Reisebüro

Nachdem wir uns in der letzten Woche bereits über Busfahrzeiten nach Foz de Iguaçu informiert hatten, wollten wir heute in der Mittagspause die Reise buchen. Offenbar nutzen viele Studenten die Ostertage dazu, zu ihren Eltern nach Hause zu fahren oder um etwas Urlaub zu machen. Hätten wir uns ja auch denken können. Das Reisebüro auf dem Campus, sonst mit mindestens drei Mitarbeitern pro Kunde selten an der Grenze seiner Auslastung angelangt, glich heute einem Studentenaufstand: Warum kommen die alle ausgerechnet am Montag auf die Idee, am kommenden Wochenende zu verreisen? Es waren sogar zeitweise mehr Kunden als Mitarbeiter im Reisebüro, was zwangsläufig zu einer Riesenschlange führte. Diese „bekämpft“ man ja bekanntermaßen in Brasilien mit den omnipräsenten Nummerziehautomaten, die sich in Banken, auf der Post, im Fotogeschäft, ja sogar im Copyshop befinden.
Nach einer halben Stunde sind auch wir an der Reihe und müssen feststellen, dass eine Busauskunft hier in zahlreichen Prozessschritten abgearbeitet wird. Zunächst ruft das Mädel im Reisebüro bei der Reisegesellschaft an, wann Busse fahren, wieviel sie kosten, und ob noch Plätze frei sind. Nebenbei gesagt: Es gibt mehrere Reisegesellschaften, die abzutelefonieren sind. Irgendwann ist ein Bus gefunden, der noch sechs freie Plätze hat. Wir dürfen uns auf einer Zeichnung des Busses aussuchen, wo wir sitzen möchten. Es wird wieder in der betreffenden Reisegesellschaft angerufen, und die 6 Plätze werden reserviert und die Ticketnummern, die sie ausfüllen wird, werden durchgegeben. Nun beginnt die eigentliche Arbeit: Da das Mädel keinen PC hat (sonst hätte sie ja nicht 5 Leute anrufen müssen, die vor einem solchen Gerät sitzen und Hotline spielen), werden die Tickets von Hand ausgefüllt, Durchschäge erstellt, Reiseregistrationsdokumente für irgendwelche Polizeibehörden erstellt, etc.
Ganze 1,5 Stunden hat die gute Frau gebraucht, 6 identische Tickets, nur durch die Sitzplatznummer zu unterscheiden, zu buchen. Was Wunder, wenn man alles von Hand macht, treten ja auch keinerlei Skaleneffekte auf.
Hätte sie einen Computer, bräuchte sie nicht telefonieren und könnte sechs Tickets innerhalb von Minuten ausdrucken.

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