Foz de Iguaçu

Nach dem anstrengenden gestrigen Tag kam der heutige Tag erst so langsam in die Pötte. Bis alle geduscht hatten, war dann erst einmal noch descansar na rede, zu Deutsch Hängematting angesagt. (Im Portugiesischen gibt es das Wort Abseiling).
Heute sind wir (nur wir 6 und einer der Handwerker, die anderen hatten Totalausfall des Verdauungssystems gemeldet) mit dem öffentlichen Bus in den brasilianischen Teil des Nationalparks gefahren, diesmal hatte ich natürlichen meine Aufenthaltsgenehmigung dabei und bin natürlich für 2/3 des Preises rein. Im Park ging es dann mit einem offenen Bus weiter bis zu den Fällen. Von der brasilianischen Seite hat man einen besseren Ausblick und ein besseres Panorama über die gesamten Fälle, ist aber dementsprechend weiter weg, während man in Argentinien hautnah dran ist. Ergo: Wer nach Foz reist, sollte allein für die Wasserfälle zwei Tage einplanen, es lohnt sich. Auf der argentinischen Seite ist auf jeden Fall mehr los, die Gaúchos dort haben das alles etwas professioneller aufgezogen.
Gegenüber dem Ausgang des Nationalparks befindet sich Südamerikas größter Parque de Aves, Vogelpark. Da man als Brasilianer wieder besonders günstig reinkommt, haben wir abermals unsere Aufenthaltgenehmigung vorgezeigt und schon waren wir für die Hälfte drin. Der Park ist wirklich schön, neben exotischen Vögeln, die in großen Volieren gehalten werden und die man betreten kann, haben sie auch einige Alligatoren, Schlangen und andere Reptilien.
Nach der Rückkehr nach Foz war ich dann zunächst einmal im Internetschi-Café und habe Ostergrüße versandt:

Hallo Ihr Lieben,

Ich wuensche Euch Frohe Ostern!
Wir machen gerade etwas Urlaub in Foz de Iguaçu am Dreilaendereck Brasilien – Argentinien – Paraguay. Die Wasserfaelle haben wir schon von allen Seiten besichtigt (Don’t cry for me, Argentinia) und auch das groesste Wasserkraftwerk der Welt. Morgen wollen wir noch ins aermere Paraguay und abends gehts dann wieder mit dem Bus zurueck – so 14 Std. Fahrt ein Weg.

Ich habe ganz viele Fotos gemacht: Karte voll, Batterie leer. Da werde ich in den naechsten Tagen mal Galerien nachschieben.

Bis dahin alles Liebe,
MMG

Foz de Iguaçu, Internetcafé

Ein Internet-Café heißt übrigens Cybercafé und Internet surfen heißt hier navigar na Internet. So liegt es nahe, den Websurfer als Internautschi zu bezeichnen.
Bis zum Abend waren auch die anderen beiden Walzgesellen wieder auf den Beinen, so dass wir – dieses Mal in ein anderes Rodízio-Restaurant gegangen sind: Rodízio de Pizza für 7 Reais. Es war ganz ok, aber kein Hit.

Don't cry for me, Argentina

Nach unserem Frühstück (zu Tom, dem Münchner und den Franzosen sind inzwischen Mexikaner und Ukrainer gestoßen) standen für uns heute die Cataratas, die Wasserfälle auf dem Programm. Laura hat uns empfohlen, mit Diego, einem Studenten zu fahren, der mit seinem Kleinbus nebenbei ein kleines „Reisebüro“ betreibt und auf die argentinische Seite rüberfährt. Das sei zwar ein paar Reais teurer als mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, dafür könne Diego alle Formalitäten an der Grenze regeln, und wir müssten nicht in der Schlange zum Nationalpark anstehen. Also alle Mann rein in den Kleinbus, in dem, Oh Wunder, schon Vincent saß, den wir ja noch von der Fahrt nach Foz kannten. Außerdem ein Franzose namens Julien, der in Rio studiert und als patriotischer Franzose selbstverständlich kein Wort Englisch spricht, sowie drei deutsche Handwerkergesellen, die auf der Walz sind, und schon seit zwei Jahren fern von ihren Heimatdörfern unterwegs sind.
Auf nach Argentinien! An der Grenze klappt alles problemlos, nur für die Ukrainerin heißt es: No Visa, no Argentinia.
Seit 1984 sind Foz de Iguaçu und die argentinische Nachbarstadt Puerto Iguazú über eine Brücke miteinander verbunden, die den Rio Iguaçu überquert. In Argentinien angekommen, beherrschen auf den ersten Kilometern Spielcasinos das Stadtbild: Glücksspiel ist in Brasilien nämlich verboten.
Unsere erste Station ist der argentinische Grenzstein des Dreiländerecks Brasilien – Paraguay – Argentinien: Der eigentliche Grenzpunkt liegt im Wasser, wo der Rio Iguaçu in den Rio Paraná mündet. Daher hat jedes dieser drei Länder, die in der Zollunion „Mercosul“ zusammengeschlossen sind, auf seiner Seite als Symbol der Freundschaft eine symbolische „Marca de três Frontieras“ errichtet:

Einige Kilometer weiter erreichen wir die Grenze des Nationalparks. Hier muss ich mich leider über mich selbst ärgern, dass ich neben meinem deutschen Reisepass nicht noch meine brasilianische Aufenthaltsgenehmigung mitgenommen habe: Als Ausländer zahle ich 30 Reais Eintritt, als Bürger der Mercosul-Region 18 Reais. Und meine Aufenthaltgenehmigung hätte dazu gereicht, zu beweisen, dass ich meinen Wohnsitz in Brasilien habe. Währenddessen schleust uns Diego kompetent an langen Warteschlangen von Menschenmassen vorbei, ganz Argentinien scheint auf den Beinen, um am Osterwochenende die Cataratas del Iguazú zu betrachten. Mit Diego vereinbaren wir einen Treffpunkt und Zeit für die Rückfahrt auf Englisch, was jeder versteht, nur halt Julien nicht. Ich bin zwar auch kein Freund von überpräsentem Englisch und insbesondere nicht von Anglizismen, aber wenn man nun mal mit einer international aufgestellten Reisegruppe unterwegs ist, ist Englisch halt der kleinste gemeinsame Nenner, um sich auf dem niedrigstmöglichen Niveau verständigen zu können. Eigenartig, dass Ukrainer besser Englisch sprechen als Franzosen. Somit habe ich Julien alles noch mal auf Portugiesisch erklärt (das spricht er), und er hatte tatsächlich nicht einmal mitbekommen, dass wir über einen Treffpunkt diskutiert hatten.
Mit den Handwerkerjungs (Christian = Tischler, Jo-Achim = Dachdecker und Carsten = Zimmermann) machen wir uns auf Stegen und durch Rote Erde auf den Weg zu den Fällen, so 10 km Fußweg werden wir wohl insgesamt zurückgelegt haben heute.

Für zusätzliche 30 Reais ist eine Fahrt in einem offenen Schnellboot möglich, das direkt in die Fälle hineinfährt – bei den argentinischen Besuchern, die nass bis auf die Knochen aussteigen, ist das der Hit. Wir fahren auch mit dem Boot, einem kostenlosen, auf eine Insel im Fluss. Sie wird in der Regenzeit von tobenden Wassermassen umringt, heute ist hier eher wenig los. Dafür gibt es einen steinigen, dreckigen, hässlichen, furchtbar kleinen Strand. Bei Kontinentalargentiniern auch ziemlich beliebt, aber mal ehrlich: Mit Florianópolis kein Vergleich.
Auf der Rückfahrt sind wir mit Diego noch auf einem kleinen argentinischen Markt vorbeigefahren, haben argentinisches Bier, Süßigkeiten, Oliven, Wurst und Käse gekostet und sind dann zurück nach Foz. Für Puerto Iguazú ist das ein Problem: alle großen Hotels sind in Foz auf brasilianischer Seite, kaum einer übernachtet in Argentinien. Eigentlich sehr schade, vor allem wahrscheinlich für die Glücksspielbetreiber…
Zurück in Foz sind wir dann alle gemeinsam (Tom, Julien, Vincent, die Handwerker und wir sechs) wieder in der Churrascaria von gestern gelandet. Alle Handwerker? Nein, Christian hatte schon vorher aufgegeben und lag wohl mit Durchfall im Hotelbett.
Dafür habe ich mir von Jo-Achim sein Walzbuch mit Einträgen, Arbeitszeugnissen, Stempeln etc. zeigen lagen. Das ist schon eine ziemlich interessante Erfahrung, die die Jungs machen: Sie haben sich verpflichtet, drei Jahre mindestens 50km von ihrem Heimatort entfernt zu bleiben (sie stammen alle aus der Region Bremen / Hamburg) und haben in Mecklenburg das Reetdachdecken, im Vogtland das Schieferbekleiden von Hauswänden gelernt, und sind jetzt schon mehr als ein halbes Jahr in Brasilien, wo sie ein Schulgebäude errichtet haben – aus Tropenholz mit mittelalterlichen Werkzeugen („eine Bohrmaschine gab’s, alles andere war Handarbeit“).
Als die Churrascaria nach sehr leckerem Essen um Mitternacht schloss, mussten wir ja noch etwas weiter ziehen. Foz hat, was Nachtleben angeht, relativ wenig zu bieten, einzig einen Tanzschuppen gab es, der voll mit Argentiniern war. Die Band spielte Forstis Lieblingslied aus seiner Zeit bei einer Blaskapelle: „Rosamunde“, ein deutscher Schützenfestschlager. Hätte nicht viel gefehlt, dann wäre Forsti auf die Bühne gesprungen, hätte sich ne Trompete geschnappt und wäre zum Forsti de Iguaçu mutiert…:-)

