Weiterfahrt nach Bonito

Wieder stehen wir mit der Dämmerung auf, und Pepino verspricht uns eine kurze Frühwanderung, auf der wir Gürteltieren und Emus begegnen. Als Höhepunkt gehen wir zu einem Teich mit Krokodilen, und alle dürfen am harten Panzer streicheln. Die Tiere sind morgens aufgrund der kalten Temperaturen nur wenig aktiv, und nicht gefährlich, sagt zumindest Pepino.


Ein Gürteltier auf der Flucht


Franziska und das Krokodil


Unsere Herberge für zwei Nächte


Franziskas bester Freund, der Papagei

Nach der Wanderung lege ich mich noch einmal schlafen, während die anderen noch an Kettchen basteln. Mittags springen wir auf einen Jeep, der uns, ausgestattet mit einem besseren Fahrer, deutlich schneller aus dem Camp herausfährt. „Dieser Jeep hat einen guten Motorista“, behauptet Pepino, „meinen Vater!“. In Buraco das Piranhas kommen wir um 15 Uhr wieder in der Zivilisation mit asphaltierten Straßen an, und klettern eine halbe Stunde später in einen kleinen Bus nach Bonito. Nach weiteren fünf Stunden Fahrt (davon 2,5 Stunden über eine Erdstraße) kommen wir in Bonito an, und lassen uns von zwei Jungs aus der Jungendherberge ansprechen, die jeden Tag auf Rucksacktouristen aus dem Pantanal warten. Pantanal und Bonito, das gehört ja auch quasi zusammen. Im VW Bulli werden wir zur Jugendherberge gebracht, die sehr luxuriös ausgestattet ist, aber trotzdem nur 20 Reais die Nacht kostet. Nach drei Tagen Zeltlager im Pantanal ist ein Swimming Pool eine sehr willkommene Erfrischung…
Steve und ich organisieren über die Jugendherberge noch den morgigen Ausflug, es geht zum Tauchen in den Rio da Prata.


Auf dem Weg zurück in die Zivilisation überquert der Jeep den Rio Miranda

Ganztagswanderung

Wie immer stehen wir mit der Morgendämmerung auf, und direkt nach dem Frühstück nimmt uns Pepino mit auf eine ganztägige Wanderung durchs Pantanal. An Seen und Flüssen vorbei, durch den Urwald und die Savanne, durch Treibsand und große Hitze.


Aufbruch aus dem Camp


durch die Savanne


an Flussläufen entlang


Herr Forst im Forst (während Pepino Affengeräusche imitiert)

Das Einzige, was Pepino und wir übrigens mitgenommen haben, sind neben viel Wasser ein paar Orangen, Ananas sowie Angelschnur, Angelhaken und etwas Fleischköder. Und Pepinos Buschmesser, mit dem er uns den Weg freiräumt und sich den Schorf zwischen den Zehen abkratzt – er legt ja bekanntlich alles barfuß zurück. Über uns fliegen in freier Wildbahn Araras, Papageien, und natürlich Tuiuiús. Nach vier Stunden Fußmarsch durch die Hitze bin ich zur Mittagspause bereits so kaputt, dass ich mich in einem nahe gelegenen Fluss nur abkühle, während Pepino aus Ästen ein paar Angeln bastelt.


Pause

Ich lege mich aber dann in den Schatten, während alle bei mir einen Sonnenstich diagnostizieren wollen, Piranhas aus dem Teich fischen und mich mit vitaminreichen Ananasstückchen versorgen. Pepino hat unterdessen aus einer Frucht mit einer harten Schale einen Topf geschnitzt, ein Lagerfeuer entzündet und brutzelt die ersten gefangenen Piranhas darin.
Nach dem Mittagessen und einer Siesta für alle bietet Pepino an, wir könnten ja einen kürzeren Weg zurücklaufen, der nur etwa 1,5 Stunden dauern würde. Dazu müssten wir allerdings zwei Mal den knietiefen Fluss passieren. „Und die Alligatoren?“ fragen wir. „Die verscheuchen wir mit Stöckern, kein Problem…“ So sollte es dann geschehen, dass wir in einer langen Schlange durch den ruhigen Fluss gewatet sind.


Schuhe aus und rein in die Grütze

Abends fand noch eine Nachtwanderung statt, aber ohne mich, ich war schon am Schlafen, und die ganz Besorgten behaupteten, ich hätte ein wenig Fieber.

Bootsausflug mit Piranhas und Jacarés


Über diese Erdstraße ging es drei Stunden mit dem Jeep zu unserem Hotel.

Als wir morgens um halb sieben vom Frühstück kommen, und ich die ersten Fotos des Camps mache, wird mir klar, dass wir wirklich mitten im Nirgendwo sind. Aber das Camp liegt am Ufer des Rio Paraguay, und wenig später sitzen wir auf einem kleinen Kahn mit Außenborder, auf dem Pepino und ein anderer Guia uns über den Fluss chauffieren. Ihre Augen sehen und entdecken mehr als wir ausmachen können: einen perfekt getarnten Leguan, der auf Blattwerk derselben Farbe sitzt, entdecken sie schon, als wir gerade sehen, dass dort ein Baum steht. Am Ufer begegnen uns die allgegenwärtigen Capivaris – Wasserschweine. Wir biegen in einen Nebenfluss ein, und immer wenn sich das Boot den am Ufer liegenden Kaimankrokodilen nähert, lassen sich diese gemächlich ins Wasser gleiten. Einmal legten wir an einer Sandbank an, welche mit Krokodilen (oder Jacarés, wie sie hier genannt werden) voll besetzt war. Der Bootskapitän warf einen kleinen Fisch vor einem der Reptile auf den Boden, welches sich allerdings noch nicht in der Wach- oder Essensphase befand. Also musste das Krokodil erst mit einem Stock verscheucht werden, der Bootsführer stieg überraschend aus dem Boot und holte seinen wertvollen Fisch zurück. An einer anderen Stelle, längst hatten wir eine Otterfamilie und ein brütendes Tuiuiú-Pärchen passiert, ging es wieder zu den Krokodilen: Pepino hat die Angel in den Fluss geworfen, und innerhalb weniger Sekunden einen kleinen Piranha zutage gefördert. Diesen galt es jetzt an die noch etwas trägen Jacarés auf der nächsten Sandbank zu verfüttern. Wie Chips knackte das Krokodil den Piranha durch das Maul.


Leguan


Tuiuiú


Das Pantanal beherbergt ca. 32 Mio. Krokodile


Krokodile und Anacondas streiten um die Spitzenposition in der Nahrungskette. Piranhas stehen definitiv darunter.


Anacondas fressen schon mal ganze Wasserschweine.

Nachdem wir noch Baden waren (zugegeben, hier war Steve der einzige Wagemutige, der sich mit dem Bootsführer in den mit Piranhas und Krokodilen gespickten Fluss wagte) ging es dann zurück. Pepino erklärt noch etwas zum Tuiuiú: Er gehört zur Familie der Storche und bildet das Wappentier des Pantanals. Die bis zu 1,5m großen Vögel mit ihrer Flügelspannweite von knapp drei Metern gehören zu den größten flugfähigen Vögeln Südamerikas. Männchen und Weibchen bleiben ihr Leben lang zusammen, stirbt der Partner, bleibt das verwitwete Tier allein. In einem alten Baumgerippe ziehen sie in einem Nest ihren Nachwuchs heran, ein Elterntier bewacht das Nest mit Argusaugen.
Zurück auf dem Rio Paraguay begegnen wir noch einigen Hobbyfischern, die uns ihre dicken Fische präsentieren, und nach der Ankunft an der Lodge heißt es dann zunächst einmal Siesta.
Danach will Pepino mit uns Reiten gehen. Die bereitgestellten Pferde stammen allerdings von einem Drittanbieter, und Pepino stellt nach etwa 10minütiger Musterung der Tiere und des Reitgeschirrs fest: schlecht gepflegte Tiere, zu gefährlich, sorry. So traurig waren dann weder er noch wir, dass das mit dem Reitausflug nichts wurde, und Pepino hat dann ein paar Angeln organisiert, zehn Minuten später waren wir, bewaffnet mit kleinen Fleischködern, auf dem Weg zum Fluss, um dort ein paar Piranhas zu fischen.


