Hi,
1) ich habe seit gestern Abend einen Notebookstecker
2) Bilder und weitere Artikel folgen im Laufe des Tages oder morgen (sind da, bitte weiter unten schauen!)
3) ich habe Renato und andere Ilmenauer Studenten getroffen, die gerade in Floripa Urlaub machen und soll beste Grüsse ausrichten
4) Heute Abend fahren wir zu einem Fussbalspiel, 1. Liga, Floripa contre Rio
5) Mehr Infos bald…. auch zu den Themenparks
6) Muss jetzt zum Sprachkurs
Kurz nachdem ich diesen Eintrag verfasst hatte, bin ich zur Uni gefahren. Zumindest wollte ich das, denn als ich das Gartentor öffnete, ist mir Dusty entwischt und raus auf die Straße. Ich hinterher, da ist der Hund aber nur noch schneller geworden. Luiz war schon weg, aber Michelle war noch zu Hause, und so haben wir uns erst einmal daran gemacht, den orientierungslosen Hund wieder einzufangen. Dusty ist übrigens ein Deutscher Schäferhund, also ziemlich ausgewachsen. Durch die Straße, in der wir wohnen, faährt zwar nur alle 2-3 Minuten ein Auto, aber mit Straßenverkehr ist Dusty ist völlig überfordert gewesen, und die Autos mussten entsprechende Bremsmanöver einlegen. Nachdem Dusty dann 2-3 mal 500m nach rechts und 500m nach links die Straße runtergelaufen ist, aber jedes Mal am Grundstück vorbeigerannt ist, habe ich dann mein Fahrrad geschickt als Werkzeug eingesetzt: Als der Hund auf dem Bürgersteig ankam und am geöffneten Grundstückstor passieren wollte, habe ich das Fahrrad wie eine offene Tür schräg auf den Bürgersteig gestellt, so dass er eigentlich automatisch durchs Tor wieder aufs Grundstück finden müsste. So war mein Plan – und er funktionierte tatsächlich.
Dafür kam ich leider 20 Minuten zu spät zur Aula de português: Disculpe, Márcia! Estou atrasado!
So, und jetzt speziell für Uli und Ulf der Bericht zum Fußballspiel am Abend:
Vorspiel:
Wisst Ihr eingentlich, was ich in beinahe zwei Wochen Brasilien bis heute immer noch nicht betreten habe? Richtig: Den südamerikanischen Kontinent. Denn unser Umsteigepunkt, Rio’s Flughafen, liegt auf einer künstlichen Insel, und der Flughafen von Florianópolis, 80% der Stadt mit der Uni und meinem „Bairro“ Santa Mônica ebenfalls.
Das sollte sich heute ändern, denn das Estádio Orlando Scarpelli liegt im Stadtteil und damit sprichwörtlich auf dem Continente. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Carlos’s Elternhaus sind wir dann aufgebrochen, in der frohen Erwartung, jetzt die totale Fußballsambatrommlerlaolafeier zu erleben. Neben Carlos und uns sechs Ilmenauer Austauschstudenten hatten wir noch Christian und Kai im Gepäck, die auch in Ilmenau studieren und hier gerade mit Renato Urlaub machen. Auf dem Weg ins Stadion ging es schon gut los: Überall gab es in den Vorgärten und auf den Straßen mobile Würtchenstände, auf denen allerlei lecker duftendes Fleisch verkauft wurde: „Finger Weg, das ist Katzenfleisch“, meinte Carlos, ich hätt’s probiert, denn es roch tatsächlich gut. Von überall her strömten Fußballfans und Schlachtenbummler in Richtung Stadion, von dem es heißt, die Statik sei den stampfenden Massen nicht immer gewachsen, so dass man auf den Tribünen stehende Wellen erzeugen könne. Von diesen Gerüchten wollten wir uns natürlich selbst überzeugen, also hinein ins Weitenrund!
Der Gegner hieß leider nicht wie ich ursprünglich dachte, Rio, sondern Remo, und ist die Fußballmannschaft der Stadt Bélem im Norden Brasiliens. Und es war auch leider kein Erstligaspiel, sondern die Hinrunde im Brasilienpokal. Dennoch spielen beide Mannschaften in Brasiliens erster Liga, wenn sie nicht gerade um den Pokal spielen.