Itaipu Kraftwerk

Es war sicherlich deutlich später als 5 Uhr, als unser Reisebus in der Rodoviária von Foz de Iguaçu einfuhr. Und wirklich ausgeschlafen bin ich auch nicht, dennoch gilt es, Hotelaufschwatzern, Taxifahrern und sonstigen Touristenfallen auszuweichen, die alle exklusiv ihre Dienste für Dich anbieten wollen. Wir bevorzugen den Stadtbus und unsere bereits reservierte Pousada de Laura. Wir stellen erst einmal unsere Sachen ab, und wer kommt da? Tom, der Australier aus dem Bus, ist auch bei Laura einquartiert. Kein Wunder, denn Laura ist die erste Adresse im Lonely Planet Brazil. Zunächst haben wir mit den anderen Gästen ein Frühstück mit tropischen Früchten genossen. Und in so einer Pousada trifft man ja auch allerhand Leute, z.B. einen alternden und bekifften Münchner Informatiker (Wir: „Boa dia“ – „Jo, grüßt Euch“) und ein paar Französinnen. Leider musste ich feststellen, dass meine Portugiesischkenntnisse meine Französischkenntnisse ersetzen: Ich verstehe alles auf Französisch, kriege aber kein Satz mehr raus, der nicht mindestens zwei portugiesische Vokabeln anstatt ihrer französischen Pendants enthält.
Mittags sind wir dann mit dem Bus raus nach Itaipu, wo das größte Wasserkraftwerk der Welt steht. Es staut den Rio Paraná, die Grenze zwischen Brasilien und Paraguay, auf und deckt etwa ein Viertel des brasilianischen und nahezu 100% des Energiebedarfs von Paraguay. Durch einen Vertrag aus den sechziger Jahren wurde der Bau des Kraftwerks, die Gründung einer binationalen Betreibergesellschaft und der Aufteilung der Energieressourcen 50 zu 50 beschlossen. Benötigt ein Land weniger Energie als es erzeugt, kann die Energie günstig an das andere Land verkauft werden. Beide Länder haben sich gleichzeitig auf die Fahnen geschrieben, auf regenerative Energiequellen zu setzen und nicht in Kernenergie zu investieren.
Das alles wurde uns in einem Filmvortrag beigebracht, danach gings mit Bussen raus in Kraftwerk. Begriffe wie groß, riesig, gigantisch versagen an dieser Stelle. Noch größer!

Im dem Fotoalbum sieht man zu Füßen des Staudamms ein Kraftwerksgebäude, welches etwa so groß ist wie das leerstehende Hochhaus am Vogelherd in Ilmenau. Das wirkt hier wie Spielzeug.
Leider war keine Regenzeit, und das Kraftwerk wurde mit Wasser aus dem Staudamm gespeist. In der Regenzeit gibt es drei Überlaufrinnen, damit der Staudamm nicht überläuft (Spillways). Über diese Spillways können dann 63.000.000 Liter Wasser pro Sekunde abfließen.
Nach diversen Fotohalten an Aussichtspunkten und einer Fahrt über den Staudamm (der dem Abschlussdeich gleicht, da auch noch viel Vorland eingedeicht ist) sind wir dann mit dem Bus in den Kraftwerkszoo gefahren worden. Dort sind seltene Tierarten, die im Bereich des heutigen Stausees siedelten, weiter gezüchtet und gehalten.
Mit einer Deutschen, die wir dort in der Besuchergruppe getroffen haben, sind wir dann abends noch in einer Churrascoria gelandet, wo es Leckeres vom Grill mit Rodízio (der Kellner kommt mit dem Spieß an den Tisch, und man isst bis man satt ist, danach bringt er gegrillte Ananasscheiben) und Buffet für 10 Reais gab.