Seit zwei Tagen in Brasilien, und schon den ersten dicken Fisch an der Angel: Katrhin


Naja, Steve kann’s auch nicht besser.

Auch wenn wir bis zu den Knien im Schlamm standen, und der Fluss wahrscheinlich von Raubfischen wimmelte, war unsere Ausbeute eher erbärmlich: Nur Steve, Kathrin und Jürgen gelang es, jeweils einen Piranha aus dem Strom zu fischen, während Pepino einen Piranha nach dem anderen herauszog. Bei mir erinnerte das ganze eher an eine Raubtierfütterung, die Piranhas waren zu intelligent für den ungeübten Angler und fraßen die Köder ab, bevor ich an der Rute ziehen konnte. Nüchterne Bilanz des Nachmittags: insgesamt dürften wir alle mehr Fleisch investiert haben als Fisch gewonnen haben.
Zeit, die Sachen zu packen und uns mit Pepino auf den nächsten Jeep zu stürzen, der uns etwa eine halbe Autostunde zurück an eine Kreuzung mit kleinem Kiosk bringt. Die nächsten beiden Nächte werden wir in einem Camp der Jugendherberge verbringen, welches am Rio Negro und noch weiter im Pantanal liegt. Vom Kiosk fahren wir mit einem anderen Jeep dorthin, bleiben aber zuvor einige Male im Treibsand stecken, so dass uns ein zweiter Jeep (der über einen funktionierenden Allradantrieb verfügte) herausziehen musste. „Precisa-se de um bom motorista“, sagt Pepino achselschüttelnd über die nach seiner Ansicht mangelnden Fähigkeiten des Jeepfahrers. Angekommen im Camp, beziehen wir unsere Hängematten, die uns in den nächsten Tagen als Schlafquartier dienen werden. Entgegen aller Befürchtungen hat sich auch Kollege Forsti in die Wildnis durchgeschlagen, der von seinem Besuch bei der Dschungelhochzeit und seinem bereits absolvierten Aufenthalt in Bonito berichtet.

Am brasilianischen Nationalfeiertag auf dem Weg ins Pantanal

Ich wache auf, als der Nachtdirektbus in die Rodoviária von Curitiba einbiegt, 5:35 Uhr. Bis kurz nach sechs müssen wir in einem der weltbekannten Glasschläuche auf einen Stadtbus warten, der uns zum Flughafen rausfahren soll, als ein lautes geröllartiges Krachen die Stille unter den morgendlichen Pendlern unterbricht. „Parece um caminhão que bateu à ponte“, sagt die Ticketverkäuferin der Bushaltestelle: Hört sich an wie ein LKW, der gegen die Brücke gefahren ist. Keiner glaubt ihr. Aber sie muss es ja wissen, denn sie arbeitet ja jeden Tag dort. Und als wir im Bus sitzen, und der Bus um zwei Ecken gebogen ist, fährt unter einer alten Eisenbahnbrücke gerade ein LKW an, dessen Aufbau diagonal abgeknickt ist und somit quer über der Straße hängt. Wohlgemerkt: Er fährt weiter. Die Augenblicke, in denen der Fotoapparat natürlich tief unten im Rucksack liegt…
Auf dem Flughafen von Curitiba frühstücken wir in einer Lanchonete, während wir auf den Flug nach São Paulo warten. Dort treffen wir auf dem im Nebel liegenden Inlandsflughafen Congonhas auf Steve und seine Freundin Kathrin, die gestern aus Deutschland gelandet ist. Mit ihnen geht zusammen geht es weiter nach Campo Grande, die Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul (südlicher großer Wald). Am Flughafen von Campo Grande erwarten uns mittags zwei Jungs von der Jugendherberge: „Wollt ihr noch eine Nacht hier in der Jugendherberge verbringen, oder heute schon ins Pantanal aufbrechen?“ Wir wollen natürlich keinen Tag verschenken, kaufen uns in Campo Grande noch Hüte, Taschenlampen und Wasser, und schon wenig später sitzen wir im Sprinter der Jugendherberge, der uns ins drei Autostunden (etwa 250 km) entfernte Buraco dos Piranhas bringt. Zwischen Campo Grande und Buraco dos Piranhas gibt es etwa fünf Ortschaften. In Buraco dos Piranhas, auf jeder Landkarte eingezeichnet, gibt es ein Forstamt, einen Kiosk sowie einen Richtfunkmasten. Mehr nicht. Aber von hier aus führt eine Erdstraße ins Pantanal.


