Bootsausflug mit Piranhas und Jacarés


Über diese Erdstraße ging es drei Stunden mit dem Jeep zu unserem Hotel.

Als wir morgens um halb sieben vom Frühstück kommen, und ich die ersten Fotos des Camps mache, wird mir klar, dass wir wirklich mitten im Nirgendwo sind. Aber das Camp liegt am Ufer des Rio Paraguay, und wenig später sitzen wir auf einem kleinen Kahn mit Außenborder, auf dem Pepino und ein anderer Guia uns über den Fluss chauffieren. Ihre Augen sehen und entdecken mehr als wir ausmachen können: einen perfekt getarnten Leguan, der auf Blattwerk derselben Farbe sitzt, entdecken sie schon, als wir gerade sehen, dass dort ein Baum steht. Am Ufer begegnen uns die allgegenwärtigen Capivaris – Wasserschweine. Wir biegen in einen Nebenfluss ein, und immer wenn sich das Boot den am Ufer liegenden Kaimankrokodilen nähert, lassen sich diese gemächlich ins Wasser gleiten. Einmal legten wir an einer Sandbank an, welche mit Krokodilen (oder Jacarés, wie sie hier genannt werden) voll besetzt war. Der Bootskapitän warf einen kleinen Fisch vor einem der Reptile auf den Boden, welches sich allerdings noch nicht in der Wach- oder Essensphase befand. Also musste das Krokodil erst mit einem Stock verscheucht werden, der Bootsführer stieg überraschend aus dem Boot und holte seinen wertvollen Fisch zurück. An einer anderen Stelle, längst hatten wir eine Otterfamilie und ein brütendes Tuiuiú-Pärchen passiert, ging es wieder zu den Krokodilen: Pepino hat die Angel in den Fluss geworfen, und innerhalb weniger Sekunden einen kleinen Piranha zutage gefördert. Diesen galt es jetzt an die noch etwas trägen Jacarés auf der nächsten Sandbank zu verfüttern. Wie Chips knackte das Krokodil den Piranha durch das Maul.


Leguan


Tuiuiú


Das Pantanal beherbergt ca. 32 Mio. Krokodile


Krokodile und Anacondas streiten um die Spitzenposition in der Nahrungskette. Piranhas stehen definitiv darunter.


Anacondas fressen schon mal ganze Wasserschweine.

Nachdem wir noch Baden waren (zugegeben, hier war Steve der einzige Wagemutige, der sich mit dem Bootsführer in den mit Piranhas und Krokodilen gespickten Fluss wagte) ging es dann zurück. Pepino erklärt noch etwas zum Tuiuiú: Er gehört zur Familie der Storche und bildet das Wappentier des Pantanals. Die bis zu 1,5m großen Vögel mit ihrer Flügelspannweite von knapp drei Metern gehören zu den größten flugfähigen Vögeln Südamerikas. Männchen und Weibchen bleiben ihr Leben lang zusammen, stirbt der Partner, bleibt das verwitwete Tier allein. In einem alten Baumgerippe ziehen sie in einem Nest ihren Nachwuchs heran, ein Elterntier bewacht das Nest mit Argusaugen.
Zurück auf dem Rio Paraguay begegnen wir noch einigen Hobbyfischern, die uns ihre dicken Fische präsentieren, und nach der Ankunft an der Lodge heißt es dann zunächst einmal Siesta.
Danach will Pepino mit uns Reiten gehen. Die bereitgestellten Pferde stammen allerdings von einem Drittanbieter, und Pepino stellt nach etwa 10minütiger Musterung der Tiere und des Reitgeschirrs fest: schlecht gepflegte Tiere, zu gefährlich, sorry. So traurig waren dann weder er noch wir, dass das mit dem Reitausflug nichts wurde, und Pepino hat dann ein paar Angeln organisiert, zehn Minuten später waren wir, bewaffnet mit kleinen Fleischködern, auf dem Weg zum Fluss, um dort ein paar Piranhas zu fischen.


Seit zwei Tagen in Brasilien, und schon den ersten dicken Fisch an der Angel: Katrhin


Naja, Steve kann’s auch nicht besser.

Auch wenn wir bis zu den Knien im Schlamm standen, und der Fluss wahrscheinlich von Raubfischen wimmelte, war unsere Ausbeute eher erbärmlich: Nur Steve, Kathrin und Jürgen gelang es, jeweils einen Piranha aus dem Strom zu fischen, während Pepino einen Piranha nach dem anderen herauszog. Bei mir erinnerte das ganze eher an eine Raubtierfütterung, die Piranhas waren zu intelligent für den ungeübten Angler und fraßen die Köder ab, bevor ich an der Rute ziehen konnte. Nüchterne Bilanz des Nachmittags: insgesamt dürften wir alle mehr Fleisch investiert haben als Fisch gewonnen haben.
Zeit, die Sachen zu packen und uns mit Pepino auf den nächsten Jeep zu stürzen, der uns etwa eine halbe Autostunde zurück an eine Kreuzung mit kleinem Kiosk bringt. Die nächsten beiden Nächte werden wir in einem Camp der Jugendherberge verbringen, welches am Rio Negro und noch weiter im Pantanal liegt. Vom Kiosk fahren wir mit einem anderen Jeep dorthin, bleiben aber zuvor einige Male im Treibsand stecken, so dass uns ein zweiter Jeep (der über einen funktionierenden Allradantrieb verfügte) herausziehen musste. „Precisa-se de um bom motorista“, sagt Pepino achselschüttelnd über die nach seiner Ansicht mangelnden Fähigkeiten des Jeepfahrers. Angekommen im Camp, beziehen wir unsere Hängematten, die uns in den nächsten Tagen als Schlafquartier dienen werden. Entgegen aller Befürchtungen hat sich auch Kollege Forsti in die Wildnis durchgeschlagen, der von seinem Besuch bei der Dschungelhochzeit und seinem bereits absolvierten Aufenthalt in Bonito berichtet.

Eine Antwort auf „Bootsausflug mit Piranhas und Jacarés“

  1. Hallo Marcus,

    die Siska hatte mir gesagt, dass das Gebiet, welches Ihr besuchen wolltet, touristisch erschlossen ist. Nach Deinen Schilderungen denke ich eher, dass "touristisch erschlossen" wohl eine Auslegungsfrage ist.

    Angelika

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