Als wir aufwachen, ist das Wetter ziemlich schlecht in Cansasvieiras, so dass wir uns entscheiden, nicht baden zu gehen. Da bleibt man also gerne noch etwas länger im Bett. Als ich als erster aufstehe, sehe ich aus unserem dritten Stock, wie ein Zeitungsjunge auf dem Moped eine zusammengerollte Zeitung bei jedem Haus vor den Eingang wirft, in voller Fahrt und in hohem Bogen. Die Zeitung landet jedes Mal fast direkt vor der Eingangstür, und von der Straße bis zu den Häusern hat sie den Vorgarten von ca. 5 Metern überflogen. Respekt.
Als das Wetter nicht besser wird, brechen wir die Zelte in Casasvieiras ab und fahren mit dem Bus ins Zentrum von Florianópolis, das ich bis auf den lokalen Busbahnhof TICEN und die Rodoviária (Fernbusbahnhof) bisher nur vom Hörensagen kenne. Gegenüber des TICEN gibt es eine Markthalle, in der man günstig Klamotten und sonstigen Kleinkram kaufen kann, und einen Fischgroßmarkt. In ausreichender Distanz vom Fischgestank lassen wir uns in einer Lanchonette nieder und essen zu Mittag, leckere Burger mit asiatischem Einschlag.

Wir entdecken den großen Buchladen Livraria Catarinense, und den großen Baum im Zentrum. Danach versuchen wir noch die alte Hängebrücke, die Ponte Hercílio Luz, zu besichtigen. Diese ist aber aufgrund von Restaurationsarbeiten für einige Jahre gesperrt. Die Brücke ist mit einer Länge von 819 Metern die längste Hängebrücke Brasiliens und verbindet seit 1922 das Festland und die Ilha de Santa Catarina miteinander. Sie hatte aber nur zwei Fahrspuren, und daher verbinden seit etwa 25 Jahren zwei hässliche Betonbrücken mit insgesamt 8 Fahrspuren Florianópolis mit dem Kontinent. Ab Montag werde ich täglich darüber fahren.

Aus der Nähe und bei Tag betrachtet ist die Brücke leider in einem erbärmlichen Zustand…
Nach einer Runde Descansar am Nachmittag habe ich dann zum ersten Mal gesehen, dass bei meinen Gasteltern der Fernseher lief: Papst Johannes Paul II. war verstorben. Luiz hatte kurz zuvor aus Italien angerufen, dass sich schon Menschenmassen am Grabtuch in Turin versammelt hätten.
Abends haben wir uns am Beira-Mar Shopping Center getroffen, um den letzten gemeinsamen Abend in Florianópolis zu verbringen, und zwar im El Divino Club. Es war noch nichts los, so sind wir nach einer Zwischenstation in einem Billardcafé in der Bar vor der Disko gelandet, die aber auch zum Club gehörte. Da haben wir uns irgendwie fest gequatscht und nicht registriert, dass die Schlange draußen länger wurde. Nach endlosem Anstehen waren wir dann drin, aber es war wieder eine Disko, wie ich sie nicht brauche: Viel Eintritt, nur Techno, VIP-Bereich für die Wichtigtuer, also kein Hit.
Am Ende war dann großer Abschied angesagt, morgen gehen diverse Busse in den Norden von Santa Catarina…
