Carlos hatte uns ja schon seit Tagen heiß gemacht: Das wird die Party des Jahres. Stolze 60 Reais Eintritt, das sind 18 Euro und für einen brasilianischen Studenten eine Unmenge Geld, selbst wenn die Getränke frei sind. Schon einige Tage zuvor hatten wir unser Ticket in Form eines T-Shirts gekauft, was es anzuziehen galt: Paella d’Angelinho 2005 steht darauf, am 19. März, von 11 bis 20 Uhr. Wohlgemerkt: Von 11 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, eigenartige Zeiten sind das hier, wenn man eine Party feiern will, vielleicht nehmen die Leute diese Party nur zum Vorglühen?
Nun, wenn man die Getränke incluido hat, sollte man doch möglichst früh auf der Party erscheinen, haben wir vier uns gedacht und uns um 10 Uhr samt Party-Shirt am TICEN, dem zentralen Busbahnhof getroffen, um mit der Linie 320 nach Lagoa de Conceição rauszufahren. Im Bus haben wir dann ein Mädel getroffen, die auf der Party arbeitete, und uns Gott sei Dank bei der Frage nach dem Weg weiterhelfen konnte: Wir mussten noch einen anderen Bus nehmen, und die Party fand nicht in Lagoa, sondern im Nachbarort Barra da Lagoa statt. Hier waren auch die Ortskenntnisse des Mädels zu Ende, wir mussten uns durchfragen und erfuhren, dass wir von einem kleinen Steg mit dem Schiff auf die Party gefahren wurden – sehr genial. Wir schienen die ersten Gäste zu sein, und überhaupt hatten die Organisatoren gerade erst mit dem Aufbau angefangen. Während die Jungs hier noch auf ihr erstes Bier warteten, kann ich schon mal erklären wie man dieses Kaltgetränk in Brasilien genießt: vor allem kalt, nämlich bei etwa -3°C. Der Alkoholgehalt wird auf den Flaschen mit 5% angegeben, Kenner bezweifeln dies: „Das knallt gar nicht“. Ist das Bier wärmer als ca. +3°C, wird es ungenießbar. Bekannte Biermarken sind Skol, Brahma, Bohemia und Nova Shin.
Inzwischen ist die Theke hochgefahren und 3 Bier und 1 Guaraná (mein Leib- und Magengetränk, eine leicht nach Kräutern schmeckende Limonade und Brasiliens Nationalstolz) treffen auf ihre Genießer. Auch die ersten Gäste nach uns treffen etwa um 1 Uhr ein, unter ihnen Carlos und einige seiner Kommilitonen der UFSC. Die reichen aber nicht aus, um das doch recht große Anwesen zu füllen: Kurze Zeit später haben die Bootskapitäne mehr zu tun, denn die Gäste treffen in Scharen ein, schätzungsweise 2000 an der Zahl. Vor allem die weiblichen Besucher waren sehr kreativ mit ihren camisetas (T-Shirts): Die meisten hatten sie irgendwie bemalt, beschnitten, etwas anderes daran genäht, gerippt, etc.

Carlos scheint sich auf der Party ganz wohl zu fühlen…
Aber irgendwie war es doch eine ziemliche Schickeria, die auf dieser Party war, ein normaler Student wird sich das kaum hat leisten können. Nebenbei spielten auch noch ein paar Bands, und es gab auch etwas zu Essen (leider alles mit Fisch, deswegen habe ich das alles gar nicht so mitbekommen). Als die Party dann mehr oder weniger zu Ende war und alles nach Hause strömte, brauchten wir den Beweis, das wir auf einer Schicki-Micki-Party gelandet waren, nicht lange zu suchen: Die Wiese vor dem Anleger war zugeparkt mit den Jeeps kleiner Kinder reicher Eltern, und wir waren die einzigen, die mit dem Bus nach Hause fuhren. Nach Hause? Noch nicht ganz, es war ja noch früh am Abend, also wollten wir noch etwas essen gehen. Auf Empfehlung von der-Flo sind wir bei den melhores pasteis da Ilha (die besten Teigtaschen der Insel) gelandet, die wirklich gut waren, aber irgendwie ein bisschen klein.
Flo: Hier ist das Beweisfoto für Dich:

Flo, hier ist das Wir-waren-da-Beweisfoto für Dich
