Heute habe ich mein Notebook zu Hause gelassen, denn heute soll unser großer Ausflug über Joinville und Curitiba zur Ilha do Mel (Honiginsel) beginnen. Schließlich ist am Donnerstag Fronleichnam, und der Freitag ist in Brasilien ähnlich wie in Deutschland ein beliebter Brückentag. Bei Olsen müssen alle Mitarbeiter Zeitausgleich nehmen. So ein Tag auf der Arbeit ohne eigenen Rechner ist natürlich saumäßig langweilig, ich habe mir wieder freie Rechnerarbeitsplätze suchen müssen und begonnen, meinen angefangenen Praktikumsbericht ins Portugiesische zu übersetzen. Da ein Mittwoch vor einem langen Wochenende quasi ein Freitag ist, haben mir häufiger mal ein paar Kollegen über die Schulter geschaut und Ausdrucksfehler korrigiert.
Pünktlichst um sechs bin ich wieder mit Wanderlei Richtung Norden gefahren. Dieses Mal hat es nicht geregnet, so dass wir gut durchgekommen sind und er mich bis Joinville mitgenommen hat. Am Dienstagabend hatte ich nicht nur etwas Deutsches Bier für Wanderlei gekauft, sondern auch via Internet-Telefonie die Pousada Schulz klargemacht. Hier treffe ich Steve, der schon mit einigen Kollegen aus Jaraguá do Sul hochgekommen ist. Christian geht am Donnerstag noch auf die Hochzeit eines Kollegen in Blumenau, und auch Markus ist wieder fit, beide werden aber erst am Freitag in Curitiba zu uns stoßen. Steves Kollegen treffen wir in einer Kneipe in der Nähe des Mueller Shopping wieder. Einige von ihnen kenne ich schon aus Blumenau, inzwischen kann ich mir auch ihre Namen merken: Clodoaldo, Cristiano, Vinicio und Andrei. Zumindest Clodoaldo und Cristiano parecem muito alemão, sehen ziemlich Deutsch aus. Vinicio ist so ein Typ Ossistent, und fährt einen alten Ford Pampa (eine Art Escort mit Ladefläche), mit dem er andere Autofahrer zur Weißglut bringen kann, indem er ihnen im Schneckentempo die Vorfahrt nimmt. Wir waren mit ihnen noch in einer netten Studentendisko, wo eine Rockband aktuelle brasilianische Musik coverte, und in den Pausen wie so oft auf Techno umgeschaltet wurde.