Satt essen mit Getränken für 16 Reais: Churrasco in Foz

Feiertag in Floripa

Leer war es auf den Straßen, als ich heute mit dem Fahrrad zur Uni fuhr. Wo ist der übliche Stau in der Rua Lauro Linhes, der Verkehrader Trindades? Wo sind die vielen Busse und Mopeds, die sich durch die Automassen drängeln?
Habe ich mich in der Uhrzeit geirrt?
Nichts von alledem. In Floripa ist heute irgendein lokaler Feiertag, nur wir sechs deutschen Deppen scheinen die einzigen zu sein, die heute lernen.
Viel passiert dann aber doch nicht, geht es doch heute mit Sack und Pack für 4½ Tage Kurzurlaub nach Foz de Iguaçu. Pünktlich als wir den Bus betreten fängt es natürlich in Strömen an zu regnen, das kann ja ein schöner Urlaub werden.
Dafür verfügt der Reisebus über sehr bequeme, große Sitze, deren Rückenlehnen sich beinahe waagerecht stellen lassen. Optimal, um die Nacht darin zu verbringen, schließlich ist Foz de Iguaçu etwa 1000 km entfernt und die Ankunftszeit mit 5 Uhr morgens angegeben.
Das erste Mal verlassen wir nun Floripa. Und bereits in den Vororten wird uns deutlich, dass insbesondere die gesamte Insel, auf der wir sonst leben, ein einziges Reichenviertel zu sein scheint. Vielleicht so als wenn man auf Sylt oder am Starnberger See wohnt, und nun in die Heide bzw. aufs Land rausfährt. Auch die gut gepolsterten Sitze wurden quasi notwendig, da die autobahnähnliche Küstenstraße nach Floripa die Busfederung doch ziemlich beansprucht.

Im Bus haben wir dann noch so allerlei Leute getroffen, z.B. Vincent aus Kanada und Tom aus Australien. Doch dazu später mehr.

Praktika und Churrasco

Heute war das entscheidende Gepräch über unsere Praktika. Eigentlich war Prof. Leila angekündigt, das wurde aber nichts, so dass wir doch wieder bei Cássia gelandet sind, bei der wir ja schon jeden Tag Stammgäste im Büro sind. Daher waren die folgenden Informationen auch nicht so wirklich neu für uns, jedoch wurden sie jetzt plötzlich offiziell:
Anne wird nach Joinville zu Termotécnica gehen. In Jaraguá do Sul landet Steve bei WEG, dem brasilianischen Siemens. Christian wird es in die deutsche Kolonie verschlagen: Er fängt im April bei Tecnológica in Blumenau an. Und ich? Werde ab dem 4. April bei dem Zahnarztstuhlhersteller Olsen in Palhoça beginnen, einem Vorort von Florianópolis. Leider gibt es bisher keine Praktikumsplätze für Markus und Ingmar.

Als ich nach Hause kam, war ich allein, aber eigenartigerweise war die Alarmanlage nicht eingeschaltet, und auf dem Küchentisch lag ein Großeinkauf. Was war passiert, was wird mich erwarten? Fünf Minuten später klingelt eine Freundin von Michelle, Patricia, an der Tür: Sie hatte heute defensão, Verteidigung ihrer Doktorarbeit. Deswegen hat sie hat ein paar Freunde mitgebracht, und sie fangen jetzt mit dem Churrasco für 30…40 Mann an. Und die trudeln dann auch innerhalb der nächsten Stunde ein, Michelle und ich bereiten Brötchen mit einer Knoblauchpaste vor, ich lerne wie man einen Churrascospieß in die Rückwand des Ofens legt usw.
Da Patricia und ihre Eltern (die auch da sind) aus Minas Gerais stammen, haben sie auch typische Getränke aus Minas Gerais dabei: Dort trinkt man eine Art Mate-Limonade, die … heißt


Patricia mit ihren Freunden. Links Luiz und ich.

