Heute waren die beiden USFC-Doktoranden wieder im Unternehmen und hatten ihren Professor dabei. Hélvio sagte mir: „Mach doch erst mal einen Rundgang mit ihnen, zeig ihnen das Werk!“ Ich kann vieles, und auf Deutsch und Englisch könnte ich sicherlich problemlos eine Besuchergruppe führen, aber auf Portugiesisch traue ich mir das nicht zu. Also habe ich mir Rodrigo dazu geholt, der das souverän gemeistert hat. Eine Sache hatte ich jedoch nicht beachtet: Rodrigos Eltern kommen aus Paraguay, und so musste ich mich nicht wundern, dass die Führung mehr und mehr ins Spanische abdriftete.
Zu Feierabend hieß es dann wieder: pegar carona. Heute ausnahmsweise nicht mit Claudio und Rodrigo, sondern mit Konstrukteur Wanderlei. Er kommt aus Joinville und ist Wochenendpendler, die ersten 100 km bis Balneário Camboriú kann er mich mitnehmen, ohne dass ich erst nach Floripa reinmüsste. Wanderlei hat einen Corsa, der in der brasilianischen Version nicht nur unter der Dachmarke Chevrolet vertrieben wird, sondern vor allem nur 700kg wiegt. Heizung, Servolenkung, ABS, Airbag, so was braucht ja niemand in Brasilien. Wegen dem geringen Gewicht und den stürmischen Regenfällen müssen wir mächtig aufpassen, aquaplanagem ist angesagt. Autos kriechen auf der ersten Spur der Küstenautobahn BR-101 nach Norden, schwere LKW und Busse sausen mit 120 auf der Überholspur daran vorbei und pflügen meterhohe Wassermassen auf die Autos. Von Balneário fahre ich mit dem Bus weiter nach Blumenau, wo ich schon um kurz nach neun im Hermann einchecke. Steve war noch nicht da, also mache ich das Doppelzimmer klar. Wir laufen da jetzt schon fast als Stammkunden. Im Neumarkt Shopping Center treffe ich Steve und Christian, der einige seiner Blumenauer Kollegen von Teclógica im Schlepptau hat. Und: Dieses Wochenende ist auch Anne aus Joinville gekommen, sie war bisher noch nicht in Blumenau gewesen. Nach einem weiteren kurzen Zwischenstopp im Hotel Hermann und einer Lanchonette geht es wieder mal in unsere Blumenauer Stammdisko Observatório, wo zwei Nachwuchsbands ihr Können zum Besten geben. Zurück geht es mit dem Bus, in der Bushaltestelle lernen wir die Deutschkenntnisse der Blumenauer Jugendlichen kennen: „Bier“, „Schnaps“, „kaputt“ und „Tschüss“. Na ja, sie wollen morgen wieder ins Observatório, wir überlegen uns das noch einmal und nehmen den ersten Bus zurück.
