Studentenproteste

Als ich morgens am TICEN ankomme, ist dort großer Ausnahmezustand: Schüler und Studenten organisieren gerade sehr effektiv eine Sitzblockade auf der Hauptverkehrsstraße vor dem Busbahnhof.
Hélvio schärft mir auf der Arbeit ein, der Desbobinador müsse kein verkaufsfähiges Produkt werden – ich solle noch einfacher konstruieren.
Abends treffe ich Sebastian, er hat Kartoffelsuppe gekocht. Im Fernsehen bringen sie Bilder von der Studentendemo: Proteste gegen die neuen Buspreise.
Luiz ist in Bahia auf einer Anwaltskonferenz und ich muss erst einmal ausschlafen.

Rückfahrt

Im Bus laufen nur Schrottvideos, also habe ich ausgeschlafen. In Floripa angekommen wurden die Buspreise von 1,60 auf R$ 1,75 angehoben. Ist mir egal, ich fahre auch feiertags mit meinem Vale Transporte.


Curitiba: Was eine große Rodoviária ist, hat ein Terminal für Inter- und Intrabundestaatenbusse

Oscar-Niemeyer-Museum

Heute um 8 sollte es zur Ilha do Mel gehen, der Honiginsel an der Küste Paranás. Leider waren für den historischen Zug schon alle Tickets ausverkauft – da wissen wir fürs nächste Mal, dass wir uns die vielleicht vorher besorgen sollten.


An einer anderen Wand hingen sechs Gummistiefel…

Aber Curitiba bietet ja auch eine ganze Menge, und so haben wir das Oscar-Niemeyer-Museum besichtet. Erwartet haben wir ein Museum über das Werk des bekanntesten brasilianischen Architekten, geboten bekommen haben wir ein Museum allerlei Gerümpel. Niemeyer hat nur das Museum entworfen, und das ist also nur von außen sehr schick:


Oscar Niemeyer war hier nur Architekt

Im historischen Zentrum haben wir zu Mittag gegessen, und danach in einem der Stadtparks entspannt. Abends haben wir in der Jugendherberge noch einen Schweden namens Daniel getroffen, der in Paris studiert. Ohne ein Wort Portugiesisch allein in Brasilien Urlaub machen – das ist schon krass. Mit ihm waren wir im Pub und im Schwarzwald – zwei Kneipen im historischen Viertel.

Curitiba

Nach dem „Frühstück“ im Hotel Vitoria (1,50 Reais extra, das kann nicht viel gewesen sein) haben wir mal in die Uni hereingeschaut, und einen netten Hörsaalspruch notiert:


Deutscher Schumachinho ist ein Eierlutschmäulchen

Danach haben wir uns schleunigst auf Hotelsuche begeben. Irgendwie wollte das nicht so recht gelingen, wir warfen Blicke in einige Billigabsteigen (wahrscheinlich nachts ein Rotlichtviertel), und sahen Luxushotels mit 80 Reais pro Nacht. Wo sind normale Zimmer, die 20 Reias pro Person kosten? Zufällig fanden wir die Jugendherberge in der Nähe des Shopping Estação (der alte Bahnhof ist jetzt Shopping Center – Wischmeyer: „Und irgendwann fährt gar kein Zug mehr ab vom Bahnhof und niemandem fällt es auf.“). Hier haben wir uns im dormatório, dem Schlafsaal eingemietet. Inzwischen wurde es Zeit, unsere Nachhut von der Rodoferroviária abzuholen: Markus und Christian trafen ein, und nach einem weiteren Eincheckmanöver in der Jugendherberge sind wir dann zum botanischen Garten gefahren (der heißt mehr als er ist, das ist eigentlich nur eine Grünfläche mit zwei Rosenbeeten), und nach einer Bus-Irrfahrt bei der Ópera de Arame, einem Freilufttheater angekommen. Hier war aber eine Graduationsfeier, so dass wir nicht reinkonnten, dafür haben wir im Bus eine portugiesische Studentin kennen gelernt, die in Rio studiert.


Das Glashaus im Hintergrund ist wohl neben diesen smarten Herren die einzige Attraktion des botanischen Gartens.

