Florianópolis

Bem-vindo em Floripa! = Herzlich Willkommen in Florianópolis!

Ja, wir sind alle gut angekommen. Auch wenn das mit dem Flug von Rio nach Floripa etwas problematisch war, weil: cancelado. Grund war auf Nachfrage: „Organisationelle Probleme.“ Das glaube ich nicht unbedingt, denn es wollten nur 7 Leute nach Florianópolis, und dafür wäre die Boeing wohl ein bisschen teuer gewesen, so dass wir einfach in einen späteren Flug eingebucht wurden. Resultat: Zwei zusätzliche Stunden am Flughafen von Rio, wo irgendwie gar nichts los war.

Schließlich kamen wir dann in Florianópolis an, wo uns Vera erwartete, mit ein paar Brasilianern. Koffer und Personen wurden auf zwei Autos verteilt und ab gings in die Stadt, erst einmal zu Cássia, der Uni-Mitarbeiterin, die fast alles organisiert. Bei Ihr zu Hause gab es Mittagessen, und unsere Gasteltern haben uns abgeholt.
Meine Gasteltern sind Luiz und Michelle, die ein Einfamilienhaus in Santa Mônica (ein Stadtteil von Florianópolis) bewohnen, zusammen mit einem großen Schäferhund namens Dusty.
Kinder haben sie nicht, ich wohne im Gaestezimmer mit eigener Dusche und Toilette, und es heißt: Der Kühlschrank (com bebidas bem geladas = mit gekühlten Getränken) ist fuer alle da.

Michelle und Liuz

Viel mehr habe ich nicht mehr mitbekommen, denn dann habe ich mich erst einmal schlafen gelegt. Danach habe ich gelernt, dass „tomar um banho“ auf Brasilianisch „duschen“ heisst, im Gegensatz zum Portugiesischen, wo es „tomar um douche“ heisst. Und einen Schlüssel sowie eine Einweisung in die Bedienung der Hausarlarmanlage habe ich bekommen mit der Maßgabe: Bleib so lange wie Du Lust hast, Du weißt ja wo alles ist und wie der Alarm funktioniert.
Danach bin ich mit dem Fahrrad (das mir Luiz und Michelle zur Verfuegung stellen) in den etwa 1km entfernten Stadtteil Trindade geradelt, wo sich die Uni befindet. Diese heisst „Universidade Federal de Santa Catarina“, abgekuerzt UFSC, gesprochen „Ufski“. Man beachte das „i“, welches omnipraäent ist: Internetschi und Bushi.
In der UFSC haben wir uns in Cássias Büro mit der Sprachlehrerin Márcia getroffen, die einen Einstufungstest gemacht hat. Wir sollten einfach ein bisschen auf Portugiesisch erzählen, was uns nach Brasilien treibt, was wir studieren, welche Sprachen wir noch sprechen, welche Zeitformen wir schon gelernt haben usw.
Wir haben uns für die Kurse verabredet, die am Montag beginnen werden und haben uns den Kursraum zeigen lassen.

Langsam wurde es „escuro“ draussen, es war ja auch schon halb 8 abends, also ab mit Vera zum Churrasco bei ihren Gasteltern. Und das war seeeehr genial: muito bom. Der Gastvater und Veras Freund (Sebastian von der TU Dresden) haben Hühnerherzen, halbe Rinder und Würstchen aufgespießt und so langsam kamen auch die ersten Gäste, es wurden mindestens 25. Die andere Mitbewohnerin dort, eine Japanerin, feierte ihren Abschied, denn sie musste am nächsten Tag zurueckfliegen, wir wurden begrüßt, und Vera Gastmutter verriet uns: Ihr Mann Delmo mache einfach gern Churrasco, und er macht es eh jeden Sexta-feira (Freitag), da kommt dann halt irgendwie jeder mal vorbei: Jetzt kenne ich Studenten aus allen Teilen Brasiliens, aus Chile, Oesterreich, Holândia, und sowieso.
Ich weiss nun um die beiden konkurrierenden Fußballklubs in Floripa, und dass man Würstenstücke in Maniokmehl taucht und dann isst, und dass Hühnerherzen zart und würzig schmecken.

Irgendwann um 12 war ich dann ziemlich müde, bin mit dem Fahrrad heim und das größte Problem hieß Dusty, lief hinter dem Grundstueckstor frei herum und war lauter als mögliche Geräusche einer Alarmanlage, als ich mich nur dem Tor näherte. Wie sollte ich die Meter zum Haus überwinden, ohne meine Gasteltern zu wecken und ohne von einem Hund, der mir bis zur Huefte geht, zerfleischt zu werden?
Zunaechst habe ich das Tor aufgeschlossen. Riesengebrüll. Aufschieben wagte ich nicht. Aber der Hund machte auch Krach, als Passanten oder Autos vorbeifuhren und -gingen. Na ja, nicht sooo schlimm also. Tor aufschieben, nur ein bisschen, dass der Hund nicht nach draußen fassen kann. Vorsichtig mit dem Vorderreifen des Fahrrades auf das heimatliche Grundstück vorgetastet. Freundlicheres Gebelle. Okay, scheint alles in Ordnung so weit, das Fahhrad kennt er ja auch. Langsam habe ich meinen Fuß aufs Grundstück gesetzt und durch den Torspalt geschoben. Das war alles ohne Probleme möglich. Das Tor habe ich ganz geöffnet, bin aber zuerst noch auf der Straße geblieben – wer weiß, vielleicht traut sich der Hund nicht raus. Das traute er sich – aber blieb freundlich. Ich also langsam aufs Grundstueck, und was macht der blöde Hund? Läuft durch das offene Tor auf die Straße und ist schon 10 m weg. Ich verliere meine Angst und taste mich zur Haustür vor uns schließe auf. Aber was soll jetzt mit dem Hund geschehen, und mit dem offenen Tor? Der Hund kam, legte sich vor mich nieder, ich machte in aller Ruhe das Tor zu – Puh, halb so wild.

Schlaf. Das war Tag 1 in Brasilien.

letzter Tagebucheintrag aus Deutschland

Heute fliege ich, sozusagen.
Franziska hat Geburtstag und zu ihrem nächsten Geburtstag plane ich in Finnland zu sein.
Mittags werden wir nach Frankfurt aufbrechen. Mein Koffer bringt es zur Zeit auf 17,5 kg von 20 erlaubten, da ist also noch etwas Luft.

Meine nächsten Termine lauten: Fr, 17:00 Sprachtest an der Uni, 19:00 Grillen bei Vera (eine Kommilitonin, die schon seit einem halben Jahr in Brasilien ist). Wohlgemerkt Ortszeit Florianópolis, was 4 Stunden hinter deutscher Zeit liegt. Daher auch die komischen Uhrzeiten hier unter jedem Tagebucheintrag, denn die sind auch auf brasilianische Zeit eingestellt.
Und dank meinem Interrail-Partner Uli kann man unter jedem Tagebucheintrag jetzt auch Kommentare loswerden:

letzte Vorbereitungen

In Osnabrück schneit es – viel für Osnabrücker Verhältnisse, mäßig für Thüringer Standards.
Aber das ist auch das einzige, was noch dazwischen kommen kann: Mein Visum ist da, die letzte Hepatitisimpfung ist drin, und überhaupt kann mich jetzt nicht mehr sooo viel aufhalten.

Außerdem treffen hier diverse Anfragen ein, was ich denn alles so aus Brasilien mitzubringen habe: Muscheln, Münzen und vieeeel Sonnenschein (letzteres wünschen sich die Osnabrücker).