Reisebüro

Nachdem wir uns in der letzten Woche bereits über Busfahrzeiten nach Foz de Iguaçu informiert hatten, wollten wir heute in der Mittagspause die Reise buchen. Offenbar nutzen viele Studenten die Ostertage dazu, zu ihren Eltern nach Hause zu fahren oder um etwas Urlaub zu machen. Hätten wir uns ja auch denken können. Das Reisebüro auf dem Campus, sonst mit mindestens drei Mitarbeitern pro Kunde selten an der Grenze seiner Auslastung angelangt, glich heute einem Studentenaufstand: Warum kommen die alle ausgerechnet am Montag auf die Idee, am kommenden Wochenende zu verreisen? Es waren sogar zeitweise mehr Kunden als Mitarbeiter im Reisebüro, was zwangsläufig zu einer Riesenschlange führte. Diese „bekämpft“ man ja bekanntermaßen in Brasilien mit den omnipräsenten Nummerziehautomaten, die sich in Banken, auf der Post, im Fotogeschäft, ja sogar im Copyshop befinden.
Nach einer halben Stunde sind auch wir an der Reihe und müssen feststellen, dass eine Busauskunft hier in zahlreichen Prozessschritten abgearbeitet wird. Zunächst ruft das Mädel im Reisebüro bei der Reisegesellschaft an, wann Busse fahren, wieviel sie kosten, und ob noch Plätze frei sind. Nebenbei gesagt: Es gibt mehrere Reisegesellschaften, die abzutelefonieren sind. Irgendwann ist ein Bus gefunden, der noch sechs freie Plätze hat. Wir dürfen uns auf einer Zeichnung des Busses aussuchen, wo wir sitzen möchten. Es wird wieder in der betreffenden Reisegesellschaft angerufen, und die 6 Plätze werden reserviert und die Ticketnummern, die sie ausfüllen wird, werden durchgegeben. Nun beginnt die eigentliche Arbeit: Da das Mädel keinen PC hat (sonst hätte sie ja nicht 5 Leute anrufen müssen, die vor einem solchen Gerät sitzen und Hotline spielen), werden die Tickets von Hand ausgefüllt, Durchschäge erstellt, Reiseregistrationsdokumente für irgendwelche Polizeibehörden erstellt, etc.
Ganze 1,5 Stunden hat die gute Frau gebraucht, 6 identische Tickets, nur durch die Sitzplatznummer zu unterscheiden, zu buchen. Was Wunder, wenn man alles von Hand macht, treten ja auch keinerlei Skaleneffekte auf.
Hätte sie einen Computer, bräuchte sie nicht telefonieren und könnte sechs Tickets innerhalb von Minuten ausdrucken.

Praia Mole

Am Sonntag habe ich erst einmal etwas ausgeschlafen, aber das Wetter ist bombig, also ab an den Strand. Nach dem Treffen am TILAG (Busbahnhof in Lagoa de Conceição, von dem man alle Strände erreichen kann) haben wir vier uns dann für die Praia Mole entschieden, auch weil so viele Busse dorthin fuhren. Dort haben wir Gringos (Weiße, auch Argentinier werden so genannt) uns erst einmal einen Sonnenschirm gemietet, und uns einige tropische Getränke vom Strandkiosk geleistet, zum Beispiel água de coco: Eine Nuss wird aufgebohrt, Strohhalm rein, fertig, 2 Reais. Das ist nicht teuer als eine Dose Guaraná im Restaurant bzw. eine Flasche Guaraná im Supermarkt. Außerdem haben sich die drei anderen Jungs für zwei Stunden ein Surfbrett gemietet, ich war auch mal kurz drauf aber hab’s nicht mal liegend geschafft, drauf zu bleiben. So viel besser waren die anderen zwar auch nicht, immerhin habe ich für mich beschlossen, dass ich das nicht brauche und die Gefahr, dass ich mich oder andere Leute dabei verletze größer ist als meine Erfolgsaussichten. Außerdem haben wir noch ein Mädel getroffen, die wir ein paar Tage zuvor schon mal in einem Restaurant getroffen hatten und die fließend Deutsch spricht. Ihre erste Frage: Seid ihr mit dem Auto da? Sie war auf dem Hinweg getrampt (pegar carona), was in Brasilien ziemlich üblich ist. Sie sagte, sie sei „mit meinem, äh mit einem Freund“ da. Vieles spricht dafür, das es wohl ein Geliebter von ihr war: Freunde im Sinne von Bekannte heißen amigo/amiga im Portugiesischen. Der Freund/die Freundin (im deutschen stets im Singular zu benutzen) heißt in Brasilien namorado/namorada, wörtlich übersetzt Geliebter/Geliebte, und hat offenbar wenig mit Einzahligkeit und Treue zu tun…


links im Bild zwei Gringos…

Als es schon fast dunkel wurde, haben wir noch einen kleinen Strandspaziergang unternommen, wobei der Christian besser nicht auf den letzten Felsen geklettert wäre, denn da ist er kaum wieder runtergekommen.
Auf dem Rückweg sind wir dann mit großem Appetit im Beiramar-Shopping gelandet, und zwar genauer gesagt im Supermercado Imperatriz, wo man sich für wenig Geld eine Pizza selbst zusammenstellen lassen kann (eine gute Methode, um die Namen von Zutaten zu lernen und die Leute hinter der Theke mal richtig zum Lachen zu bringen!). Während man seine Einkäufe im Supermarkt erledigen kann, wird die Pizza vor Ort gebacken, und am Ende nach Gewicht bezahlt. Ich bin noch nie von 8,50 Reais so satt geworden!