Abends standen weitere minutenlange Studien über die Warteschlangenbildung in einem kleinen Supermarkt auf dem Programm, unterbrochen von einem Supermarktpacker, der mit seinem Hubwagen etwa genau so lange brauchte, eine Palette einzuparken.


Historisches Zentrum – das ist wirklich schön. In der Bildmitte sind übrigens zwei omnipräsente brasilianische Telefonzellen zu erkennen – die orelhões (Riesenohren). Ich habe es schon mal geschafft, dagegen zu laufen, als ich telefonieren wollte – sie sind einfach zu niedrig angebracht.

Später durften wir auch tatsächlich das historische Zentrum entdecken, wo wir noch in einer Kneipe waren. Nach einer Stunde descansar in der Jugendherberge sind Steve, Christian und ich noch mal auf Kneipen- und Diskosuche gegangen, aber wieder in einer ähnlichen Videoké-Bar wie gestern gelandet. Abends finden die Partys wahrscheinlich weiter außerhalb des Zentrums statt. Schade eigentlich.

um pequininho quartinho

Nach dem Frühstück in der Pousada Schulz sind Steve und ich über Umwege zur Rodoviária gelangt. Da trifft man noch mal einen Deutschstämmigen, der uns erzählt, dass seine Tochter Architektur in Aserbaidschan studieren will, geht am Feiertag in einen Hipermercado, und gelangt mit dem Stadtbus schließlich zur Rodoviária.


Landschaft zwischen Joinville und Curitiba: Seen und hohe Berge

Durch das Gebirge geht es in zweistündiger Busfahrt in die Hauptstadt des Bundestaates Paraná. Curitiba hatte 1857 zehntausend Einwohner, 1950 etwa 300.000, und zählt heute mit 1,6 Millionen Einwohnern zu den größten Städten Südbrasiliens. In den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchs die Stadt schlagartig, und es gelang, ein vorbildliches Verkehrssystem sowie ein Programm zur Rettung der historischen Altstadt umzusetzen.


Glasschläuche als Bushaltestellen, wo die Busse passgenau anhalten und sich dann die Türen öffnen

Wir kommen an der Rodoferroviária an (ja, hier gibt es auch eine Eisenbahn), und machen uns auf Quartiersuche. Mit Hilfe einer ausgedruckten Liste mit Pousadas kommen wir nicht weit, und finden ein Hotel in der Nähe der Kathedrale. Eigentlich hätten wir schon beim Preis von 10 Reais pro Nacht und Person stutzig werden müssen, haben das Zimmer jedoch dann genommen. So musste der Dosensammler, der kurz nach uns ankam und um pequininho quadrinho (ein kleinstes Zimmerchen) suchte, leider diese Nacht auf der Straße verbringen. Das Zimmer war also in einer Absteige für die unteren Ebenen der brasilianischen Gesellschaft. Die Herbergsmutter war durchaus herzlich, aber nicht auf Gäste wie wir eingestellt. Nun wissen wir, warum man manchmal eben doch 20 Reais die Nacht zahlen sollte.
Am Nachmittag haben wir dann die Kathedrale besichtigt, von wo aus gerade die Fronleichnamsprozession gestartet war. Evtl. war Margot Honecker auch da, zumindest haben wir eine Frau gesehen, die ihr auffällig ähnlich sah.


In der Einkaufsmeile Rua quinze gab es mal eine Straßenbahn

Leider sind wir danach in die falsche Richtung gelaufen, und haben das historische Zentrum genau verfehlt. Auf der Frage nach dem Weg haben wir aber zwei Studentinnen aus Londrina kennen gelernt, die auf irgendeinem Kongress in der Stadt waren. Larissa und Klara sind sehr angenehme Leute, vor allem deshalb, weil sie auf unsere Herkunftsangabe nicht mit „Schumacher“ oder „Heil H…er“ reagierten, sondern man sich mit ihnen einfach gut unterhalten konnte.


Marcus, Karla, Steve und Larissa

Nach einer Pizza in der Kneipenstraße Rua 24 horas wurde es ziemlich kalt, um uns auf dem Rückweg aufzuwärmen sind wir noch in einer abgeschrammten Videoké-Bar gelandet, es hatte auch wegen dem Feiertag irgendwie nichts geöffnet.
Im Hotel Vitoria haben wir dann ernsthaft überlegt, aus hyginenischen Gründen angezogen zu schlafen.
Mehr zu Curitiba und dessen Verkehrssystem auf Wikipedia.


Ein Penner im Hotel Vitoria, wo morgens die Sonne durchs undichte Dach scheint

Joinville

Heute habe ich mein Notebook zu Hause gelassen, denn heute soll unser großer Ausflug über Joinville und Curitiba zur Ilha do Mel (Honiginsel) beginnen. Schließlich ist am Donnerstag Fronleichnam, und der Freitag ist in Brasilien ähnlich wie in Deutschland ein beliebter Brückentag. Bei Olsen müssen alle Mitarbeiter Zeitausgleich nehmen. So ein Tag auf der Arbeit ohne eigenen Rechner ist natürlich saumäßig langweilig, ich habe mir wieder freie Rechnerarbeitsplätze suchen müssen und begonnen, meinen angefangenen Praktikumsbericht ins Portugiesische zu übersetzen. Da ein Mittwoch vor einem langen Wochenende quasi ein Freitag ist, haben mir häufiger mal ein paar Kollegen über die Schulter geschaut und Ausdrucksfehler korrigiert.
Pünktlichst um sechs bin ich wieder mit Wanderlei Richtung Norden gefahren. Dieses Mal hat es nicht geregnet, so dass wir gut durchgekommen sind und er mich bis Joinville mitgenommen hat. Am Dienstagabend hatte ich nicht nur etwas Deutsches Bier für Wanderlei gekauft, sondern auch via Internet-Telefonie die Pousada Schulz klargemacht. Hier treffe ich Steve, der schon mit einigen Kollegen aus Jaraguá do Sul hochgekommen ist. Christian geht am Donnerstag noch auf die Hochzeit eines Kollegen in Blumenau, und auch Markus ist wieder fit, beide werden aber erst am Freitag in Curitiba zu uns stoßen. Steves Kollegen treffen wir in einer Kneipe in der Nähe des Mueller Shopping wieder. Einige von ihnen kenne ich schon aus Blumenau, inzwischen kann ich mir auch ihre Namen merken: Clodoaldo, Cristiano, Vinicio und Andrei. Zumindest Clodoaldo und Cristiano parecem muito alemão, sehen ziemlich Deutsch aus. Vinicio ist so ein Typ Ossistent, und fährt einen alten Ford Pampa (eine Art Escort mit Ladefläche), mit dem er andere Autofahrer zur Weißglut bringen kann, indem er ihnen im Schneckentempo die Vorfahrt nimmt. Wir waren mit ihnen noch in einer netten Studentendisko, wo eine Rockband aktuelle brasilianische Musik coverte, und in den Pausen wie so oft auf Techno umgeschaltet wurde.

Kalt auf der Arbeit

Als ich aufwache ist es auch zu Hause kalt. Ich drehe die Duschbrause ausnahmsweise auf Super Quente. Unsere Duschbrause zu Hause hat nämlich sogar vier Stufen: Aus, Moderado, Quente und Super Quente. Als ich in Brasilien angekommen bin, stand sie auf Moderado, und ich habe gedacht, die Brasilianer sind verrückt, wenn sie so heiß Duschen. Inzwischen ist das Haus ausgekühlt und die Zuflusstemperatur des Wassers sicherlich auch einige Dekaden kälter.


Die Dusche im Hermman ist abenteuerlich verkabelt. Vor dem Umschalten der Temperatur Dusche aussschalten!

Heute ist es auf der Arbeit auch kalt, es gibt natürlich keine Heizung. Also sitzt der brasilianische Bürobesatzer in Pullover und Jacke auf der Arbeit. Tudo tranqüile.