Sonnenuntergang über den letzen Hügeln vor der Pantanal-Ebene


Nach fünf Minuten von drei Stunden Fahrzeit auf der Ladefläche sehen Jürgen, Franziska, Steve, Kathrin und Rebecca noch nicht so sehr durchgeschüttelt aus.

Ein Jeep wartet bereits auf uns, es wird dunkel, und auf der Ladefläche fahren wir weitere drei Stunden immerhin 60 Kilometer weit ins Pantanal. Auf diesen 60 Kilometern fahren wir durch einen Ort, eine weitere „Siedlung“ aus drei Häusern, an ca. 10 Bauernhofzufahrten vorbei – ansonsten: Nichts. Angekommen auf der einfach eingerichteten Lodge der Jugendherberge begrüßt uns Pepino, und stellt sich als unser Führer für die kommenden drei Tage vor. Es gibt ein einfaches Abendessen, danach wird der Generator ausgeschaltet und es geht ab ins Bett. Wir müssen die Helligkeit nutzen für Ausflüge, sagt Pepino, und morgen um sechs Uhr wird es hell.

Letzte Pantanalvorbereitungen

Bei Prof. Raul waren wir heute die einzigen im Raum, also hatten sie sich offenbar bereits am Ende der letzten Stunde darauf geeinigt, die heutige Veranstaltung sausen zu lassen.
Wieder zu Hause kam ein Brief der Stadt Georgsmarienhütte: Meine beantragten Wahlunterlagen für die Bundestagswahl. Schnell zwei Kreuze gemacht, und dann wieder ab die Post. Per Luftpost 1,36 Reais, oder per Einschreiben-Express 65 Reais? Normale Luftpost sollte allemal ausreichen, meine Stimme ist mir definitiv keine 25 Euro wert!
Forsti hat aus Bonito noch Pantanalinfos gemailt, und wir entscheiden uns für den Reiseveranstalter Ecological Expeditions der Jugendherberge aus Campo Grande. An der Uni finden alle anderen Veranstaltungen heute wie gewohnt statt, nur z.B. an der „Buchstabenfakultät“ (Faculdade de Letras, heißt Sprachen etc.) wird natürlich heftigst gestreikt. Auf dem Weg zur PCP-Vorlesung begegnen uns dann auch streikende Studenten anderer Fakultäten, die für die Wiedereröffnung der Mensa streiken. „Acabou Feijão“ skandieren sie: Das brasilianische Nationalgericht, der Bohneneintopf Feijão, sei alle.
In PCP gab es dann neue Simulationspräsentationen, und viele Brasilianer hatten sich regelrecht ins Zeug gelegt, um nicht nur bunte Präsentationen zu gestalten, sondern auch die Gewinne der virtuellen Unternehmen in astronomische Höhen zu treiben: Einige hatten einen Programmfehler entdeckt, der die Produktion selbst dann ermöglichte, wenn man zuvor kein Rohmaterial einkaufte und dafür somit auch keine Kosten anfielen. Andere haben zum Ende der Simulationsperiode alle Maschinen verkauft – sehr strategisch gedacht! Kein Wunder, dass man dann den Gewinn um das doppelte des möglichen vergrößern kann. Aber auch Prof. Dalvio bleibt bei solchen „Strategien“ skeptisch.


Klick öffnet Präsentation

Nach der Vorlesung geht es dann noch zum Tasche packen nach Hause, und da aufgrund Delmos Abwesenheit die Essenplanung zusammenbricht, gehen wir mit den Paulistas Pizza essen in der Pizzeria um die Ecke.
Abends bringt Markus Monza uns (Rebecca, Jürgen, Franziska und mich) zur Rodoviária: Auf ins Pantanal!

