SolidWorks

Heute habe ich ein wenig selbst mit SolidWorks konstruieren sollen, erst habe ich die Vorrichtung zum Schleifen der Stanzstempel konstruiert, und dann noch etwas am Desbobinador gezeichnet. Dafür, dass ich zum allerersten Mal mit SolidWorks gearbeitet habe, hat es erstaunlich gut geklappt, ich finde es sogar noch besser als Pro/Engineer und um Größenordnungen besser als Mechanical Desktop; beide Programme setzen wir in Ilmenau an der Uni ein.


Kennenlernen des Programmes und Zeichnen meiner Vorrichtung – Leistung eines Vormittags. Nicht schlecht.

Gestern war abends irgendein brasilienweites Zahntechnikerforum bei Olsen. Hélvio war auch dabei gewesen, und kam heute mit einem giftgrünen T-Shirt zur Arbeit, was es wohl dort für alle Teilnehmer gegeben hat. Dementsprechend gut gelaunt war er, hatte aber einen entscheidenden Hinweis für meine Konstruktionen: In Brasilien sei alles metrisch, bis auf Stahlprofile. Die verkaufen brasilianische Stahl- und Walzwerke für teures Geld und Devisen nach Amerika. Und er hätte gerade günstig zweite Wahl einkaufen können, dass sei viel billiger als metrische Profile zu kaufen. Also die Profile bitte noch einmal: „Hier nimmst Du ein fünf-sechzehntel mal 2½-Zollprofil, das sind 7,94 × 63,5 mm.“ Das weiß der im Kopf, alle Achtung.

Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom

ist koreanisch und heißt auf Portugiesisch: Primavera, Verão, Outono, Inverno, … e Primavera. Das ist der Film, in dem ich gestern abend mit Vera, Sebastian und ein paar Brasilianern war. Sehr zu empfehlen ist sowohl die deutsche als auch die englische Homepage.
Der Film fängt schon gut an: Ein junger Mönch und sein Lehrer leben zu zweit in einer Einsiedelei mitten in einem See. Der junge Mönch, ein Kind, ist ein kleiner Tierquäler und bindet Fischen, Schlangen und Fröschen gerne mal ein paar Steine an den Körper und untersucht ihr Bewegungsverhalten mit zusätzlichem Ballast. Geht der Fisch unter, kann der Frosch noch schwimmen? Am nächsten Morgen wacht er mit einer zusätzlichen Last auf: Der alte Mönch hat seine Taten beobachtet und dem Mönchskind über Nacht einen kleinen Hinkelstein auf den Buckel geschnallt.

Filmplakat

Heute ist das Wetter umgeschlagen: Als ich aufgestanden bin, gab es ein Gewitter, und bis zur Bushaltestelle war ich trotz Guarda-Chuva pitschenass. Das Wasser schoss aus allen Hofeinfahrten auf die Straße. Außerdem war es deutlich kühler, die Werbeuhren mit Thermometer auf der Beira-Mar zeigten nur 17°C an. Ok, war ja auch um 7 Uhr morgens.
Auf der Arbeit sollen Simone und ich eine alte Schleifmaschine wieder in Gang setzen. Ich habe mich voller Tatendrang in die Werkstatt gestürzt, Simone hat sich nur gewundert. Hélvio möchte, dass wir eine Vorrichtung zum Schleifen von Stanzstempeln bauen, die auf dem Magnettisch der Schleifmaschine aufgebaut werden soll. So haben wir erst einmal die Maschinenparameter vermessen und die Warnung der Werkzeugmacher gehört: Der Magnettisch ziehe nicht mehr richtig an, besser direkt festschrauben. Als ich abends Hélvio erzählt habe, dass ich das jetzt zum Festschrauben konstruieren werde, zeigte er nur ein müdes Lächeln: „Haben Sie Dir erzählt, dass der Tisch nicht mehr richtig anzieht? Hast du’s überprüft? Wie überprüfst Du es?“ Also brauche ich jetzt erst mal eine Prüfvorrichtung (Klotz, Draht, Umlenkrolle, Gewichte), um die seitliche Kraft (hier auch Força lateral genannt) zu messen.

Im Supermarkt oder die Angst des Brasilianers vor Bargeld

Ein längst überfälliger Themenpark. Als Untersuchungsobjekt diene der Angeloni (die große Supermarktkette Brasiliens) in Santa Mônica oder jeder andere supermercado. Er ist etwa halb so groß wie das Kaufland in Ilmenau und doppelt so groß wie ein Aldi- oder Lidl-Markt und bietet vom Churrascospieß und Bäckertheke bis zum Köstritzer Schwarzbier und Requeijão Catupiry einfach alles was man so benötigt. Interessant wird es eigentlich erst, wenn sich die zahlungswillige Kundschaft der Kasse nähert: Es gibt mindestens 20 Kassen, die alle geöffnet sind. Verglichen mit dem Ilmenauer Kaufland (ca. 10 Kassen, meist nur fünf geöffnet, durchschnittliche Wartezeit unter zwei Minuten, durchschnittliche Dauer eines Kassiervorganges 20…40 Sekunden) setzt Brasilien hier andere Maßstäbe: etwa die Hälfte der Kunden wie im Kaufland, durchschnittliche Wartezeit schlappe acht Minuten. Es befinden sich stets mehr Kunden in der Warteschlange als beim Einkauf im Markt. Woran das liegen mag? An der Dauer des Kassiervorganges. Dieser streut gewaltig und reicht von einer Minute (deutscher Student, der ein Brot, eine Packung Salami und einen Frischkäse erwirbt, bei Barzahlung mit passendem Geld und kleinen Scheinen, und welcher darauf besteht, und seine Waren selbst in den mitgebrachten Rucksack zu packen) bis etwa 10 Minuten (Mutter mit einem Einkaufswagen und viel Gemüse, welches an der Kasse gewogen wird, die sich alles in etwa 50 Plastiktüten einpacken lässt und mit Kreditkarte oder großen Scheinen zahlt).
Nun, wer einmal hinter einem solchem Einkaufsraumschiff gestanden hat, weiß wie das abläuft: Die Kassiererin zieht Artikel für Artikel über den Scanner. In Ilmenau vielleicht ein Artikel pro Sekunde. In Brasilien eher alle 10 Sekunden einen Artikel. So eine Handbewegung ist ja auch außerordentlich komplex, und man sollte auch nicht verlangen können, dass die Kassiererin vorher weiß, wo sich denn der Strichcode am Artikel verstecken könnte. Alle drei Artikel wird eine neue Plastiktüte hervorgekramt und die Waren werden darin liebevoll verstaut. Gemüse wird an der Kasse gewogen. Oberhalb der Kasse befindet sich ein großer Monitor, wo der Preis aller Artikel und die Summe angezeigt werden. Das finde ich grundsätzlich gut, ärgerlich ist, dass es ein System aus DOS-Zeiten ist und die Aufsummierung zur Preissumme weitere 10 Sekunden in Anspruch nimmt. Der angezeigte Preis ist in dem Moment, in welchem man sein Portemonnaie zückt, noch der Einzelpreis des letzten Artikels.
Kommen wir zum Zahlvorgang: Dieser geschieht in Brasilien grundsätzlich mit Kreditkarte oder Scheck. Bargeld ist das, was man für Bettler übrig hat. In Ilmenau habe ich einige Male beobachtet, dass ein Barzahlvorgang in der Regel deutlich flotter geht als das elektronische Zahlen mit Bank- oder Kreditkarte. Ausfälle von Karten und zugehöriger Lesegeräte nicht mitgerechnet, die in Brasilien offenbar an der Tagesordnung sind, jeder Brasilianer schleppt mindestens drei Plastikkarten mit sich rum und an jeder Kasse stehen mehrere Terminals. So ganz traut man der Technik wohl nicht, deshalb wohl nicht ausgestorben ist das gute alte Scheckbuch, mit dem man im Supermarkt und Restaurant gern bezahlt. Zwei zusätzliche Minuten zum Ausfüllen des Schecks nach Durchprobieren aller möglichen Kombinationen aus vorhandenen Karten und an der Kasse verfügbaren Lesegeräten verstreichen.
Manchmal stellt sich der deutsche Student natürlich auch an der caixa rápido, der Schnellkasse an, die schneller heißt als sie ist. Es gibt derer vier im Angeloni, für einen Einkaufskorb mit maximal 15 Artikeln. Eine Warteschlange für alle Anstehenden an der cixa rápido, die sich mit mäanderförmig aufgestellten Absperrbändern in den Markt reinschlängelt. Im Minimum 20 Kunden vor dem Protagonisten. Noch ist in täglichen Dauertests mit Handystoppuhr nicht bewiesen worden, ob es hier tatsächlich schneller zugeht. Immerhin sind es dann nur noch fünf Kunden pro Kasse, aber auch hier kommt die Kreditkartenproblematik wieder hoch, so dass es dann doch ziemlich lange dauert, bis eine der Kassiererinnen „Próximo!“ – Der nächste Bitte! – ruft. Nun stellen wir uns den Fall vor, dass das Bargeld, für einen Betrag von sagen wir 5 Reias (1,50 Euro), nicht annähernd passend vorliegt. Der Kunde bezahle mit einer 10-Reais-Note. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist nicht genügend Wechselgeld in der Kasse. Die Kassiererin macht ein rotes Lämpchen an der Kasse an, innerhalb von 3 Sekunden (das geht ja wirklich schnell!) steht so’n Sicherheitsfuzzi neben mir, und muss erst mal beruhigt werden: Kein Alarm, er soll nur Bargeld tauschen. Er hat eine Gürteltasche, und zählt 10 Reias in 1-Real-Scheinen raus, die Kassiererin zählt sie noch mal durch und gibt meinen 10-Reais-Schein weg. Einmal musste ich mit einem 50-Reais-Schein bezahlen, da wurde die Note zunächst beknibbelt, geknickt, über die Metallkante der Kasse hinweg abgezogen, und nach erfolgreichem Echtheitstest musste der Sicherheitsstratege in den hinteren Bereich laufen, kleinere Noten holen. Da müssen also drei Leute zählen: Die Kassiererin, der Sicherheitsmann, und sein Kollege im hinteren Bereich. Zwei weitere Minuten Warten an der Kasse.
Entnervt verlasse ich den Supermarkt, und frage mich, was die soeben in Deutschland eingetroffenen Brasilianer vom Kaufland halten werden. Da liegt die Ware abgefertigt im hinteren Bereich der Kasse und die Summe vor, bevor die ihre Kreditkarte oder Bargeld auch nur zücken könnten. Staunend werden sie dieses Geschäft verlassen. Kein Wunder, dass es hier heißt, die Deutschen seien fleißig und würden schnell und zuverlässig arbeiten.
Als ich beim Bekleidungseinkauf einmal auf eine Summe von 120 Reais (35 Euro) kam, habe ich große Augen der Kassiererin geerntet, als ich drei 50-Reias-Scheine hervorgekramt habe. So eine große Summe Bargeld! Inimaginável – unvorstellbar. So stehe ich nun vor dem Problem, wie ich meinen Lohn, u.a. drei seltene große 100-Reais-Scheine, an den Mann bringe, und welche weitere Sicherheitsprüfungen die Geldscheine über sich ergehen lassen müssen.

CD virgem

Mitpraktikant Claudio wäre gestern fast mit zum Wandern gekommen: Er kennt jemand aus der Studentengemeinde, der ihm die Mail weitergeleitet hatte, beide hatten aber verpennt. Treffen um halb neun an einem Sonntagmorgen – das ist doch wohl nicht euer Ernst, meint Claudio. Ärgert sich aber, als er meine tollen Fotos sieht.
Heute haben meine Kollegen entdeckt, dass ich einen Gravador, einen Brenner in meinem Laptop habe. Und ich habe gelernt, was Rohling heißt: CD virgem. Ist ja eigentlich auch logisch. Nach der Arbeit habe ich mir dann auch welche gekauft, es wird Zeit für eine Datensicherung. Markenrohlinge kosten 2 Reais, billige 1 Real. Beide ohne jegliche Verpackung, direkt von der Spindel.

Trilha de Costa da Lagoa

Schon seit einiger Zeit stehe ich auf dem Mailverteiler für Wanderausflüge der Studentengemeinde, aber irgendwie hat es bisher nie klappen wollen vor lauter Ausflügen gen Blumenau etc. Da ich aber an diesem Wochenende zu Hause geblieben bin, um etwas auszuspannen und um mich von meiner Erkältung zu erholen, musste Tourorganisator Fabrício gestern in der Pipa keine große Überzeugungsarbeit leisten: Also stehe ich pünktlich um 8:30 Uhr morgens am Busbahnhof TITRI.


TITRI und Radler auf der Beira Mar

Auf meinem Weg komme ich über die Avenida Beira Mar: an einem Sonntagmorgen ist die 2×3-spurige Küstenstraße aber keineswegs menschenleer, sondern ein Paradies für Läufer, Radfahrer und Rollschuhfahrer, die es im fitnessverrückten Brasilien zu Haufe gibt. Autos fahren nur vereinzelt. Unser heutiges Fitnessprogramm lautet nach einem Umstieg am TILAG und dem Erreichen der Endhaltestelle des Busses nach Costa de Lagoa: Wir laufen nach Costa de Lagoa. Denn der Bus fährt nicht wirklich in den Ort, weil Costa de Lagoa nicht ans Straßennetz angeschlossen ist, sondern nur zu Fuß oder übers Wasser erreichbar ist. An der Endhaltestelle (Ponto Final), eigentlich am Ortsrand von Lagoa de Conceição, hört die Straße auf, und ein Naturpark beginnt. Zwar sind es nur 7 km bis Costa de Lagoa, aber es geht über Stock und Stein, vorbei an verlassenen Mühlen und zerfallenen Villen aus der Zeit der Kolonisation durch azorische Einwanderer (ca. 1780). 225 Jahre alte Häuser sind für Brasilianer eine echte Attraktion. Die eigentliche Anstrengung war nicht die Distanz, sondern die Hitze, auch mitten im Herbst können es schon mal 34°C werden…
Wir passieren einige Siedlungen, meistens reiche Villenviertel, die ihren eigenen Hafen an der Lagoa haben, und erreichen schließlich einen Wasserfall. Oh, cataratas, sage ich, das kenne ich ja schon aus Foz de Iguaçu. Nein, klären mich die Brasilianer auf: cataratas sind Riesenfälle, sowie in Foz oder in Niagara, aber das hier, dieser kleine Wasserfall, das sei nur ein cachoeira. Jedenfalls sind wir natürlich hochgeklettert und haben eine wunderbare Aussicht über die gesamte Lagoa genossen. Nach einem Aufenthalt an einem Steg sind einige Leute schwimmen gegangen, und dann haben wir auch irgendwann den letzten Ortsteil erreicht, sozusagen Ponto Final für das Fährschiff. Die letzte Stunde haben wir dort in der Kneipe gewartet, und hätten fast unseren Bahiano (Person aus Bahia, die Kollegen mit dem Karneval das ganze Jahr über) vergessen, der seine beiden letzten Bierchen dann auf dem Steg herunterschlingen musste. Sehr eindrucksvolle Bilder dieser Aktion und weitere Bilder von der Rückreise auf dem Boot, von den cachoeiras und sonstigen Erlebnissen dieses Tages rechtfertigen auf jeden Fall das Anlegen einer…

Zu Hause angekommen, hatten Luiz und Michelle „Bridget Jones 2“ aus der Videothek ausgeliehen. Wir einigen uns auf die Variante Englisch mit legendas portuguesas, so bessern Luiz und Michelle ihr Englisch auf und ich lese Portugiesisch. Wäre der Film besser gewesen, hätte ich ihm mir sicherlich noch einmal auf Portugiesisch angeschaut, aber so sehr mein Fall war er dann auch nicht. In der Kirche habe ich die Trilheiros (Wanderer) dann wieder getroffen, da hatte ich schon fast meine Galerie hochgeladen.

Krankenbesuch auf Continente

Da ich ja an diesem Wochenende nicht zu Steve und Christian nach Blumenau gefahren bin, habe ich den kranken Ritter Markus bei Carlos’ Eltern auf dem Kontinent besucht. Markus ist schon seit vier Wochen krank – irgendwas mit der Verdauung, und diverse brasilianische Ärzteteams rätseln.
Da er wenig Appetit hat, habe ich ihm meine zwei portugiesischen Bücher, die ich besitze, mitgebracht, so hat er ein wenig Ablenkung. Ich bin hier sowieso noch nicht zum Lesen gekommen.


Den Guaraná-Laster vor der Kirche von Estreito – inmitten von Hochhäusern – raube ich morgen aus…

Markus wohnt in Estreito, das ist einer der Stadtbezirke auf dem Kontinent, wo gerade Pfarrfest war. Wir sind ein bisschen rübergeschlendert, und dann war er ziemlich erschöpft.


Luiz, Michelle, Marcus, Musiker, Luciano, Fabrício und Yuri aus der Studentengemeinde (der Musiker nicht…)

Abends war ich mit Luiz und Michelle noch in der Weinstube Pipa in Trindade, wo wir uns mit anderen Leuten aus der Studentengemeinde getroffen haben. Anlass war ein Besuch von Ketner (sprich Ketschner) in Florianópolis. Ketner ist diejenige Studentin, auf deren Graduationsfeier ich an meinem ersten Wochenende in Brasilien war. In der Pipa ist es urgemütlich, es gibt nette Música Popular Brasileira aus der Gitarre und mit etwas Glück sogar kostenlose Getränke: Ich bestellte mit allen anderen zusammen, alle anderen erhielten ihren Wein respektive Traubensaft – nur ich nicht. Die Kellnerin brachte mir meinen Traubensaft, sagte mir etwas mit strahlendem Lächeln, ich sagte obrigado, und alle in der Runde fragen: Hast du verstanden, was sie gesagt hat? – Não. – Ist umsonst.


Yuri, Luiz jr. und Ketner

Arbeit satt

Hoje é sexta-feira treize. Sagt jeder im Büro und die erste Mail, die ich heute bekomme, stammt von Tülin und behandelt das gleiche Thema. Ich will mich darüber nicht beklagen, denn seit heute habe ich meinen offiziellen Olsen-Mitarbeiterausweis mit Foto (und nicht nur einen provisorischen).


Lochkartensystem

Es ist eine biegbare Plastikkarte, die Identifikation für die Zeiterfassung erfolgt mittels Lochmuster. Auf der Arbeit habe ich eine Funktion in Dotproject entdeckt, die die Berichte gleich als PDF generiert, mithilfe der Freeware-Bibliothek ezpdf. Da die Berichte noch verbesserungsfähig waren, habe ich mich da etwas in die Programmierung eingelesen, so dass z.B. jetzt Seitenzahlen mit ausgegeben werden und weitere Berichtsspalten. Als ungeübter Programmierer dauerte das etwas länger, aber immerhin funktioniert es jetzt. Uilians ist begeistert, dass seine ihm bekannte Word-Tabelle mit Vorgängen, so wie sie er bisher immer hatte, ihm jetzt von der Datenbank im fast identischen Layout fertig als PDF ausgeworfen wird.

Holm II. und Claudia I.

Gestern habe ich Luiz und Michelle zufällig einige idiomatische Begriffe, besser als Sprichwörter bekannt, gelernt. Nachdem sie mir versucht hatten, eine Sache zu erklären, und dieses einigermaßen lange gedauert hat, bis ich es verstanden hatte, habe ich ihnen erklärt: In Deutschland würde man jetzt sagen: Der Groschen ist gefallen. Oh, riefen sie, das gibt es auch im Portugiesischen: a ficha caiu. Aber was ist ficha? Denn Münzen heißen moedas, und alles was unter einem Real liegt, hört auf centavos. Haben die Geldstücke etwa auch apelidos, Spitznamen, wie etwa der deutsche Groschen? Nein, ficha ist etwas anderes: Vor nicht allzu langer Zeit wurde Brasilien immer wieder von schweren Inflationen heimgesucht. Und als es noch keine Kartentelefone gab, kauften die Leute Wertmünzen für Telefonzellen. Es wäre nämlich zu aufwändig gewesen, täglich die Tarife in den Millionen von Telefonzellen anzupassen, oder die Telefonzellen mit neuen Münzwaagen auszustatten. So konnte man in den Kiosken – zu inflationär steigenden Preisen – diese Wertmünzen namens ficha erwerben. Die natürlich ebenso wertlos wie das Geld waren, aber wie der Groschen auch nach ihrer Abschluss ihrer betrieblichen Nutzungsdauer der Sprache dauerhaft erhalten bleiben.
Seit heute habe ich auf der Arbeit eine Menge zu tun: Nach 5 Wochen betteln habe ich jetzt ein Login für den Linux-Server und soll Skripte programmieren, größtenteils Relatórios, Berichte, z.B. über einen Projektfortschritt. Und da ich programmiertechnisch ein ziemlicher Anfänger bin, wälze ich mich jetzt erst einmal durch Internetforen o.ä. zum Thema. Ein paar Sachen habe ich heute auf Anhieb geschafft, war regelrecht stolz auf mich.
Zwischendurch kreiste öffentlich der Stundenzettel rum. Dort stand drauf, wie sich bei jedem Mitarbeiter die Banco das Horas, das Stundensaldo, seit Monatsbeginn entwickelt hat. Man musste das unterschreiben, warum weiß ich auch nicht. Jedenfalls habe ich jetzt 18 Überstunden, ist ja auch kein Wunder wenn ich mit 40-Std-Vertrag 44 Stunden arbeite, wie alle anderen regulär. Dafür werde ich dann zum Ende und an günstigen Wochenenden mal Zeitausgleich – compenzação – nehmen. Das wird auch kein Problem sein, Tranqüile!
Heute Nachmittag rief mich Hélvio zu sich. (Nachdem er gestern geschäftlich in São Paulo war – das war der lässigste Tag aller Mitarbeiter, es wurde Kuchen bestellt, gemeinsam haben wir so eine Art Berliner mit Catupiry = Frischkäsefüllung gegessen.) Heute hatte Hélvio einen Doutorando und eine Mestranda – eine Masterstudentin – von der UFSC mit dabei, die mit mir gemeinsam etwas in Richtung CEP bei Zukaufteilen sowie Prozessrationalisierung in der Produktion machen sollen. CEP ist in Brasilien nicht nur die Abkürzung für Postleitzahl, sondern heißt auch controle estatístico de processo. Spezieller Gruß an Ilmenauer Studenten: Da habe ich jetzt also als Kollegen neuerdings einen Holm II. und eine Nadin II., zumindest auf den ersten Eindruck. Holm II. heißt Adrián und hat die Hosen an, Liliane hat bisher noch nicht so viel gesagt. Interessant ist, dass beide aus Argentinien bzw. Kolumbien kommen und ihre (oder vielmehr seine) erste Frage lautete: Sabes falar espanhol? – Ne, das vergesst man ganz schnell, ihr Spanjockels, ich hab schon mit Portugiesisch genug zu kämpfen.
Themenwechsel:
Franziska bittet darum, dass ich doch mal mehr als nur erwähnen solle, dass ich mir hier ein Hausmädchen leiste. Erwähnt habe ich es am 5. März, man möge es im Archiv nachschlagen. Interessant ist die Geschichte dennoch: Irgendwann um diese Zeit fragte mich Luiz, ob ich eigentlich meine Wäsche selbst machen wolle. Ich könne das machen, eine Waschmaschine stehe in einem Gartenschuppen, aber eigentlich wäre es doch verschwendete Zeit. Michelle und er hätten keine Lust dazu, und deswegen hätten sie Claudia eingestellt: Sie kommt jeden Dienstag- und Samstagmorgen, putzt, wäscht ab, wäscht und bügelt die roupas. Ich könne das selbst machen – aber ich könne auch Claudia 40 Reais im Monat in die Hand drücken. Nun, ich habe da nicht lange überlegt: Ich müsste mindestens zwei Stunden pro Woche investieren, hier schwitzt Mann um einiges mehr, macht acht Stunden im Monat, gegen den Lohn von etwa 12 Euro. Claudia. Ich denke, dass sie bei Luiz und Michelle und mir etwa mit 150-180 Reais rausgehen wird. Dann wird sie noch in der Woche bei anderen Leuten arbeiten (Hausmädchen werden übrigens per Mundpropaganda in der Nachbarschaft weitervermittelt – ein guter Leumund wird da einiges wert sein), ich kann mir vorstellen, dass Claudia durchaus auf ihre 800 Reais Monatsgehalt kommt – was 2,5 mal so viel wie der Mindestverdienst ist. Somit wird Claudia so schlecht nicht dastehen.
Es geht nämlich auch weit tiefer: Irgendwo haben wir mal erfahren, dass ein Dosensammler pro Kilo gesammelter Dosen 3 Reais vom Schrotthändler bekommt. Wenn Du auf der Straße mit einer Getränkedose, die es hier en masse gibt, herumläufst, hast Du garantiert bald einen an der Hand, der Dir die leere Lata abschwatzt. Soll er haben. Leider habe ich hier gerade weder eine Küchenwaage noch eine leere Dose zur Hand, aber die Dosen sind dünner ausgewalzt als wie sie es in Deutschland waren. Das heißt, der Kamerad muss ganz schön viele Mülleimer durchsuchen, bis er sein Kilo zusammengekratzt hat. Eine gefüllte Bierdose kostet etwa genauso viel.
Da haben wir es wieder: Alle Extreme liegen auf dichtestem Raum nebeneinander. Das sagt sich – implizit – auch die brasilianische Bundesregierung, die ein sehr schönes Markenlogo hat:


Brasilien – ein Land für alle

Um Armut und Hunger entgegenzutreten, gibt es das Programm fome zero (null Hunger)
Wobei die Wirkungen wohl maximal langfristig in Erscheinung treten werden.

Erkältet – und Rückstand aufgeholt

Seit gestern kenne ich einige neue Vokabeln aus dem Gesundheitsbereich: Doktor Luiz hat mir Vitamintabletten (comprimidos erfervescentes) und Polivitaminas verschrieben. Denn ich bin erkältet, com narriz entupido. Carlos geht es in Deutschland ähnlich, schreibt er: Saukalt, aber Heizung und WLAN in den Gebäuden. Beides gibt es hier nicht.
Dafür gibt es an dieser Stelle sozusagen eine Erfolgsmeldung: Ich habe in den letzten Wochen nach und nach alle Berichte aus der letzten Märzwoche und den ersten Aprilwochen aufgearbeitet, so dass die Indexseite für einige Tage alle Berichte seit Foz zeigen wird (und daher etwas länger lädt, um wirres umhersuchen zu vermeiden). Man muss quasi nur artikelweise von unten nach oben lesen, was schwierig genug ist.
Und mir ist heute wieder eingefallen, dass mein Provider eine eingebaute Seitenstatistik hat, auf die ich mal geschaut habe: Ich grüße alle fleißigen Praktikantenlesezirkel von den Hosts volkswagen.de, porsche.de und brose.de sowie diverse Auslandsstudenten in Prag (eri***.mk.cvut.cz), Norwegen (s***c.studby.ntnu.no), Riga, Namibia, Neuseeland, Mexiko und natürlich meinen Lieblingsserver brain.rz.tu-ilmenau.de
Eine weitere technische Neuerung: Mein Tagebuch lässt sich ab sofort auch mit einem Lesegerät für dynamische Lesezeichen (Site Feed) lesen. Dazu braucht man nur einen guten Webseitenbetrachter. Andere Leute ohne Internetanschluss bekommen mein Tagebuch sicherlich auch heute zu ihrem Geburtstag in gewohnter Form von meinem Vater ausgedruckt und per Post zugestellt-:) Dafür ganz herzlichen Dank.

Dia das Mães: Muttertag

Für Michelle habe ich eine Kiste Ferrero Rocher und Luiz kommt mit einem großen Blumenstrauß. Als ich um 7 Uhr aufstehe, ist er schon wach und schreibt an irgendeinem englischen Fachartikel. Kurz nach dem Frühstück treffen die ersten fleißigen Hände ein, die Obst und Gemüse schälen und den Churrascoofen in Gang setzen.


Terese und Alessandra schnippeln allerlei Gemüse

Das heutige Fest, erklärt Michelle, feiern alle Leute aus der Studentengemeinde, deren Eltern zu weit weg wohnen, als dass man sie übers Wochenende besuchen könnte. Karina aus Rio Grande de Sul, Hallthmann aus Pará an der Amazonasmündung, Cássia und Fábio aus Paraná, Studenten aus Minas Gerais und Maranhão – ein ganzer Kontinent in unserem Haus. Leonice feiert sozusagen ihren ersten Muttertag – sie ist jetzt fast im siebten Monat schwanger.
Etwa 35 Leute sind dabei, und es ist ein schönes Fest, es wird gebetet und gesungen, es gibt in Brasilien nämlich auch extra Lieder zum Muttertag. Dem reichhaltigen Buffet werden mitgebrachte Punddingcremen und andere Sobremesas hinterher geschoben, und dann folgen Gesellschaftsspiele wie Trivial Pursiut.


Es gab übrigens Feijoada, das hatte ich noch nicht erwähnt

Da komme ich aber beim besten Willen mit meinen Sprachkenntnissen nicht mit, und außerdem warten auch Muttern und Schwiegermuttern auf Anrufe, und so setze ich mich ans Skype, wo ich fast den ganzen Abend verbringe.


Matscher in Ilmenau, Matthias in München, Eric in Prag, MMG in Florianópolis