Kalt

Als Steve und ich im Hermann aufwachen, ist es einfach nur kalt. Nach dem Frühstück besichtigen wir aus lauter Verzweiflung noch das Dr.-Hermann-Blumenau-Mausoleum, und fahren dann zur Rodoviária. Inzwischen ist es richtig warm geworden, so dass man in kurzer Hose herumlaufen kann. Leider ist der Bus nach Florianópolis kein Semi-Direito, sondern ein Pinga-Pinga, ein Bus, der jedes Dorf abklappert. Ist aber auch egal, denn ich schlafe ein und muss von der Besatzung am Rodoviária in Floripa geweckt werden. Zu Hause angekommen wird es dann richtig kalt, und ich schaffe es mit letzter Kraft, folgende Zeilen zu verfassen, bevor ich mich hinlege:

Hallo,
nur ganz kurz: Wir waren am WE in Blumenau, haben Edgar wieder getroffen und es wird tagsüber richtig warm (kurze Hose möglich), und jetzt sitze ich hier abends im dicken Norwegerpulli im unbeheizbaren Haus und frier mir den Ast ab.
Nun ja, ich schreibe dann morgen mal einen langen Bericht, lege mich jetzt ins Bett, aber nicht ohne ein Foto von der Ilha de Santa Catarina, auf der ich lebe, ins Netz zu stellen. Es ist von der Raumstation ISS aufgenommen worden:

Russendisko

„Anne, das beste am Hermann ist das Frühstück. Dafür lohnt frühes Aufstehen“. Ist ja richtig, aber die Nacht war kurz, aber dennoch sind Steve und ich nach einem ausgiebigen Frühstück wieder in der Lage, eine kleine Blumenau-Führung zu veranstalten. Kathedrale, Biergarten, Caféhaus Gloria. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Blumenaus habe ich mal fotografisch hier aufgelistet.


Avenida das Palmeidas


Marcus, Steve, Christian und Anne im Caféhaus Gloria bei Schokoerdbeerkuchen und Käffken/Tee


Welches Tier lebt auf dieser 45°-Flussböschung? Ein Hanghuhn? Ein Wasserschwein?


Im Stadtzentrum: Touri-Info im Haus Möllmann und die Tunga


Das Rathaus von Blumenau sieht von allen vier Seiten gleich aus.


Die Rainha Oktoberfest mit ihren beiden Prizesschens


Deutsche Kultur auf zwei Worte abstrahiert – das ist Blumenau

Im Caféhaus Gloria sprechen die alten Damen tatsächlich noch Deutsch, und fragen ob wir Café colonial oder Kuchen vom Balkon wollen: Café Colonial ist Kuchen-Rodízio, und Balkon ist der Tresen. Wir entscheiden uns in Anbetracht der Tatsache, dass es heute Abend mit Sicherheit Pizza-Rodízio geben wird, für ein einfaches Stück Torte. Muss ja auch ma reichen, Anneliese? Leider hat das Museo da família colonial schon geschlossen, und es wird immer wärmer. Irgendwann später am Nachmittag verabschiedet sich Anne gen Joinville, und wir Jungs machen uns nach einer Zwischenstation in der Tunga auf zum „Castelo da Pizza“, wo wir mit Edgar verabredet sind. Er hat seinen 96-jährigen Mitbruder mitgebracht (war der nicht vor ein paar Wochen noch 94? Dann werden wir zu seinem 100. Geburtstag sicher noch in Brasilien sein), und der ist noch ganz gut zu Fuß. Edgar erzählt von Flugzeug- und Elefantensegnungen, von seiner ersten Überfahrt nach Brasilien mit dem Schiff 1957 und von den ersten Jahren in Brasilien – großes Abenteuer.


