Vorstellungsgespräch = Entrevista

Heute haben wir trocar as aulas gemacht: Die WI-Jungs sind schon um 8 dran gewesen, da sie mit Forsti zu seinem Vorstellungsgespräch nach Blumenau wollten, und dorthin mit 200 Kilometern etwas weiter fahren mussten als ich, der ja nur mehr oder weniger in den Nachbarort muss. So konnte ich ein wenig ausschlafen und mich auf mein Vorstellungsgespräch vorbereiten. Dazu habe ich abwechselnd die portugiesische und die englische Version der Olsen-Homepage durchgearbeitet. Um 12 war dann Feierabend mit Portugiesischlernen, und ich bin mit dem Bus nach Palhoça gefahren. Leider hatte ich keine genaue Adresse, da das Unternehmen nur die Postfachadresse auf seiner Homepage angegeben hatte. In Palhoça angekommen, musste ich mich also durchfragen, und Palhoça hat 60.000 Einwohner. Irgendwann stellte sich heraus, dass Olsen wohl einige Kilometer entfernt im Industriegebiet liegt. Meine Rettung fand ich in einem Schreibwarenladen: Der Sohn der Ladenbesitzerin musste Papier in ein Unternehmen ins Industriegebiet ausliefern, und konnte mich mit dem Auto, einem uralten VW Brasileira, mitnehmen.
Bei Olsen habe ich dann am Empfang also auch als erstes nach einer Busverbindung nach Florianópolis gefragt, denn bisher war ich etwa zwei Stunden unterwegs gewesen. „Ja, gibt’s, Du darfst nur nicht den Fehler machen, in den Bus nach Palhoça zu steigen. Der Bus Richtung Jardim Eldorado hält hier um die Ecke, morgens und abends gibt es Direktverbindungen über die BR-101“. Die BR-101 ist die Küstenautobahn.
Nach einigem Warten kam dann auch Hélvio, mein Gesprächspartner, am Empfang an und führte mich durch den Showroom (dieses Wort existiert auch im Brasilianischen) der aktuellen Olsen-Produkte. Es gibt verschieden ausgestattete Zahnarztstühle, vom einfachen Modell bis zum Topmodell mit Rückenmassage für den Patienten. Weiterhin produziert das Unternehmen Stühle für Gynäkologen, für Halsnasenohrenärzte (in Brasilien ebenfalls ein Zungenbrecher: Otorrinolaringologista) und für Blutspender. Ebenfalls im Programm: ein mobiler, komplett mechanisch bedienter Zahnarztstuhl, den Olsen hauptsächlich an brasilianische Militär ausliefert. Danach ging es in die Abteilung Engenharia, in der ich arbeiten werde. Hélvio hat mir schon mal meine Mitpraktikanten vorgestellt: Simone studiert ebenfalls Engenharia de Produção, aber mit Vertiefung Bauingenieurwesen. An einem der vier SolidWorks-Arbeitsplätze sitzt Claudio, Engenharia Mecânica. Und dann gibt es noch Rodrigo, der Werkstoffwissenschaften (Engenharia de Materiais) studiert. Alle studieren wie auch ich an der UFSC.
Danach hat Hélvio leider eine Besprechung, aber stellt mich Giselli vor, die im Unternehmen für die Qualität verantwortlich ist. Sie macht mit mir einen kleinen Rundgang durch die Produktion, ich verstehe aber nicht wirklich viel. Wahrscheinlich sagt sie so etwas wie „Hier befindet sich die Lackierkabine“, wenn sie auf die Stelle deutet, wo unlackierte Teile reingehen und lackierte wieder herauskommen. Danach übe ich mit Giselli und Silvia, die für Arbeitssicherheit zuständig ist, noch erste Vokabeln der Komponenten von Zahnarztstühlen. Irgendwann kommt noch einmal Hélvio vorbei, sagt, dass er heute leider keine Zeit mehr für mich habe, er müsste noch einige Sachen vorbereiten, denn morgen käme wichtiger Besuch aus Deutschland, vom Motorenlieferanten Bosch. Und ob ich nicht Lust hätte, morgen wiederzukommen und beim Bosch-Besuch dabei zu sein? Dann sollte ich doch einfach am Vormittag gegen 11 Uhr wiederkommen.
Als ich dann im Bus saß, der auf dem Rückweg über unasphaltierte Straßen und durch Gebiete, die fast Slums sind, fährt, war ich dann doch ein bisschen niedergeschlagen: Weit ab vom Schuss, nichts verstanden, keiner hat Zeit für mich. Kann ja lustig werden.

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