Langsam hat sich auch das Stadion etwa zur Hälfte gefüllt, und weder der Popcornverkäufer noch der „Refri-Agua“ (Erfrischungsgetränke und Wasser) werden müde, mit ihren Produkten durch die Sitzreihen auf der Tribüne zu ziehen und ihre Produkte lauthals zu vermarkten.
Das Gespann um den Schiedsrichter, seine beiden Linienrichter und der Mann, der die Auswechseltafel bedient, betritt das Spielfeld. Selbstverständlich unter dem Schutz von etwa 10 Bereitschaftspolizisten, die den mit ihren Schutzschildern Buhrufe und andere von den Zuschauertribünen zu erwartende Flanken abwehren sollen. Und dann ein Riesenapplaus: Die Mannschaften strömen aus den Kabinen. Ein Fanclub macht schon richtig Stimmung mit Trommeln, Hupen und heißen Rhythmen. Zu jedem Spieler der Figueirenses haben sie ein Lied, und die Spieler lassen sich natürlich feiern, oder geben noch Interviews auf dem Feld, als der Schiedsrichter schon den Anstoß anzeigt.
Das Spiel beginnt:
Der Ball ist im Spiel, und kaum sind 10 Sekunden vorbei, liegt einer der Spieler reglos auf dem Platz. Leider konnten wir nicht sehen was passiert war, aber es war halt eine Spielunterbrechung, der Spieler wurde auf einer Bahre abtransportiert und zu einem Krankenwagen getragen. Reporter waren natürlich auch auf dem Spielfeld, Interviews mit dem verletzten Spieler und dem Top-Scorer der Mannschaft sind immer gefragt.
Nach etwa 5 Minuten geht es weiter. Die Fans haben sich etwas beruhigt, nur der eine Fanclub macht noch Stimmung und tanzt wie wild durch die Reihen. An mitgebrachten Radiogeräten verfolgen die Zuschauer die Kommentare der Radiomoderatoren.
Dann wird es aber regelrecht ruhig und still auf den Tribünen und auch die Spieler bieten alles andere als guten Fußball, es geht irgendwie nichts ab. Keine Stimmung, miserable Flanken, kaum Torchancen, immerhin sind die Figueirenses meist im Ballbesitz, aber das war’s auch schon. Ab und zu gibt es Auswechslungen und verletzte Spieler, aber auf den Tribünen rührt sich niemand, um die Mannschaft anzufeuern. Niemand? Nein, einzig der kleine Haufen der Samba tanzenden Kollegen auf der anderen Seite macht Stimmung, aber der gemeine Torcedor (Fan) ist irgendwie gar nicht gut gelaunt: Er pfeift wenn etwas schief geht, und applaudiert nicht, wenn doch mal etwas gelingt. Fast zwei Halbzeiten lang geht das so, Figueirense hatte maximal 10 Torschüsse, und Remo die Hälfte – und verwandelten einen.

Freistoß für Figueirense
Die Leute von Remo hatten jedoch maximal 50 Fans mitgebracht, so überwiegten die Buhrufe der Figueirense-Fans gegen Schiedrichter, die eigene Mannschaft und überhaupt. Das Stadion leerte sich, irgendwann war das Spiel zu Ende und die richtigen Fans längst auf dem Weg nach Hause.
Ich werde mich erkundigen, wann es mal lohnt, dorthin zu gehen. Ingmar und Kai haben Fotos gemacht, vielleicht werde ich die noch bekommen…

Wow,
erste Liga Brasilien! Hat Floripa denn ne Chance?
Schieb mal das Ergebnis nach, und wie die Stimmung im Stadion ist.
Uli
Joi! Nimmst du mich mit zum Fussball?? Man hört ja immer tolle Sachen über brasilianischen Fussball – überfüllte Stadien, Hetzjagden auf den Schiedsrichter und absolut keine Bratwürste!!! Ich wünsch Dir trotzdem viel Spass – und poste mal den Spielbericht inclusiv Fotos!!!