Paella d'Angelinho

Carlos hatte uns ja schon seit Tagen heiß gemacht: Das wird die Party des Jahres. Stolze 60 Reais Eintritt, das sind 18 Euro und für einen brasilianischen Studenten eine Unmenge Geld, selbst wenn die Getränke frei sind. Schon einige Tage zuvor hatten wir unser Ticket in Form eines T-Shirts gekauft, was es anzuziehen galt: Paella d’Angelinho 2005 steht darauf, am 19. März, von 11 bis 20 Uhr. Wohlgemerkt: Von 11 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, eigenartige Zeiten sind das hier, wenn man eine Party feiern will, vielleicht nehmen die Leute diese Party nur zum Vorglühen?
Nun, wenn man die Getränke incluido hat, sollte man doch möglichst früh auf der Party erscheinen, haben wir vier uns gedacht und uns um 10 Uhr samt Party-Shirt am TICEN, dem zentralen Busbahnhof getroffen, um mit der Linie 320 nach Lagoa de Conceição rauszufahren. Im Bus haben wir dann ein Mädel getroffen, die auf der Party arbeitete, und uns Gott sei Dank bei der Frage nach dem Weg weiterhelfen konnte: Wir mussten noch einen anderen Bus nehmen, und die Party fand nicht in Lagoa, sondern im Nachbarort Barra da Lagoa statt. Hier waren auch die Ortskenntnisse des Mädels zu Ende, wir mussten uns durchfragen und erfuhren, dass wir von einem kleinen Steg mit dem Schiff auf die Party gefahren wurden – sehr genial. Wir schienen die ersten Gäste zu sein, und überhaupt hatten die Organisatoren gerade erst mit dem Aufbau angefangen. Während die Jungs hier noch auf ihr erstes Bier warteten, kann ich schon mal erklären wie man dieses Kaltgetränk in Brasilien genießt: vor allem kalt, nämlich bei etwa -3°C. Der Alkoholgehalt wird auf den Flaschen mit 5% angegeben, Kenner bezweifeln dies: „Das knallt gar nicht“. Ist das Bier wärmer als ca. +3°C, wird es ungenießbar. Bekannte Biermarken sind Skol, Brahma, Bohemia und Nova Shin.
Inzwischen ist die Theke hochgefahren und 3 Bier und 1 Guaraná (mein Leib- und Magengetränk, eine leicht nach Kräutern schmeckende Limonade und Brasiliens Nationalstolz) treffen auf ihre Genießer. Auch die ersten Gäste nach uns treffen etwa um 1 Uhr ein, unter ihnen Carlos und einige seiner Kommilitonen der UFSC. Die reichen aber nicht aus, um das doch recht große Anwesen zu füllen: Kurze Zeit später haben die Bootskapitäne mehr zu tun, denn die Gäste treffen in Scharen ein, schätzungsweise 2000 an der Zahl. Vor allem die weiblichen Besucher waren sehr kreativ mit ihren camisetas (T-Shirts): Die meisten hatten sie irgendwie bemalt, beschnitten, etwas anderes daran genäht, gerippt, etc.


Carlos scheint sich auf der Party ganz wohl zu fühlen…

Aber irgendwie war es doch eine ziemliche Schickeria, die auf dieser Party war, ein normaler Student wird sich das kaum hat leisten können. Nebenbei spielten auch noch ein paar Bands, und es gab auch etwas zu Essen (leider alles mit Fisch, deswegen habe ich das alles gar nicht so mitbekommen). Als die Party dann mehr oder weniger zu Ende war und alles nach Hause strömte, brauchten wir den Beweis, das wir auf einer Schicki-Micki-Party gelandet waren, nicht lange zu suchen: Die Wiese vor dem Anleger war zugeparkt mit den Jeeps kleiner Kinder reicher Eltern, und wir waren die einzigen, die mit dem Bus nach Hause fuhren. Nach Hause? Noch nicht ganz, es war ja noch früh am Abend, also wollten wir noch etwas essen gehen. Auf Empfehlung von der-Flo sind wir bei den melhores pasteis da Ilha (die besten Teigtaschen der Insel) gelandet, die wirklich gut waren, aber irgendwie ein bisschen klein.
Flo: Hier ist das Beweisfoto für Dich:


Flo, hier ist das Wir-waren-da-Beweisfoto für Dich

Festa de Integração

Heute waren wir vier (Steve, Christian, Markus und ich) auf der Semesteranfangsparty (festa de integração) in der Mecenes-Bar. Das ist so eine Mischung aus Bar, Disco und Club. Mit Chinelos (in Deutschland als Flipflops bekannt) kommt man leider nicht rein, also musste der Marcus wohl noch mal nach Hause radeln und sich ordentliche Schuhe anziehen. Eintritt 10 Reais, das geht ja noch. Innendrin gibt es einen lauschigen Innenhof mit Swimming-Pool, den aber niemand benutzt hat. Die Disco unterteilte sich in den normalen und in den VIP-Bereich: eine Empore, die man nur mit besonderer Einladung / Eintrittskarte betreten durfte. Sowas ist ja nicht mein Fall. In der Disco spielte noch eine lokale Band, wir haben leider nicht viel von dem verstanden, was sie gespielt haben. Dafür haben wir Juliane, eine Mainzer Medizinstudentin wiedergetroffen, die wir bereits am ersten Churrascoabend bei Vera kennen lernen durften. Sie war zusammen mit ihrer Mitbewohnerin, der Holländerin Anne, ebenfalls auf der Party. Auf dem Rückweg habe ich gelernt, dass man seine Finger von den Holländern lassen sollte, denn sie streicheln Straßenköter.

Für das Osterwochenende planen wir einen Ausflug nach Foz de Iguaçu.

Alltag: Portugiesisch und Restaurantes por quilo

Nun sind schon zwei Wochen Brasilien um. Nach dem ganzen Bürokratiehaufen, z.B. mit der Policia Federal und der Immatrikulation an der Uni kehrt so langsam der Alltag ein, von dem ich bisher ja eigentlich sehr wenig berichtet habe. Und genau deswegen gibt es diesen Artikel, denn sicherlich wollt Ihr wissen, was wir den ganzen Tag so machen:

Für Anne, Ingmar und mich beginnt der Portugiesischunterricht morgens um 8 Uhr und geht bis um 10. Ab 10 Uhr sind dann Markus, Steve und Christian dran. Um 12 treffen wir uns gemeinsam zum Mittagessen, und am Nachmittag geht es gemeinsam von 16 bis 18 Uhr weiter.

Wie Ihr schon wisst, radele ich jeden Morgen von Santa Mônica zur Uni, da bin ich etwa eine Viertelstunde unterwegs. Bei Márcia, der Portugiesischlehrerin, lautet dann nach der Begrüßung die erste Frage: „Tu queres um copo da agua?“ – Möchtest Du ein Glas Wasser trinken?

Und dann geht das Programm los: Zuerst vergleichen wir meistens die Hausaufgaben. Dort schreiben wir kurze Aufsätze, z.B. was wir am letzten Wochenende gemacht haben, liefern Personenbeschreibungen ab, beschreiben die Gewohnheiten von Personen und so weiter. Außerdem haben wir meistens noch Aufgaben mit Lückentexten, z.B. über die Verwendung von Prononen: mit jmd. sprechen, über jmd. sprechen, jmd. ansprechen usw., halt nur auf Portugiesisch.
Dann machen wir meistens noch ein paar Zeitformen, wiederholen unregelmäßige Verben im Perfekt und Imperfekt, bilden Passivsätze und und und.
Nächste Woche werden wir uns auch an den Subjonctiv vornehmen, der uns in Texten bereits mehr und mehr begegnet und ja auch imFranzösischen bekannt ist. Weiterhin verwenden die Portugiesen/Brasilianer auch noch eine Futurform des Subjonctivs, den sonst nur die Rumänen kennen – Hallo Uli!
Danach begeben wir uns jedes Mal in die Welt des Films „Central do Brasil“ (siehe 11.März) und bearbeiten 1-2 Szenen. Ihr solltet Euch diesen Film auch einmal ansehen!
Langsam werden auch die Fragen, die Márcia für uns vorbereitet hat, schwerer. Mussten wir anfangs nur einzelne Wörter heraushören, so müssen wir jetzt auch den Text häufig umschreiben, z.B. von direkter in indirekte Rede.

Pünktlich um 10 kommen dann die anderen, und Anne, Ingamr und ich gehen meistens Internetsurfen auf dem Campus, in die Bibo zum Hausaufgabenmachen o.ä.
Gestern sind wir dabei dieser brasilianischen Studentin begegnet:

Um kurz nach 12 treffen wir uns dann mit den anderen, und gehen in einem Restaurante por quilo essen. Diese flankieren sozusagen die Ringstraße um das Universitätsgelände und sind bei Studenten und Dozenten sehr beliebt. Die Mensa der UFSC kennen wir bisher nur vom Hörensagen: Bohnen mit Reis und Reis mit Bohnen – das meiden auch die meisten Brasilianer.

