachfragen zu berechnen, daraus berechnet das Programm dann die die erforderlichen Monatsauslastungen, sowie den Bedarf an Primärmaterial. Aufgabe ist es nun, einen Produktionsplan zu erstellen, wie viel Rohmaterial und Halbzeuge werden als Sicherheitsbestand auf Lager gelegt? Wie gut wird die vorhandene Produktionskapazität ausgenutzt? Lassen sich durch zusätzliche Schichten oder Einstellung von Leiharbeitsnehmern höhere Gewinne realisieren?


Das Access-Tool

Bis wir das System einigermaßen kennen, ist der Tag auch schon fast vorbei, wäre heute nicht die größte Party in Florianópolis: Mit Ilmenau-Kandidat Fábio nehmen wir Carona zum Ilha Shopping, wo heute drei Bands auftreten. Das Ilha Shopping ist eine riesengroße Glashalle kurz vor Cansasvieiras, fußballfeldgroß, welche nur in den Sommermonaten als Shopping Center genutzt wird und dreiviertel des Jahres leersteht. „Also immer genau dann, wenn die Urlauber aus Argentinien nicht da sind?“, frage ich Fábio – „Exatamente!“. Frauen kommen bis 1 Uhr umsonst herein, und ich habe mir bereits gestern in der Nähe der Uni ein Ticket besorgt. Die Probleme kommen dann am Einlass: Ich habe natürlich keinerlei Dokumente o.ä. dabei, nur 20 Reais in der Hosentasche, und komme nicht herein. Mit Fábio und einem Kumpel müssen wir dann erst einmal zu einem Wohnwagen, wo der Abendverantwortliche sitzt, ich der intercambista alemã, der heute erst angekommen ist, und dem will man ja auch nicht den Abend verderben. Ich nicke zweimal, sage Tudo bom und irgendwie werden wir dann herein dirigiert.
Die üblichen Verdächtigen sind natürlich auch schon da, und es wird eine rauschende Party, so dass wir erst im Morgengrauen wieder heimkehren.

Treffen mit Prof. Schneider

Die Klausur in Industrierobotertechnik war überraschend einfach, alle Studenten kamen überraschend pünktlich, und dennoch hatte Prof. Raul natürlich einen Überraschungsmoment eingebaut: In den Übungen hatten wir immer aus den in der Skizze vorgegebenen Koordinatensystemen die Verhältnismatrizen errechnet, nun hatte er die Matrizen vorgegeben und verlangte nur die Eintragung der entsprechend transformierten Koordinatensysteme.
Direkt danach trafen wir Prof. Schneider. Er war tatsächlich auf der Konferenz für Halbleitertechnologie, und erzählt uns von einer brasilianischen Gründerfirma des Instituts zur Halbleiterforschung und hält uns mit Neuigkeiten aus Ilmenau auf dem Laufenden, während wir über unsere Praktikumserfahrungen berichten. Auch unsere bisherige Einschätzung über Brasilien darf nicht fehlen: Bürokratische Hürden wie in Deutschland, aber in einigen Dingen, wie etwa dem Bussystem, überraschend modern und unkompliziert.


Mit Prof. Schneider vor dem Departamento de Engenharia de Produção e Sistemas

Am Abend war ich wieder mit Kochen an der Reihe, es gab einen Frango-Döner. Mangels Fladenbrot in Toast, aber mit viel Salat und Tomaten.

