Heute ist der erste Freitag, an dem ich mal produktiv gearbeitet habe, als dass ich nämlich die Vorgangsliste der Olsen-Projektplaung (man höre und staune, so etwas gibt es, wenn auch nur als Word-Tabelle) ins Dotproject übernommen habe. Die automatische Fortschrittsberechnung ist aber momentan noch mit Vorsicht zu genießen, da die Bengels keine Projektzeiterfassung haben und ich die Vorgangsgewichtung zunächst schätzen musste. Ich hoffe, dass wird sich dann beim Erzeugen der wöchentlichen Forstschrittsmarken und Arbeitsaufwandserfassungen einpendeln. Ob das Tool zur Kostenerfassung hier jemals benötigt wird, steht in den Sternen.
Aber was soll’s, heute Abend ist ja dicke Party: Da der 1. Mai auf einen Sonntag fällt, feiert man in diesem Jahr nach der Arbeit den Tag der Arbeit. Alles wird vom Mitarbeiterverein AFO, Associação das Funcionários da Olsen, organisiert, der sich über kleine Mitgliedsbeiträge und den Verkauf der Metallspäne finanziert. Silvia hat schon seit Tagen nichts anderes zu tun. Es gibt ein Bocha- (Boccia, oder Boule) und ein Sinuca- (brasilianische Schreibweise für Snooker, Billard) Turnier. Sowie natürlich Churrasco bis zum Umwinken, eine Tombola und das Highlight des Abends: Ein Auftritt der Mitarbeiterband „Olsen Boys“, wo viele Kollegen, gleichermaßen aus der Werkstatt und dem Büro, mitspielen und die Stimmungsschlager à la „Blowin’ in the wind“ und aktuelle brasilianische Lieder spielen. Die Instrumente werden übrigens gestellt, und die Band tritt auch bei lokalen Festivitäten, Kirchfesten, etc. auf.
Das Volleyballturnier musste wegen schlechtem Wetters leider ausfallen, dafür hat Kollege Marcos das Bochaturnier gewonnen – an seinem Geburtstag.

Später am Abend hat sich auch noch Jones ans Schlagzeug gesetzt, und mir erzählt, dass er in seiner Jugend langhaarig mit einer Band durch halb Santa Catarina getourt sei. Personalleiter Névio (heute nur noch wenig Kopfhaar) erzählt mir stolz, er und fast alle Leute von Olsen hätten in den ersten Jahren lange Haare gehabt.
Da Claudio, immer noch wegen Stress mit der Freundin, heute zu seinen Eltern nach Lages in Zentral-Santa Catarina gefahren ist, haben Rodrigo, Jones und ich bei Márcio, dem Chef des Rechnungswesens, Carona genommen. Er hat einen Peugeot (sehr teuer in Brasilien) und wir sind mit in Rekordgeschwindigkeit über die Küstenautobahn, die Zubringerautobahn nach Floripa und die Beira-Mar bis nach Santa Mônica gebraust. Márcio wohnt in Corrego Grande, das liegt auf dem Weg.

Die Olsen Boys
