Am brasilianischen Nationalfeiertag auf dem Weg ins Pantanal

Ich wache auf, als der Nachtdirektbus in die Rodoviária von Curitiba einbiegt, 5:35 Uhr. Bis kurz nach sechs müssen wir in einem der weltbekannten Glasschläuche auf einen Stadtbus warten, der uns zum Flughafen rausfahren soll, als ein lautes geröllartiges Krachen die Stille unter den morgendlichen Pendlern unterbricht. „Parece um caminhão que bateu à ponte“, sagt die Ticketverkäuferin der Bushaltestelle: Hört sich an wie ein LKW, der gegen die Brücke gefahren ist. Keiner glaubt ihr. Aber sie muss es ja wissen, denn sie arbeitet ja jeden Tag dort. Und als wir im Bus sitzen, und der Bus um zwei Ecken gebogen ist, fährt unter einer alten Eisenbahnbrücke gerade ein LKW an, dessen Aufbau diagonal abgeknickt ist und somit quer über der Straße hängt. Wohlgemerkt: Er fährt weiter. Die Augenblicke, in denen der Fotoapparat natürlich tief unten im Rucksack liegt…
Auf dem Flughafen von Curitiba frühstücken wir in einer Lanchonete, während wir auf den Flug nach São Paulo warten. Dort treffen wir auf dem im Nebel liegenden Inlandsflughafen Congonhas auf Steve und seine Freundin Kathrin, die gestern aus Deutschland gelandet ist. Mit ihnen geht zusammen geht es weiter nach Campo Grande, die Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul (südlicher großer Wald). Am Flughafen von Campo Grande erwarten uns mittags zwei Jungs von der Jugendherberge: „Wollt ihr noch eine Nacht hier in der Jugendherberge verbringen, oder heute schon ins Pantanal aufbrechen?“ Wir wollen natürlich keinen Tag verschenken, kaufen uns in Campo Grande noch Hüte, Taschenlampen und Wasser, und schon wenig später sitzen wir im Sprinter der Jugendherberge, der uns ins drei Autostunden (etwa 250 km) entfernte Buraco dos Piranhas bringt. Zwischen Campo Grande und Buraco dos Piranhas gibt es etwa fünf Ortschaften. In Buraco dos Piranhas, auf jeder Landkarte eingezeichnet, gibt es ein Forstamt, einen Kiosk sowie einen Richtfunkmasten. Mehr nicht. Aber von hier aus führt eine Erdstraße ins Pantanal.


Sonnenuntergang über den letzen Hügeln vor der Pantanal-Ebene


Nach fünf Minuten von drei Stunden Fahrzeit auf der Ladefläche sehen Jürgen, Franziska, Steve, Kathrin und Rebecca noch nicht so sehr durchgeschüttelt aus.

Ein Jeep wartet bereits auf uns, es wird dunkel, und auf der Ladefläche fahren wir weitere drei Stunden immerhin 60 Kilometer weit ins Pantanal. Auf diesen 60 Kilometern fahren wir durch einen Ort, eine weitere „Siedlung“ aus drei Häusern, an ca. 10 Bauernhofzufahrten vorbei – ansonsten: Nichts. Angekommen auf der einfach eingerichteten Lodge der Jugendherberge begrüßt uns Pepino, und stellt sich als unser Führer für die kommenden drei Tage vor. Es gibt ein einfaches Abendessen, danach wird der Generator ausgeschaltet und es geht ab ins Bett. Wir müssen die Helligkeit nutzen für Ausflüge, sagt Pepino, und morgen um sechs Uhr wird es hell.

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