Auf der Suche nach Prof. Schneider oder die Landung auf dem Mond

In einer kleinen „Pinkelpause“ in der Dreistunden-Vorlesung Software Engineering läuft mir Profa. Leila über den Weg, und ich frage, ob Prof. Schneider inzwischen angekommen sei, und wo und wie ich ihn finden könnte. Sie gibt mir den Rat, mich einmal bei der CERTI, einer brasilianischen Forschungsstiftung für Innovationstechnologie zu erkundigen. Dort angekommen (das Gebäude ist gleich dreimal schicker als jedes Uni-Gebäude), komme ich jedoch bereits an der Telefonistin nicht vorbei. Ja, es finde eine internationale Konferenz statt, auch mit Beteiligung dreier deutscher Hochschullehrer. Einen Prof. Schneider gibt es auch – er ist der Institutsdirektor, qual concidência, was für ein Zufall – aber ein Herfried Schneider taucht auf der Liste der Konferenzteilnehmer nicht auf. Es geht übrigens um Halbleitertechnologie, und ich habe meine Zweifel, ob ich hier richtig bin.
Draußen stehe ich im Regen, freue mich, dass das Uni-Rechenzentrum LABUFSC noch nicht im Streik ist, und nach dem Mittag mache ich noch wieder etwas Deutschunterricht für Carla, Marcela, Leandro und Fábio. Wieder geht es um Wegbeschreibungen, die Ilmenau-Karte aus dem Internet leistet gute Dienste, als ich die vier zwischen Kino, Kaufland, Mensa und Oec über die Straßen Ilmenaus lotse.
Nachmittags habe ich mit Franziska noch etwas im Café Robotertechnik gepaukt, als Cássia anrief: Das Rätsel um Prof. Schneider ist gelöst, morgen um 11 Treffen.
In Empreendedorismo überrascht Prof. Álvaro dieses Mal mit einer Gruppenarbeit: Stell Dir vor, Du bist auf dem Mond, 300 km von Deinem Mutter-Raumschiff entfernt, und sollst Dich nach einem Crash mit 15 Dingen, die er auf eine Liste getippt hat, zum Mutterschiff retten, und die Liste in eine Prioritätsreihenfolge bringen, u.a. Sauerstoff, Streichhölzer, Kompass, etc. Zunächst individuell, dann mittels Gruppenabstimmungsprozess innerhalb einer Vierergruppe.


Das Spiel mit der Mondlandung sowie eine pädagogische Erläuterung dazu gibt es auch auf Deutsch unter http://www.deutsch-netz.de/lehrproben/L002.doc

Am Interessantesten war dann die Auswertung: Wie gut war der beste Einzelne, und wie gut konnte dieser die Gruppe von seinem Ergebnis überzeugen? Gab es Leute, deren Einzelergebnis zuvor schon besser war als das Gruppenergebnis? Ach ja, ein Kompass und Streichhölzer sind wegen des fehlenden Magnetismus auf dem Mond und wegen dessen fehlender Atmosphäre denkbar unnütze Werkzeuge.
Danach gab es noch ein Spiel in zwei Zehnergruppen, die mit ähnlichen Informationen über die Strategie zur Tötung eines wiedergeborenen Dracula versorgt wurden. Innerhalb jeder Gruppe wurde ein Negociador, ein Verhandlungsführer gewählt. Dieser tauschte sich in unserem Fall mit dem Negociador der konkurrierenden Gruppe aus, um um Informationen zu pokern. Manchmal gab man dabei eine Information heraus, die die andere Gruppe noch nicht kannte, erntete aber nur eine bereits bekannte Information – und umgekehrt. Wer am schnellsten alle notwendigen Informationskarten hatte, konnte damit den schnellsten Weg einschlagen zur Tötung des Pfählers Vlad Ţepeş – aus einer alten Interrail-Legende bekannt als Dracula. Meine den Brasilianern überlegenen Ortskenntnisse im südlichen Transsylvanien konnten leider nicht punkten.

Ein ganz normaler Uni-Alltag

Da heute ein Tag wie jeder andere ist, berichte ich mal so über meinen Tagesablauf an der Uni: Wer pünktlich zur Vorlesung um halb neun erscheint, ist fast immer der erste und darf Prof. Raul bei seinen Kämpfen mit Beamer und Laptop erleben. Heute kündigt er eine Klausur an, für diesen Donnerstag, und bittet um pünktliches Erscheinen am Klausurtag. Dann tauchen wir mittels Rechter-Hand-Regel ein in die dreidimensonale Welt der Koordinatensysteme eines Roboters, die mit diversen Rotationsmatrizen verknüpft sind. Das ist sogar spannender als ich anfangs dachte, zumal man Prof. Raul wirklich gut versteht.
Um 10 treffe ich mich mit Vilson. Heute will er seinen Studenten in seinem Deutschkurs „99 Luftballons“ vorspielen, und er hat schon übersetzt, und fragt mich noch nach einigen Bedeutungen. Bei „und dass so was von sowas kommt“ kapituliere allerdings auch ich – einfach nicht zu übersetzen. Mittags treffen wir uns in der Verdilha – einem Kilorestaurant, wo wir auch im März häufiger waren. Danach geht’s dienstags immer in den Portugiesischkurs.
In PCP treffen wir uns heute in einem Computerraum der Technikfakultät, um unser Jogo zu spielen. Interessant ist, das es auf keinem der Schülerrechner das erforderliche MS Access installiert ist, und auf dem Lehrerrechner auch nur eine Altversion. So vergehen die ersten 20 Minuten damit, dass der Lehrer vorn Access 2003 installiert, während die Schüler im Netz surfen. Später stellt sich heraus, dass der Lehrerrechner nicht ans Netz angeschlossen ist. Klappt ja gut.
Abends treffen wir uns noch mit einigen Deutschen in der Weinstube Pipa, und als wir von unserem Erlebnis im Computerraum erzählen, berichtet Rebecca, dass in der Chemiefakultät die Bediensteten des dortigen Rechenzentrums streiken, und dort eine angesetzte Multimediastunde ausfallen musste. Alles Beleza an dieser Uni.

