Brand im Mercado Público

Tja, das war´s auch schon an Neuigkeiten dieser Tage, an denen Franziska und ich auf dem Balkon sitzen und für PCP lernen. Dort soll es nächste Woche ein Spiel im Computerraum geben, und so wollen wir wenigstens ein bisschen technische Vokabeln lernen. Die vielen Zeitungsberichte über den Brand im Mercado Público rufen auch schon bald Spötter und Photoshop-Experten auf den Plan, so dass schon bald klar ist, dass keineswegs ein technischer Defekt den Brand ausgelöst haben könnte:


Brand im Mercado Público!

Abends gibt es Churrasco, und Humi, eine Freundin von Rika kommt aus Japan. Sie werden in der nächsten Woche das Amazonasgebiet erkunden. Abends surfen Felipe, Anna, Takuya und ich über die Welt: Mit Google Earth zeigen wir unsere Heimatorte und – universitäten. An die in Japan vorhandene Detailschärfe kommt Ilmenau definitiv nicht heran, wenngleich Ilmenau schon ganz gut aussieht:


Im Vordergrund der Kirchhoffbau und der Helmholtzbau

Einweihungsparty im Strandhaus

Nachmittags war ich kurz mit Jürgen auf Zimmersuche, der bald nach Trindade ziehen wird. Abends war großes Wohnungseinweihungsfest bei Forsti und Steve im Strandhaus, und fast alle sind gekommen: Jürgen und Rebecca, Markus und Patricia, Takuya und Ingmar, Franziska und ich, Wilson und Marcelo (zwei Brasilianer, die letztes Jahr in Ilmenau waren) und drei der Kandidaten für 2006: Marcela, Karla und Leandro. Es gab Churrasco, was auch sonst. Jedoch außerdem mit Fisch, und diversen Salaten sowie von Forsti angefertigten Caipirinhas.


Für den neuen Hausherrn starben ca. 30 Hühner. Stolz präsentiert er ihre Herzen.

Billardtisch und Kicker luden zu binationalen Vergleichen ein, wir haben wahrscheinlich bis in den Morgengrauen gefeiert und den Brasilianern den äußerst einfach zu erlernenden Text von „Eigekühlter Bommerlunder“ beigebracht.

Rätsel an Rikas Geburtstag

Nach der Vorlesung in Engenharia de Software wollte ich heute eigentlich in die Bibo, um etwas Produktionsmanagement zu lernen, aber daraus wurde nichts: Streik. Man stelle sich vor, in Ilmenau streiken die Bibo-Mitarbeiter. Gut, viele Zeitschriften, Aufsätze etc. gibt es inzwischen im Online-Archiv, aber in Brasilien? Der Streik ist bis auf weiteres, d.h. mindestens eine Woche.
Abends überrascht Prof. Álvaro in Empreendedorismo wieder mit Rätseln:

Ein Mathematiker besucht das Haus einer Kollegin, die drei Töchter hat. Er fragt sie nach dem Alter ihrer Töchter, und die Mathematikerin antwortet: „Multipliziert man die Alterszahlen jeder Tochter, so ergibt das Produkt 36.“ – „Es fehlen noch Informationen“, sagt der Mathematiker. Die Mathematikerin entgegnet: „Die Summe der Alterszahlen jeder Tochter ergibt meine Hausnummer!“ Der Mathematiker überprüft die Hausnummer des Hauses, überlegt, und antwortet: „Noch immer fehlen Informationen!“ – Die letzte Information, die die Mathematikerin ihrem Kollegen verrät, lautet: „Meine älteste Tochter hat blaue Augen“. Wie alt sind die Töchter?

Es gibt genau eine eindeutige Lösung!
Wer mag, kann sich ja einmal daran versuchen…

Abends feiern wir Rikas Geburtstag im Iega (Sprich: Jäger). Das ist eine etwas größere Lanchonete in Carvoreira, und landen danach noch mit ner ganzen Menge an Leuten in der Republica. Es spielen Os Chefes, die eine wirklich gute Show machen. Auf dem Rückweg beginnt ein heftiges Gewitter, und wir machen uns schon Sorgen um die Wohnungseinweihungsparty von Forsti und Steve, die morgen endlich stattfinden soll.