Pizza Doce com Sorvete

Als Spezialität gibt es hier eine Nachtischpizza mit Eis. Ist so eine Mischung aus Vanillepudding und Eis, die nach dem Backen aufportioniert wird. Wir versuchen, nicht am Buffet zu scheitern.
Nach dem Abschied von Edgar gehen wir noch auf eine 80er-Jahre-Party in der Disko Subway. Leider wird der Maßstab unseres Stadtplanes nach außen hin größer, so dass wir mindestens eine Stunde unterwegs sind. Als ein Vectrafahrer bei der Einfahrt zur Diskothek seine Lichtorgel auf der Hutablage einschaltet, hätten eigentlich alle Alarmsignale schrillen müssen: Jetzt weiß ich, was eine brasilianische Russendisko (ohne Russen, selbstverständlich) ist, denn drei Beamer werfen Musikvideos, die irgendwann mal auf deutschen Musiksendern aufgenommen wurde, über den Mediaplayer an die Wand. Für Titel, die nicht als Video vorliegen, wird Werbung eingeblendet. Das Publikum hat im Durchschnitt die 40 überschritten – wir sind also vollkommen deplatziert. Aber die Musik ist gut, und das geniale Queen-Video „I want to break free“, wo Freddy Mercury als Hausfrau staubsaugend durchs Bild huscht, ist einfach ein Hit.
Irgendwann denken wir an den Heimweg. Es ist mächtig kalt geworden, und in einer Lanchonette sitzen die Brasilianer mit dicker Jacke, Mütze, Schal und trinken heißen Tee. Uns ist im T-Shirt auch etwas kalt, aber die Brasilianer sind schon ziemliche Mimmosen…
Da der nächste Bus erst in einer Stunde fährt, verhandeln wir mit einem Taxifahrer über eine Passagem zum nächsten Busterminal. Steve versucht den Preis von 10 auf 8 Reais zu drücken, diesmal ohne Erfolg. Der gute Mann will 10 Reias. „Bringst du uns für 10 Reais dann wenigstens bis vor die Tür, Nähe Hospital Santa Isabella?“, frage ich. „Pode ser“ – die brasilianische Ein- und Allesfrage- und Antwort, die „ist möglich, kann sein, geht klar“ heißt.

Besuch von Liliana und Adrían

Heute waren die beiden USFC-Doktoranden wieder im Unternehmen und hatten ihren Professor dabei. Hélvio sagte mir: „Mach doch erst mal einen Rundgang mit ihnen, zeig ihnen das Werk!“ Ich kann vieles, und auf Deutsch und Englisch könnte ich sicherlich problemlos eine Besuchergruppe führen, aber auf Portugiesisch traue ich mir das nicht zu. Also habe ich mir Rodrigo dazu geholt, der das souverän gemeistert hat. Eine Sache hatte ich jedoch nicht beachtet: Rodrigos Eltern kommen aus Paraguay, und so musste ich mich nicht wundern, dass die Führung mehr und mehr ins Spanische abdriftete.
Zu Feierabend hieß es dann wieder: pegar carona. Heute ausnahmsweise nicht mit Claudio und Rodrigo, sondern mit Konstrukteur Wanderlei. Er kommt aus Joinville und ist Wochenendpendler, die ersten 100 km bis Balneário Camboriú kann er mich mitnehmen, ohne dass ich erst nach Floripa reinmüsste. Wanderlei hat einen Corsa, der in der brasilianischen Version nicht nur unter der Dachmarke Chevrolet vertrieben wird, sondern vor allem nur 700kg wiegt. Heizung, Servolenkung, ABS, Airbag, so was braucht ja niemand in Brasilien. Wegen dem geringen Gewicht und den stürmischen Regenfällen müssen wir mächtig aufpassen, aquaplanagem ist angesagt. Autos kriechen auf der ersten Spur der Küstenautobahn BR-101 nach Norden, schwere LKW und Busse sausen mit 120 auf der Überholspur daran vorbei und pflügen meterhohe Wassermassen auf die Autos. Von Balneário fahre ich mit dem Bus weiter nach Blumenau, wo ich schon um kurz nach neun im Hermann einchecke. Steve war noch nicht da, also mache ich das Doppelzimmer klar. Wir laufen da jetzt schon fast als Stammkunden. Im Neumarkt Shopping Center treffe ich Steve und Christian, der einige seiner Blumenauer Kollegen von Teclógica im Schlepptau hat. Und: Dieses Wochenende ist auch Anne aus Joinville gekommen, sie war bisher noch nicht in Blumenau gewesen. Nach einem weiteren kurzen Zwischenstopp im Hotel Hermann und einer Lanchonette geht es wieder mal in unsere Blumenauer Stammdisko Observatório, wo zwei Nachwuchsbands ihr Können zum Besten geben. Zurück geht es mit dem Bus, in der Bushaltestelle lernen wir die Deutschkenntnisse der Blumenauer Jugendlichen kennen: „Bier“, „Schnaps“, „kaputt“ und „Tschüss“. Na ja, sie wollen morgen wieder ins Observatório, wir überlegen uns das noch einmal und nehmen den ersten Bus zurück.