Paulistas und VW-Vortrag

Als ich aufwache, sind alle Sofas belegt: Einige Neffen von Ângela sind über Nacht angekommen, und wollen erst einmal bleiben. Sie kommen aus São Paulo, waren in Rio Grande do Sul im Urlaub und haben sich auf der Rückfahrt gedacht: Wir haben doch noch eine Tante in Florianópolis, die wir lange nicht mehr besucht haben. Die hat eine große Wohnung, und so. Nur haben sie nicht bedacht, dass die Tante aus Florianópolis ne Menge ausländischer Studenten in ihrer großen Wohnung beherbergt, so dass für die Jungs dann mitten in der Nacht nur das Sofa blieb. Delmo packt seine Sachen, er fliegt heute wieder für seinen Arbeitgeber 20 Tage lang in die USA, so dass ich das Auto nach wie vor nur von außen kenne:


Delmo hat sich einen schicken Chevrolet Zafira mit DVD-Player für die Fondsitze gekauft.

Abends gehe ich auf einen Vortrag über Logistikoptimierung vom Volkswagenwerk in Curitiba. Den einleitenden Vortrag hält der Logistikprofessor, der etwas aus seiner Vorlesung erzählt, z.B. das von 1,3 Millionen brasilianischen Straßenkilometern nur etwa 300.000 km asphaltiert seien. Dann spricht der Logistikchef von VW do Brasil über den Bau des Werkes in Curitiba, und wie man die Logistikkosten um das Zehnfache senken konnte: Man hat einfach die (deutschen) Zulieferunternehmen in der Nähe des Werkes angesiedelt, und musste die Teile nicht mehr aus Deutschland einfliegen lassen. Ist jetzt keine soo neue oder überraschende Idee, aber immerhin konnte ich ihm noch die Bewerbungen der Unibral-Kandidaten für das kommende Jahr mitgeben.

Scheißwetter

Das Wetter ist in Floripa schon seit Tagen, eigentlich sogar seit Wochen, eher an Ilmenauer als an brasilianischen Standards orientiert. So verwundert es nicht, dass heute alle Gastkinder ihre Notebooks aufgeklappt haben, und es schon Caipirinha zum Mittagessen gibt – man muss ja irgendwie warm werden.


MMG, Markus, Takuya und Delmo


Anna, Rika, Franziska und Aurore


Scheißwetter in Carvoeira


ein niederländisches iBook, 2x Windows auf Japanisch, Franziska mit meinem IBM-Notebook und Aurore an Delmos Toshiba: Rede sem cabo para todos

Delmos neues Auto

Morgens sitzt Delmo schon früh vor dem Fernseher. Es gibt einen Sender, der alle Gebrauchtwagen der großen Autohäuser vorstellt. Und Delmo ist kaufwillig, nachdem sein Fiat Tempra nicht mehr richtig spurt. Schon vor kurzem hat er erklärt, als neue Modelle ziehe er einen Chevrolet Zafira, einen Renault Scénic, einen VW Santana oder einen Chevrolet Camionete-Jeep.
Als der Fernsehsender einen silbernen Zafira 2.0 mit DVD-Player zeigt, der in Kobrasol, einem Stadtteil von São José steht, ist Delmo nicht mehr zu halten.
Wir fahren unterdessen zum Strand, wo ich mich mit Markus und Takuya beim Fußball erst einmal von den Präsentationsstrapazen der letzten Woche austobe. Es ist sonniges Wetter, dennoch bin ich der einzige, der sich in die Fluten stürzt, gar nicht sooo kalt.


Aber hohe Wellen gabs!


Und einen Ball sowie Takuya und Markus zum Austoben!