Rika und Anna


Ângela, Takuya, Michiko und Eduardo

Festa de Caloures

Neben den Vorlesungen war dieser Tag geprägt von diversen Veranstaltungen für Erstsemestler, die Caloures. Mittags haben wir uns schon angeschaut, wie sich angehende Betriebswirte in Mehl einseifen lassen, und danach mit dem Gesicht in eine alkoholgetränkte Melonenhälfte tauchen, um dann mit Fingerfarbe bemalt Geld für den Abend zu sammeln, um älteren Studenten den Alkohol zu finanzieren.


Tja, noch lachen sie…


…dann kommt das Mehl ins Gesicht,..


…und dann schön mit dem Kopf in die Melone oder ins Mehlfass tauchen!


Bei den Wirtschaftsingenieuren geht es gesitteter zu, obwohl sicherlich kein Treueschwur auf die Studienordnung abgenommen wird.


Auch hier gibt es Getränke

Auf der abendlichen Veranstaltung für Wirtschaftsingenieure ging es dann deutlich gesitteter zu, hier wurde auf die Fingerfarben und das Mehl im Großen und Ganzen verzichtet, und das Bier war viel zu schnell alle. Viele Studenten kennen wir ja jetzt nicht nur über die Austauschkandidaten, sondern auch durch die Vorlesungen, und so kamen wir in nette Gespräche.
Markus hat es geschafft, ein Auto von der Mutter einer Kollegin zu kaufen, und zwar einen Chevrolet Monza, der aussieht wie ein Opel Ascona aus den Achtzigern.

Immatrikulation

Heute ist Immatrikulation für alle Studienfächer für Ausländer. Für jedes Fach gibt es eine bestimmte Anzahl von Plätzen, die Brasilianer haben sich elektronisch vor Semesterbeginn eingeschrieben. Ausländischen Studenten werden einige Plätze reserviert, hier muss die Immatrikulation jedoch manuell an jeder Fakultät erfolgen. Ich belege Kurse an der Wirtschaftsingenieur-, an der Maschinenbau- und an der Informatikfakultät. Will sagen: Ich muss heute in drei Prüfungsämter rennen, und mich dort jeweils einschreiben. Da ich aber die Namen meiner Kurse kenne, weiß wann sie liegen und welchen Fächercode sie haben, geht das für mich relativ einfach. In der Schlange vor treffe ich einige unvorbereitete Portugiesen, die gerade feststellen, dass die Kurse, die sie belegen wollen, auf dem gleichen Termin liegen. Wer als Portugiese sein Auslandssemester in Brasilien macht, denkt natürlich ungefähr genauso weit wie ein Deutscher, der nach Österreich geht.
Am Nachmittag kaufe ich mir neue Schuhe, was mit einigen Verständnisschwierigkeiten verbunden ist: Als ich sage, ich benötige das von mir ausgesuchte Paar in Tamanho 44 oder 45, sind die Augen der Verkäuferin groß: So große Schuhe würden sie nicht führen, ihr größtes Paar sei 42. Nach kurzen Erklärungsversuchen haben wir dann herausgefunden, dass die brasilianischen Schuhgrößen minimal anders sind, und Tamanho 42 in Brasilien etwa Größe 44 in Europa entspricht. Offenbar hat der gemeine Brasilianer aber tatsächlich auch kleinere Füße, denn sonst würde es nicht bei meiner Größe aufhören. Selbst mein favorisiertes Paar hat sie nicht da, genauer gesagt muss sie lange suchen, bis sie ein Paar in 42 findet.
Abends kochen Franziska und Conny, und später treffen wir und noch mit Jürgen in einer Lanchonette im Zentrum.

Canela und Gramado

Heute stehen wir früh auf, denn der Reiseführer sagt, dass der Wasserfall von Canela nur morgens in der Sonne liegt. Da hat sich das frühe Aufstehen gelohnt, denn so wir können Conny, die ja schon in einer Woche wieder nach Hause fährt, wenigstens einen kleinen Eindruck von Foz de Iguaçu bieten. Das Wasser fällt ca. 130m nach unten, und man kann am Hang mehr als 900 Stufen nach unten steigen. Neureiche Paulistas (Bewohner aus São Paulo) versuchen sich in Stöckelschühchen, spätestens beim Wiederaufstieg bieten sie dann ein lustiges Bild.


