Erster Arbeitstag

Nach meiner Ankunft bei Olsen habe ich mich zunächst einmal allen Mitarbeitern im Büro, die schon da waren, vorgestellt. Morgens gab es gleich eine Besprechung zwischen Uilians (dem Arbeitsvorbereiter) und meinem Abteilungsleiter, Hélvio. Sie sind eine Liste mit Assuntos, Vorgängen, durchgegangen, die für den Start einer neuen Baureihe noch zu erledigen sind. Hélvio sagte mir: „Wenn du Fragen hast, etwas nicht verstehst, dann frag!“ Um ehrlich zu sein: Ich habe gar nichts verstanden, wollte aber auch nicht wegen jeder Kleinigkeit fragen. Uilians hat mir netterweise die 10-seitige Liste noch mal ausgedruckt, und ich habe mir nach der Besprechung mein Wörterbuch zur Hand genommen und an diesem Tag und in den Folgetagen mal schlappe 200 Vokabeln aus der Liste heraus geschrieben. Tja, wenn es da heißt: „Bei der Biegevorrichtung für die Wasserspender, aus denen der Patient seinen Becher gefüllt bekommt, gibt es Probleme mit der Materialzuführung“, dann ist das sicherlich nicht so einfach zu verstehen. Obwohl eigentlich gar nicht schwer: Denn der gemeinte Wasserspender heißt im Portugiesischen sehr treffend Bengala, Spazierstock. Irgendwann mittags heult eine Luftschutzsirene auf, Pause. Wir Praktikanten und viele andere Leute aus dem Büro lassen den Kollegen aus der Werkstatt den Vortritt am Buffet, und surfen die halbe Stunde bis halb 1, und gehen dann los. Das Essen ist wie im Kilorestaurant, nur zu meiner Überraschung kostenlos. Es sei zwar üblich, dass der Arbeitgeber eine Stütze zum Essen dazuzahle in Brasilien, aber kostenloses Essen kenne er auch erst, seitdem er bei Olsen arbeite, erzählt mir Kollege Diogo, ein junger Konstrukteur. Am Nachmittag konnte ich mich über einen Schreibtisch freuen, einen PC werde ich jedoch nicht bekommen. Also heißt es Rodízio de Computadora, setz Dich an einen Rechner, der gerade frei ist. Todos têm Internetschi. Hélvio kommt vorbei und erzählt mir, dass ihm das mit der bisherigen Praxis einer Tabelle für die Projektplanung nicht gefalle, ich hätte doch etwas Ahnung von PCs und wolle doch obendrein was Richtung Projektmanagemant machen – ob ich da nicht eine gute Software kennen würde? Bedingung: Sie darf nichts kosten, und alle müssen drauf zugreifen können. MS Project scheidet also aus. Das hört sich ja wirklich nach einer Sache an, die mich interessiert, und ich sage zu. Die nächsten Stunden verbringe am PC von Mitpraktikant Rodrigo, dem Werkstoffwissenschaftler, und suche bei SourgeForce und anderen Foren nach Open-Source-Programmen. [Anmerkung: ich schreibe mein Tagebuch in Word, und stelle gerade fest, dass die Word-Rechtschreibprüfung das Wort Open-Source nicht kennt. Hm, das ist ja typisch. Linux wird auch immer rot unterstrichen.] Bereits zu Feierabend habe ich eine vernünftige Software gefunden, sie heißt Dotproject. In eine Demoversion für jedermann kann man sich unter www.dotproject.net/demo einloggen (Benutzer: admin, Passwort: admin). Hélvio bietet mir Carona an, Mitfahrgelegenheit. Als ich nach Hause komme, ist Luiz aus Italien wieder da und wir schauen uns Bilder aus Turin und seinem Abstecher nach Assisi an, die er mit seiner Digitalkamera gemacht hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert