Morgens um sieben Uhr holt uns Fábio zu Hause ab, und wir suchen einen Supermarkt, der so früh schon geöffnet hat, denn Fábio will seinem Vater noch Oktoberfestbier mitbringen. Der Angeloni an der Beiramar hat noch geschlossen, und der Imperatriz im Beiramar Shopping hat kein deutsches Bier – aber 24h geöffnet.
Als wir über die Brücke auf den Kontinent fahren, lese ich vor: „Curitiba 285 km.“ Fábio fragt nach der Nord-Süd-Ausdehnung Deutschlands: „mais ou menos 900 quilometros“, antworte ich. „Das machen wir heute auch!“, grinst Fábio.
Und so geht es, diskutierend über Supermarktöffnungszeiten und Verkehrsregeln, immer Richtung Norden. Lichthupe und Drängeln eingeschlossen. Und „dar uma buzzinha“ – ein Hüpchen geben. An Curitiba vorbei, hoch in den Bundesstaat São Paulo, wo wir in Registro Mittagspause machen. Wir biegen ab und fahren auf der Küstenautobahn an Santos vorbei weiter, um São Paulo Capital zu umgehen. Vorbei an São José dos Campos landen wir abends gegen sechs Uhr in Guaratinguetá.
Nach einigen Stunden descansar treffen wir abends Fábios Vater, Professor für Operations Research an der Landesuniversität São Paulo (UNESP), der mit ein paar Kollegen aus der Wirtschaftsfakultät auf dem Freitagabend immer noch ein paar Bierchen in einer kleinen Lanchonete kippt. Das muss man sich mal vorstellen: Der Haran-Döner in Ilmenau voll mit TU-Profs aus der Wirtschaftsfakultät im Karohemd, sehr lustige Szenerie.
Auf der Fahrt dorthin kommen wir durch einen Stadtteil, dessen Lebensader eine vierspurige Ausfallstraße ist. „Dieser Stadtteil wurde vor etwa 15 Jahren angelegt, es haben sich viele Geschäfte, Tankstellen, etc. hier angesiedelt,“ erklärt Fábio. „Die Straße soll das Shopping Center von Guaratinguetá mit der Stadt verbinden, und das Lustige ist: Das Shopping Center wird jetzt bald erst eröffnet!“ Es war wohl mehr als 10 Jahre eine Bauruine, bis doch jemand mal wieder angefangen hat, daran zu bauen. Der Parkplatz ist längst grasbewachsen. „Das ist mal wieder typisch für Brasilien: Die einfachen Sachen werden schnell gebaut, aber bei den teueren Ingenieurleistungen geht dann das Geld aus!“. So etwas Ähnliches hatte ich auch schon beobachtet: Autobahnartig ausgebaute Straßen, dann ein Fluss, über den eine einspurige Holzbrücke führt, sind keine Seltenheit. Auch beim Ausbau der Rodovia Regis Bittencourt (Autobahn Curitiba – São Paulo), über die wir heute gefahren sind, sind die Abschnitte mit den großen Brücken zuletzt fertig geworden.
