Nachdem wir eine Woche lang per Mail diskutiert hatten, was wir denn Vera eigentlich zum Abschied schenken könnten, ist uns auf dem Weg zum Bus heute eingefallen, dass bei mir ja noch eine Kuchenform aus Veras Haushalt lagert. Die könnte man doch gefüllt zurückbringen, man hätte gleich was zum mitbringen für die Party – perfekt. Doch erst mal mussten wir vom TICEN zum verabredeten Ort für das Anschauen des Fußballspiels kommen. Markus und Márcia nahmen uns nach Campeche mit, wo wir mit einigen Eletrosul-Kollegen von Markus verabredet waren. Auch Anne und Ingmar treffen wir wieder, zum ersten Mal seit fast drei Monaten waren so alle deutschen Studenten wieder zusammen! In Campeche ist bekanntlich der Landeplatz des kleinen Prinzen von Antoine Saint-Exupéry. Der französische Kinderbuchautor ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig hier mit seinem Postflugzeug am Strand gelandet. Daher heißt die einzige Straße, die auf den Strand zuführt, auch Avenida do Pequeno Príncipe, und genau dort lassen wir uns in einem Restaurant nieder, welches irgendwie nur Fischgerichte serviert. Ein X-Salada für mich wird dann einfach schnell aus dem Nachbarlokal organisiert, und das Halbfinale im Copa das Confederações kann beginnnen: Deutschland spielt gut, aber Brasilien besser, so dass wir zum Unglauben der anderen brasilianischen Gäste nur zweimal von den Bänken springen, während alle anderen im Lokal dreimal jubeln dürfen.

Die Deutschen in der Mehrheit, die Kollegen von Eletrosul in der Minderheit. Brasil hat trotzdem gewonnen.
Nach einem Strandspaziergang entdecken wir bei einem Straßenverkäufer noch eine zuvor vieldiskutierte Kette für Vera, so dass auch das Thema jetzt zu den Akten gelegt werden kann – oder zumindest erst einmal um den Hals von Steve.
Zurück im Heimatbairro Santa Mônica sind Steve, Christian und ich noch in den Angeloni, und haben diverse Kuchenzutaten samt Schokoglasur eingekauft. Tja, ich hatte noch Lust auf Maracujá-Pudding, und eine Muffin-Backmischung sowie billiger Wein zum Glühwein Kochen fand auch noch den Weg in unseren Einkaufskorb.

Steve, Christian und ich haben bei uns in der Küche den kompletten Nachmittag noch ein wenig gezaubert.
Bei mir zu Hause haben wir uns dann mal an den Teig gestürzt. Auch für Verkleidung ist gesorgt: Ein Karohemd muss sein, und ein Strohhut hat Christian für jeden aus Blumenau mitgebracht (Kostenpunkt: 1 Real, kaum zu glauben). Kurz nach acht waren wir fertig, Luiz und Michelle sind auch eingeladen – schließlich feiert Vera heute ein Festa Junina, weil sie in ihrer ersten Woche in Brasilien vor einem Jahr von Cássia zu einem Festa Junina geschleppt wurde – bei Luiz und Michelle. Michelle hat heute leider viel Arbeit, aber Luiz kommt mit – und fährt uns noch an einem Kiosk vorbei, um typische Mitbringsel zu einem Festa Junina einzukaufen: Erdnussbrot (Pé de Moleque, wörtlich Lausbubenfuß) und Amendoim (zu kleinen Zylindern „gesintertes“ Erdnusspulver). Bei Vera angekommen war schon die gesamte Wohnung dekoriert, und wir waren ausnahmsweise mal nicht die ersten Gäste. Eigentlich trudelten im Laufe des Abends fast alle Leute ein, die ich so in Brasilien kenne (außer meinen Arbeitskollegen und den Leuten aus der Studentengemeinde): Rika und Takuya, Anna, Tatiana und Milene, Cássia, 2x Márcia, die Kandidaten für den neuen Austausch nach Deutschland (Marcela, Carla, Fábio und Leandro), Wagner, alle möglichen Freunde und Verwandte von Veras Gasteltern, …).

MMG, Steve, Christian, Vera Monitora Embora, Sebastian

Gastvater Delmo führt seine Vera zum Traualtar

Marcela und Carla sind zwei der Unibral-Kandidatinnen für Ilmenau 2006
Bei einem Festa Junina (übrigens ein Sonnenwendefest) wird immer viel getanzt – sozusagen der Karneval des Winters aus dem Interior, aus der Provinz. So gab es Forró, Samba und weitere Schritte, die ich schon wieder vergessen habe. Außerdem gibt es traditionell ein Lagerfeuer (auf einem Dachbalkon schlecht möglich) und eine Hochzeit. Vera und Sebastian wurden hier durch Gastbruder Eduardo verheiratet. Später am Abend haben wir noch einen weiteren Deutschen, Karsten, kennen gelernt. Er studiert Biologie in Freiburg und wird Ende Juli aus seinem Strandhaus an der Praia Joaquina ausziehen – Steve und Christian sind daran interessiert, in seine Wohnung einzuziehen.

Karsten hat ein cooles T-Shirt: Tomme Cachaça. Und ich habe einen künstlichen Bart