Dieser Wasserfall fällt 130 Meter in die Tiefe


Größenvergleich Franziska vs. Wasserfall


Kraftvergleich Lok vs. Haus

Vorbei an einem Museum über den Eisenbahnunfall in Paris fahren wir nach Gramado. Franziska hatte in der Jugendherberge den Flyer einer Schokoladenfabrik entdeckt. Wir kommen an, und machen mal wieder so eine Betriebsbesichtigung im brasilianischen Stil: Eine Studentin erklärt zwei Minuten, und dann ist es vorbei. Die Schokolade wird zugekauft von Garota, und im Verkaufsraum kann man dann Pralinen kaufen. Ein echter Reinfall: Forstis Schokoladenbecher mit Schokokugeln entpuppt sich als schokoüberzogener Eisbecher, und Franziskas und meine Pralinen sind auch eher so im Stil wie Mars.


Der Mobilfunk findet Einzug in die Schokolandenindustrie

In Gramado finden die Vorbereitungen für die südamerikanische Oskar-Verleihung statt, und man erwartet brasilianische Kinostars. Also schnell weg. Auf dem Rückweg kommen wir noch einmal über eine Erdstraße, als wir aus der Serra zur Küste herabsteigen. Diese wird aber gerade konsequent zu einer Autobahn ausgebaut, so dass Teile bereits vierspurig freigegeben sind, andere Teile auf einer einspurigen Erdstraße mit Ausweichstellen am Hang herunterführen.
Zu Hause in Floripa angekommen, ist Delmo aus den USA zurückgekehrt und hat ein Notebook mitgebracht. Technik ist bekanntlich sehr teuer in Brasilien…


Serra gaúcha = Into the great wide open


Ausblick auf die Berge


heute: Erdstraße


bald: Autobahn

Aparados da Serra

Nach dem Frühstück mit den kleinen Enkelkindern aus der Pousada geht’s los in den Parque Nacional Aparados da Serra, wo wir den Cânion de Itaimbezinho besichtigen. Nach dem Parkplatz müssen wir an einer ins Nichts gebauten Touri-Information vorbeiwandern, bis wir nach etwa 2 Kilometern zum Cânion gelangen.


Am Eingang zum Nationalpark


im Nationalpark

Kleine Wasserfälle fallen von dem Plano Alto, der Hochebene herab, und stürzen etwa 600 Meter senkrecht in die Tiefe. Einige Verrückte wagen sich auch über die Absperrungen, um sich am Fels ablichten zu lassen, ich spare mir das lieber mal. Nachdem wir auf dem Rückweg über weitere Erdstraßen wieder Cambará do Sul passiert haben, wird plötzlich die Straße perfekt ausgebaut, und nach einem guten X-Salada in São Francisco de Paula erreichen wir unser Tagesziel Canela schneller als erwartet. Canela und die Nachbarstadt Gramado wurden in den Neunziger Jahren nach Vorbild aus den Alpen zu winterlichen Ferienorten ausgebaut, und sind entsprechend teuer. Nach einigen Verhandlungen überzeugt Forsti den Herbergsvater der Jungendherge, dass ein internationaler Studentenausweis einem internationalen Jugendherbergsausweis gleichkomme und wir somit etwas Rabatt bekommen, nachdem wir zuvor einige Pensionen fernab unserer Preisklasse ausgeschlagen hatten. Abends haben wir uns noch den Ort angeschaut und sind dann in einer gut eingerichteten Pizzeria, in der es aber auch nur mittelmäßig schlechte Pizza gab, gelandet.

Kirche von Canela

Fahrt in die Serra Gaúcha

Für drei Tage haben wir Ângelas Auto gemietet, und zusammen mit Forsti und Conny fahren Franziska und ich heute in die Serra Gaúcha. Zum ersten Mal wird heute mein neuer Lonely Planet zum Einsatz kommen, der im Paket war, das vor ca. einem Monat ankam. Alle anderen Reiseführer taugen höchstens etwas für Leute, die in den Sommerferien in Brasilien Urlaub machen und in höherklassigen Hotels unterkommen. Wer aber mit studentischem Budget ein Jahr lang Brasilien bereist, wird um einen Lonely Planet (oder um die neu erschienende deutsche Variante ReiseKnowHow) nicht herumkommen.
Bis kurz vor der Grenze zu Rio Grande do Sul, dem südlichsten brasilianischen Bundesstaat, bleiben wir auf der gut ausgebauten Hauptstraße an der Küste entlang. Dann biegen wir ab, und schon nach wenigen Kilometern hört der Asphalt auf.


