Auf der Suche nach Prof. Schneider oder die Landung auf dem Mond

In einer kleinen „Pinkelpause“ in der Dreistunden-Vorlesung Software Engineering läuft mir Profa. Leila über den Weg, und ich frage, ob Prof. Schneider inzwischen angekommen sei, und wo und wie ich ihn finden könnte. Sie gibt mir den Rat, mich einmal bei der CERTI, einer brasilianischen Forschungsstiftung für Innovationstechnologie zu erkundigen. Dort angekommen (das Gebäude ist gleich dreimal schicker als jedes Uni-Gebäude), komme ich jedoch bereits an der Telefonistin nicht vorbei. Ja, es finde eine internationale Konferenz statt, auch mit Beteiligung dreier deutscher Hochschullehrer. Einen Prof. Schneider gibt es auch – er ist der Institutsdirektor, qual concidência, was für ein Zufall – aber ein Herfried Schneider taucht auf der Liste der Konferenzteilnehmer nicht auf. Es geht übrigens um Halbleitertechnologie, und ich habe meine Zweifel, ob ich hier richtig bin.
Draußen stehe ich im Regen, freue mich, dass das Uni-Rechenzentrum LABUFSC noch nicht im Streik ist, und nach dem Mittag mache ich noch wieder etwas Deutschunterricht für Carla, Marcela, Leandro und Fábio. Wieder geht es um Wegbeschreibungen, die Ilmenau-Karte aus dem Internet leistet gute Dienste, als ich die vier zwischen Kino, Kaufland, Mensa und Oec über die Straßen Ilmenaus lotse.
Nachmittags habe ich mit Franziska noch etwas im Café Robotertechnik gepaukt, als Cássia anrief: Das Rätsel um Prof. Schneider ist gelöst, morgen um 11 Treffen.
In Empreendedorismo überrascht Prof. Álvaro dieses Mal mit einer Gruppenarbeit: Stell Dir vor, Du bist auf dem Mond, 300 km von Deinem Mutter-Raumschiff entfernt, und sollst Dich nach einem Crash mit 15 Dingen, die er auf eine Liste getippt hat, zum Mutterschiff retten, und die Liste in eine Prioritätsreihenfolge bringen, u.a. Sauerstoff, Streichhölzer, Kompass, etc. Zunächst individuell, dann mittels Gruppenabstimmungsprozess innerhalb einer Vierergruppe.


Das Spiel mit der Mondlandung sowie eine pädagogische Erläuterung dazu gibt es auch auf Deutsch unter http://www.deutsch-netz.de/lehrproben/L002.doc

Am Interessantesten war dann die Auswertung: Wie gut war der beste Einzelne, und wie gut konnte dieser die Gruppe von seinem Ergebnis überzeugen? Gab es Leute, deren Einzelergebnis zuvor schon besser war als das Gruppenergebnis? Ach ja, ein Kompass und Streichhölzer sind wegen des fehlenden Magnetismus auf dem Mond und wegen dessen fehlender Atmosphäre denkbar unnütze Werkzeuge.
Danach gab es noch ein Spiel in zwei Zehnergruppen, die mit ähnlichen Informationen über die Strategie zur Tötung eines wiedergeborenen Dracula versorgt wurden. Innerhalb jeder Gruppe wurde ein Negociador, ein Verhandlungsführer gewählt. Dieser tauschte sich in unserem Fall mit dem Negociador der konkurrierenden Gruppe aus, um um Informationen zu pokern. Manchmal gab man dabei eine Information heraus, die die andere Gruppe noch nicht kannte, erntete aber nur eine bereits bekannte Information – und umgekehrt. Wer am schnellsten alle notwendigen Informationskarten hatte, konnte damit den schnellsten Weg einschlagen zur Tötung des Pfählers Vlad Ţepeş – aus einer alten Interrail-Legende bekannt als Dracula. Meine den Brasilianern überlegenen Ortskenntnisse im südlichen Transsylvanien konnten leider nicht punkten.

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