Aber was ist ein Restaurante por quilo?
Es gibt ein Buffet mit Salat und Hauptgericht, und man lässt dann seinen Teller wiegen, und aus dem Gewicht errechnet sich der Preis. Jedes Restaurant hat also draußen groß seinen Kilopreis angeschlagen und sonstige Vergütungen, z.B. freier Nachtisch oder ein Freigetränk, wenn man >500g isst.
Wir haben festgestellt, das Wischmeyers Logbucherkenntis sich bewahrheitet: „Der Deutsche scheitert am Buffet“ – denn angesichts der dargebotenen Speisen versucht man von allem etwas zu essen.


mein Essen im Restaurant kostet 5,89 Reais, + 1,20 für nen Mangosaft. Zusammen ca. 2,30 €

Nach dem Essen heißt es dann Zeit totschlagen bis zur Nachmittagsstunde. Da kauft man dan ein bisschen ein (fazer de compras), oder wir widmen uns unseren Nachmittagshausaufgaben, meistens Phonetik.

In der Nachmittagsstunde gibt es dann Wortschatz- und Konversationsübungen. Bei den Wortschatzübungen gibt es dann bestimmte Themen, und wir beackern eines pro Tag, z.B. Haushaltsgeräte, Küchenutensilien, Obst und Gemüse, … Heute waren Bürogeräte und Büroaktivitäten dran, jetzt weiß ich was copy & paste auf Portugiesisch heißt (copiar e colhar). Das war eine gute Gelegenheit, auch mal den englischen Einfluss auf die Portugiesische und Deutsche Sprache zu diskutieren. Während wir Deutschen die Verben googeln und downloaden benutzen, sind im Portugiesischen andere Verben entstanden:
apagar wird durch deletar ersetzt, und personalisar durch customizar, und für ligar sagen die Brasilianer jetzt häufig conectar oder plugar. Ich denke die englischen Begriffe versteht jeder, damit erklären sich auch die Portugiesischen. Herunterladen heißt übrigens baixar (herunterheben, wurde also im Portugiesischen nicht zu „downloadar“ oder ähnlichem…)
Tja, da sind wir auch schon beim Thema Konversation: Da reden wir dann einfach, oder erzählen eine kleine Geschichte, beschreiben Situationen gegenüber anderen Leuten, usw.
Danach gibt es meistens Phonetikübungen: Aussprache. Dort hören wir, wie verschiedene Buchstaben im Portugiesischen ausgesprochen werden, lernen Regeln, wann harte und weiche Betonungen vorherrschen usw.


Unser Portugiesischkurs: Christian, Steve, MMG, Markus, Ingmar und Anne

Gestern haben wir über Silbenbetonungsregeln gesprochen. Das fand ich tatsächlich mal interessant: Wörter, die auf der letzten Silbe betont werden, heißen Oxítona, z.B. Café sowie alle portugiesischen Verben im Infinitiv.
Grundsätzlich betonen die Portugiesen jedoch alles auf der zweitletzten Silbe, auf der Paroxítona. Beispiel: trabalho (Arbeit), parede (Wand). Andere Betonungen vor der zweitletzten Silbe müssen durch Akzent angezeigt werden, z.B. quina (Maschine), dico (Arzt), Floriapolis (sprich: Florja-noo-blis), und heißen Proparoxítona.
Zum Ende der Stunde singen wir dann häufig noch ein Lied (besonders beliebt sind Kinderlieder, Márcia hat eine vierjährige Tochter), welches wir hören müssen und wieder einzelne Begriffe heraushören müssen. Das Lied „Que que tem na sopa do neném“ (Was gehört in die Suppe des Babys) ist quasi ein Ohrwurm und zählt allerlei Gemüsezutaten auf.

Damit ist dann die Stunde auch meistens schon zuende, würden nicht immer unvorhergesehene Dinge passieren. Z.B. trinken wir manchmal den Wasserspender leer. In Brasilien gibt es dafür einen Lieferdienst. Ein 20-Liter-Kanister Wasser mit vorbeibringen lassen und Einbau kostet 4 Reais, das sind 1,20 Euro! Nach dem Stundenlohn des Kollegen, der die Dinger auf dem Moped ausfährt, darf man wohl nicht fragen…