Diese Tastatur bräuchte ich

Im Kampf mit verschiedenen Tastaturtreibern, beim Hin- und Herschalten zwischen portugiesischer und deutscher Tastatur, ist es ein Russe, der die entscheidende Idee hat: In Spiegel Online entdecke ich eine Tastatur namens Optimus, die sich ihre Symbole selbst einblendet: „Optimus is good for any layouts—Cyrillic, Ancient Greek, Georgian, Arabic—and so on to infinity: notes, numerals, special symbols, HTML codes, mathematical functions.“ heißt es auf der Homepage.


Jede Taste besteht aus Miniatur-Displays, die jegliche Symbole darstellen können.

Wal und Unfall

In der Nähe von Imbituba, ca. 70 km südlich von Florianópolis, wurden in der letzten Woche mehrere Walfamilien gesehen. Im Internet kann man sich anschauen, wo sie sich gerade befinden. Und so machen auch wir uns auf, den Baleia Franca zu suchen. Mit Markus Monza fahren Anna, Takuya, Markus, Franziska und ich nach Imbituba. Das dortige Walmuseum wirkt ein wenig verlassen, nach einem Telefonanruf wissen wir, wo heute Wale gesichtet wurden. Ein Strand weiter nördlich sehen wir nichts, also fahren wir noch einmal ca. 20 km weiter in den Süden, genauer gesagt in den Ort Itapirubá, ein verschlafenes Feriendorf. Dort steigen wir auf einen größeren Hügel, und tatsächlich sehen wir dort, entfernt und natürlich am anderen Ende des Strandes, zwei Wale. Leider springen sie nicht, weder zeigen sie ihre große Flosse, aber manchmal sprühen sie halt eine Wasserfontäne hoch oder tauchen wie ein U-Boot auf. Das Highlight des Tages, denken wir.


Eins von ca. 20 Fotos mit Wellen zeigt dann auch mal ein Stück Wal


Fotografiert von einem internationalen Wa(h)lbeobachter-Team

Da wir noch nichts gegessen haben, wollen wir zurück in einen historischen Ort in der Nähe von Floripa, und dort den Nachmittag verbringen. Dazu kommt es leider nicht, denn als sich 10 km vor Floripa auf der Küstenstrasse ein Stau bildet, kann Markus zwar rechtzeitig bremsen, und der Hintermann auch, aber ein zu schnelles Fahrzeug hinter uns knallt auf den Hintermann, Markus reißt blitzartig das Lenkrad herum und bringt Monza und uns auf dem Standstreifen aus der Einflugschneise, während der Unfallfahrer, Pilot eines weißen VW Gol, unsere hintere Stossstange nur touchiert und dann weiter links bremsend an uns vorbeischleudert und seitlich in den langsam vor uns fahrenden Jeep prallt.
Der Gol ist eigentlich nur noch Schrottwert, die Vorderachse ist gebrochen, so dass wir ihn mit den eingetroffenen Polizisten von der Policia Rodovia Federal von der Straße wuchten. Die nehmen von allen am Unfall beteiligten Fahrzeugführern Zeugenaussagen auf, mäkeln etwas, dass der europäische Führerschein doch wohl nicht soo sehr gültig ist (in Blumenau kann man damit ein Auto zulassen…), und ansonsten sind bis auf den Unfall verursachenden Gol noch alle Fahrzeuge fahrtüchtig, so dass wir uns auf den Heimweg machen.


Der Monza ist noch heil…

Abends treffen wir noch Steve in Lagoa, und diskutieren bei Lasagne über das brasilianische Versicherungssystem, welches nur die Personenschäden Dritter mit abdeckt, nicht aber Fahrzeugschäden.