Zusammen mit Franziska, Patricia, Rebecca, Rika, Markus, Jürgen und Takuya haben wir dann noch ein kleines Beachvolleyballspiel initiiert, und als wir wieder zu Hause ankamen, stand der Zafira mit DVD-Player vor der Tür. Delmo ist schon ein bisschen verrückt.
Abends ruft dann noch Marcela an, eine andere Unibralkandidatin: Gestern wäre sie leider nicht auf der Party gewesen, aber das mit dem Forró-Tanzen wäre ja wohl ihre Idee gewesen! Auch gut, treffen wir uns vorher noch in der Weinstube Pipa? Beleza.
Jürgen und Rebecca sind ebenfalls mitgekommen, sowie Jürgens Mitbewohner Guilherme. Marcela und Leandro haben auch noch ein paar Kumpels dabei, so dass wir zu zehnt in die Pedrera nach Lagoa zum Forró gefahren sind. Irgendwann wollte Leandro noch ein paar Brasilianerinnen anmachen, also war er dann deutscher Austauschstudent, der bisher kein Portugiesisch spricht. Sehr lustig. Nur musste er dafür natürlich Deutsch sprechen, und das war vor allem für uns sehr lustig.

Shopping Tour

Für das Pantanal brauchen wir noch einiges an Ausstattung, so viel steht fest. Deswegen gehen wir an diesem Freitagmorgen ins Zentrum, um einzukaufen. Strikt nach Geschlechtern getrennt, so ist es wohl besser, versuchen Steve und ich sowie Rebecca und Franziska Florianópolitaner Läden nach Regenjacken, festem Schuhwerk, Moskitonetzen etc. zu erleichtern. Ergebnis beim verabredeten Mittagessen: Steve hat neue Schuhe (ich hatte mir ja letztens schon welche gekauft), wir beide neue Regenjacken. Franziska und Rebecca haben vor lauter Läden noch keine Kaufentscheidungen treffen können, dafür testen sie mit mitgebrachtem Wasser die Impermeabilität unserer Regenjacken. Nachmittags fahre ich noch mit Steve ins Beiramar Shopping weiter, wo ich mir im Renner eine Hose kaufe. Um drei komme ich zu Hause an und muss erst einmal ins Bett fallen von der anstrengenden Einkaufstour. Erst um acht Uhr abends kommt Franziska vollbepackt zu Hause an, hat Schuhe, Hose und Regenjacke gefunden, und fällt ins Bett, als ich wieder aufstehe.
Und mit Steve noch auf der Party des Studentenvereins Calipro gehe. Als ich mit Leandro (einem der Kandidaten für Deutschland) auf Steve warte, springt mich eine brasilianische Studentin an: „Gib mir, gib mir, Kinder!“ – Ich schaue Leandro an, und noch ungläubiger das Mädel. Des Rätsels Lösung: Sie wollte ihre Deutschkenntnisse zum Besten geben und „Gehen wir, gehen wir Kinder“ sagen. Das ist dann wohl einigermaßen in die Hose gegangen, und Leandro und ich hatten einigen Spaß, ihr das klar zu machen.
Unabhängig davon war es eine ziemlich coole Studentenfete, nur müssen wir den Brasilianern noch beibringen, dass man sich pro Person eine Flasche Bier kauft und dann aus der Flasche trinken darf. Irgendwann spät am Abend kommt Aline an. Sie war im letzten Jahr in Deutschland, und hat dann noch ein Praktikum beim Daimler angehängt, so dass sie, ausgestattet mit perfekten Deutschkenntnissen, gestern wieder in Floripa gelandet ist. Leandro und Fábio schlagen vor, doch morgen Abend nach Lagoa zum Forró zu fahren. „Pegue o número dele“, sagt Aline zu ihrer kleinen Schwester, denn sie hat noch ein deutsches Handy und muss erst mal ein brasilianisches kaufen.

Bummelstreik die zweite

Prof. Raul hat heute seinen Beamer sowie sein Notebook gar nicht erst mitgebracht, und jegliches Material außer einer Streikzeitschrift zu Hause gelassen. Er beginnt, über das CNG – Comité Nacional da Greve (Nationales Streikkomitee) zu informieren. Nach 15 Minuten beschließen Franziska und ich, den Raum zu verlassen. In PCP haben wir wieder Hausaufgaben, das ist wichtiger.