„Anne, das beste am Hermann ist das Frühstück. Dafür lohnt frühes Aufstehen“. Ist ja richtig, aber die Nacht war kurz, aber dennoch sind Steve und ich nach einem ausgiebigen Frühstück wieder in der Lage, eine kleine Blumenau-Führung zu veranstalten. Kathedrale, Biergarten, Caféhaus Gloria. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Blumenaus habe ich mal fotografisch hier aufgelistet.

Avenida das Palmeidas

Marcus, Steve, Christian und Anne im Caféhaus Gloria bei Schokoerdbeerkuchen und Käffken/Tee

Welches Tier lebt auf dieser 45°-Flussböschung? Ein Hanghuhn? Ein Wasserschwein?

Im Stadtzentrum: Touri-Info im Haus Möllmann und die Tunga

Das Rathaus von Blumenau sieht von allen vier Seiten gleich aus.

Die Rainha Oktoberfest mit ihren beiden Prizesschens

Deutsche Kultur auf zwei Worte abstrahiert – das ist Blumenau
Im Caféhaus Gloria sprechen die alten Damen tatsächlich noch Deutsch, und fragen ob wir Café colonial oder Kuchen vom Balkon wollen: Café Colonial ist Kuchen-Rodízio, und Balkon ist der Tresen. Wir entscheiden uns in Anbetracht der Tatsache, dass es heute Abend mit Sicherheit Pizza-Rodízio geben wird, für ein einfaches Stück Torte. Muss ja auch ma reichen, Anneliese? Leider hat das Museo da família colonial schon geschlossen, und es wird immer wärmer. Irgendwann später am Nachmittag verabschiedet sich Anne gen Joinville, und wir Jungs machen uns nach einer Zwischenstation in der Tunga auf zum „Castelo da Pizza“, wo wir mit Edgar verabredet sind. Er hat seinen 96-jährigen Mitbruder mitgebracht (war der nicht vor ein paar Wochen noch 94? Dann werden wir zu seinem 100. Geburtstag sicher noch in Brasilien sein), und der ist noch ganz gut zu Fuß. Edgar erzählt von Flugzeug- und Elefantensegnungen, von seiner ersten Überfahrt nach Brasilien mit dem Schiff 1957 und von den ersten Jahren in Brasilien – großes Abenteuer.

Pizza Doce com Sorvete
Als Spezialität gibt es hier eine Nachtischpizza mit Eis. Ist so eine Mischung aus Vanillepudding und Eis, die nach dem Backen aufportioniert wird. Wir versuchen, nicht am Buffet zu scheitern.
Nach dem Abschied von Edgar gehen wir noch auf eine 80er-Jahre-Party in der Disko Subway. Leider wird der Maßstab unseres Stadtplanes nach außen hin größer, so dass wir mindestens eine Stunde unterwegs sind. Als ein Vectrafahrer bei der Einfahrt zur Diskothek seine Lichtorgel auf der Hutablage einschaltet, hätten eigentlich alle Alarmsignale schrillen müssen: Jetzt weiß ich, was eine brasilianische Russendisko (ohne Russen, selbstverständlich) ist, denn drei Beamer werfen Musikvideos, die irgendwann mal auf deutschen Musiksendern aufgenommen wurde, über den Mediaplayer an die Wand. Für Titel, die nicht als Video vorliegen, wird Werbung eingeblendet. Das Publikum hat im Durchschnitt die 40 überschritten – wir sind also vollkommen deplatziert. Aber die Musik ist gut, und das geniale Queen-Video „I want to break free“, wo Freddy Mercury als Hausfrau staubsaugend durchs Bild huscht, ist einfach ein Hit.
Irgendwann denken wir an den Heimweg. Es ist mächtig kalt geworden, und in einer Lanchonette sitzen die Brasilianer mit dicker Jacke, Mütze, Schal und trinken heißen Tee. Uns ist im T-Shirt auch etwas kalt, aber die Brasilianer sind schon ziemliche Mimmosen…
Da der nächste Bus erst in einer Stunde fährt, verhandeln wir mit einem Taxifahrer über eine Passagem zum nächsten Busterminal. Steve versucht den Preis von 10 auf 8 Reais zu drücken, diesmal ohne Erfolg. Der gute Mann will 10 Reias. „Bringst du uns für 10 Reais dann wenigstens bis vor die Tür, Nähe Hospital Santa Isabella?“, frage ich. „Pode ser“ – die brasilianische Ein- und Allesfrage- und Antwort, die „ist möglich, kann sein, geht klar“ heißt.