Eine Erdstraße führt die Berge hinauf


Grenze zwischen Santa Catarina und Rio Grande do Sul


Der Palio am Gipfel

Fahrerin Franziska und ihr unerschrockener Fiat Palio bewältigen eine steile Bergstraße. Je weiter wir nach oben kommen, desto steiler und nebliger wird es, und als wir die Grenze zum Gaúcho-Bundesstaat überqueren, ist die Sichtweite nicht viel weiter bis über die Motorhaube hinaus. Irgendwann kommen wir in unserem Tagesziel Cambará do Sul an. Hier gibt es immerhin Kopfsteinpflaster auf den Straßen, wenngleich die Stadt an eine kalte Westernstadt erinnert. Wir kommen in einer familiär geprägten Pousada unter, und lassen uns vom Familienvater ein Restaurant empfehlen, nachdem wir nur verstaubte und wenig Vertrauen erweckende Lancherias (so heißen Lanchonettes bei den Gaúchos) entdeckt hatten. Das Restaurant, O Casarão, liegt etwas versteckt, und wir haben in der nebligen Atmosphäre ein wenig Mühe, es in den dunklen Straßen zu finden. Innen erwarten uns eine schöne Einrichtung, beste Atmosphäre, und ein Buffet für 13 Reais. Von Linsensuppe über selbstgemachte Maccharoni bis zum Flugsaurier (Forstis Bezeichnung für ein Hünchenschnitzel auf meinem Teller) ist alles dabei.


Für dieses Essen bezahlten wir zu viert etwa 20 Euro incl. Wein und Saft

Auf dem Rückweg war es mächtig kalt geworden, außerdem stellte ich fest, dass meine Schuhe und deren Sohle sich in den nächsten Tagen trennen werden.

Ângelas Geburtstag

Eigenartigerweise gibt es in Industrierobotertechnik gar keine Präsentationen mehr. Die beiden noch fehlenden Gruppen haben ihre Präsentationen noch nicht fertig. Dafür gibt es für uns noch mal einen Ausflug in die Grundlagen der Kinematik: Definition von Koordinatensystem und Orientierung im Raum. Was ich bei Mettke in Ilmenau nicht verstanden habe, kann Prof. Raul Guenther auf Portugiesisch besser erklären als Mettke auf Deutsch.
Am Nachmittag ist erstmals Sprachkurs, und es gibt Textbearbeitung. Furchtbar. Ich hätte gern noch ein bisschen mehr Grammatikwiederholung gemacht.
Abends feiern wir den Geburtstag von Gastmutter Ângela. Batinga, ein Verwandter kommt vorbei, um das Churrasco vorzubereiten. Wir ausländischen Gastkinder und Eduardo schenken ihr eine Forró-DVD, Rocher und eine Flasche Wein.


Angela mit ihren „Kindern“ Markus, Franziska, Rika, Marcus, Eduardo und Takuya


noch mehr…


Julia ist drei und Ângelas Nichte


Rika und Takuya singen mit einer weiteren Japanerin ein japanischen Geburtstagslied

Spät abends landen wir noch in der Republica, aber bleiben nur kurz, weil die Band nicht gut ist.

Treffen mit Profa. Leila

Der gut organisierte Prof. Ricardo aus Engenharia de Software lässt auf sich warten. Ob es am Regenwetter liegt, dass er krank ist?
Um 11 treffen wir uns mit Profa. Leila. Man mag es kaum glauben, das erste offizielle Treffen mit der betreuenden Professorin. Sie erkundigt sich, wie es uns im Praktikum ergangen ist, welche Kurse wir gewählt haben usw. Nach 20 Minuten ist alles vorbei.
Abends in Empreendedorismo legt Prof. Álvaro ein Quiz auf, um unsere Unternehmereignung zu testen. Es wird z.B. gefragt, ob man ein Unternehmen mit Fachleuten oder mit alten Freunden gründen würde, ob man immer am Ort geblieben ist oder einige Male abrupte Ortswechsel, z.B. bei der Studienplatzwahl vorgenommen hat, etc. Trotz aller Anstrengungen komme ich auf nur auf 138 von (ich glaube 300 Punkten), erst ab 150 Punkten beginnt die Bewertungsskala. Aber auch die meisten brasilianischen Kommilitonen bleiben unterhalb von 150 Punkten.