Von São José dos Campos in die Serra nach Campos do Jordão

Aussschlafen ist ne feine Sache. Und dennoch bin ich der erste, der wach ist. Alexandre ist schon zur Arbeit, und Patricia kauft für das Frühstück ein. Es wird, als alle eintrudeln, eine wahre Mahlzeit. Die ist auch notwendig, schließlich sind die Frauen in der Mehrheit, und so heißt das Programm für den Vormittag: Shopping Center. Zwar ist São José dos Campos mit etwa 600.000 Einwohnern größer als Florianópolis, dennoch muss man sagen: „Aqui não tem nada“ – Hier gibt es nichts. Außer diesem Shopping-Center. Während die Frauen in diversen Boutiquen einfallen, kaufe ich mir ein schönes Oberhemd im Renner (H&M à la Brasileira). Mittags essen wir in einem italienischen Restaurant. Mir fällt auf, dass der Verzicht auf Rodízio de Pizza ein Qualitätsmerkmal eines Restaurants darstellt, jene Lokalitäten leider nur von Einheimischen gefunden werden können. Dann gibt’s noch ein Cappuchino in einem Eiscafé, und als nach einer Stunde descansar auf den Abend zugeht, heißt es schon wieder: Sachen packen. Treffpunkt ist eine Tankstelle, wo wir uns mit Freunden von Patricia und Alexandre treffen, um das Wochenende gemeinsam in Campos do Jordão zu verbringen. Alexandre ist bereits mit dem Motorrad vorgefahren, und wir verteilen uns auf die Autos der Freunde: in einem Fiesta rauscht „Jappa“ im Kamikaze-Stil heran, der Nachfolger japanischer Einwanderer ist und den niemand Ricardo nennt. Seine Frau Lou, ein Bekannter namens Walter, und noch ein Pärchen, Mario und Katia. Silberne Autos scheinen im Staate São Paulo sehr modern zu sein. Über eine nagelneue Autobahn rauschen wir bis an die Füße der Berge, von dort aus führt eine gut ausgebaute Bundesstraße die Berge in die Serra (Sierra) hinauf. Wir fahren von Quasi-Meeresspiegel bis auf 1.600m altitude em cima do nível do mar, vorbei an einem Zeltlager der Landlosenbewegung (Movimento de Libertação dos sem terra), deren Mitglieder versuchen, Fazendas zu besetzen. Schließlich erreichen wir unsere Pousada in Campos do Jordão, und nicht nur wegen dem hiesigen Bier komme ich mir vor wie in Baden-Baden: es ist halt alles ein wenig teurer hier. Zahle ich im Hotel Hermann in Blumenau oder in der Pousada Schultz in Joinville etwa 20 Reais die Nacht, so sind es hier (zugegeben etwas komfortablere) 75 Reais. Tja, und auch ansonsten ist das hier ein ziemlich deutscher Wintersportort. Nur bisher ohne Schnee. Dafür gibt es Suppe, salsichas (Würstchen) und Fondue im Restaurant Baden-Baden, Bier der Marke „Baden Baden“, Plakate aus Baden-Baden, und Fachwerk. Wobei Werbeflächen auf Fachwerk natürlich einen höheren Quadratmeterwert als reines Fachwerk haben, aber was soll´s, ist eh kein historisches Fachwerk: Der ganze Stadtkern wurde etwa vor 20 Jahren hochgezogen. Wir trinken danach noch eine heiße Schokolade, betrachten die Weihnachtsbeleuchtung, und sehen Brasilianer in Mütze, Handschuhen und Schals. Gorro, Luvas e manta.


Katia und Milene sind zwei Friernasen

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