{"id":59,"date":"2005-09-23T12:18:00","date_gmt":"2005-09-23T12:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=59"},"modified":"2019-04-21T12:56:14","modified_gmt":"2019-04-21T12:56:14","slug":"firmenbesichtigung-bei-labelectron","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=59","title":{"rendered":"Firmenbesichtigung bei LABelectron"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber den Kontakt von Prof. Schneider, der \u00fcber das <a href=\"http:\/\/www.iw-thueringen.de\/\">Institut der Wirtschaft Th\u00fcringens (IWT)<\/a> Entwicklungsbeziehungen nach Brasilien h\u00e4lt, sind wir heute von der privaten brasilianischen Forschungsstiftung <a href=\"http:\/\/www.certi.org.br\/\">CERTI<\/a> (etwa wie das Fraunhofer-Institut in Deutschland) zu einer Firmenbesichtigung einer Produktionsanlage f\u00fcr Halbleiterplatten eingeladen.<br \/>Das ganze nennt sich <a href=\"http:\/\/www.labelectron.org.br\/\">LABelectron<\/a> und befindet sich auf der Kontinentseite von Florian\u00f3polis. Dort angekommen, erkl\u00e4ren uns Ingenieur Mario und Innovationsdirektor G\u00fcnther Pfeiffer, halb auf Deutsch, halb auf Portugiesisch, die Geschichte von CERTI und des LABelectron: CERTI wurde brasilienweit bekannt als der Entwickler der elektronischen Wahlurne. In Brasilien herrscht Wahlpflicht, und zur Vorbeugung von Korruption und Wahlbetrug werden Wahlen schon seit vielen Jahren an einem elektronischen System durchgef\u00fchrt. Diese elektronischen Wahlurnen m\u00fcssen auch das letzte Indio-V\u00f6lkchen im Urwald erreichen, auf Pferden durch Fl\u00fcsse transportiert werden, mit Batterien arbeiten, wo es keinen Strom gibt, kurz: widrige Bedingungen aushalten, wie wir sie ja nun aus dem Pantanal kennen.<br \/>Seit einigen Jahren widmet man sich Untersuchungen im Bereich Klein- und Mittelserienproduktion bei der Fertigung von Technologiekomponenten. Man spezialisiert sich auf Platinenbest\u00fcckmaschinen, wo der Unterschied zwischen Zykluszeit und Maschinenr\u00fcstzeit besonders krass ausf\u00e4llt, und Kleinserien zun\u00e4chst wenig sinnvoll erscheinen. Aus Deutschland hatte G\u00fcnther Pfeiffer Eindr\u00fccke aus der Uni Magdeburg mitgenommen, wo jedoch die teuren Maschinen nur zu Testzwecken mal einzelne Serien durchliefen, damit jedoch nur zu etwa 25% ausgelastet waren und somit h\u00e4ufig ungenutzt herumstanden. Etwa zur gleichen Zeit schlie\u00dft die Firma Alcatel in Brasilien eine Produktionsanlage, da sie ihre Produkte nur noch fremdfertigen l\u00e4sst. So kommt man auf die Idee, die noch recht neuen Anlagen von Alcatel im Standort Florian\u00f3polis wieder aufzubauen, das LABelectron wird geboren. Als dritten Partner gewinnt man die auf Platinenfertigung spezialisierte Firma Megaflex Sul aus S\u00e3o Paulo, die 75% der Produktionskapazit\u00e4t f\u00fcr ihren wirtschaftlichen Gesch\u00e4ftsbetrieb nutzt, w\u00e4hrend nur 25% f\u00fcr reine Forschungs- und Schulungst\u00e4tigkeiten zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ganseforth.net\/brasil\/org-labelectron.gif\" \/><br \/><span style=\"font-style: italic;\">Aufbau des LABelectron<\/span><\/p>\n<p>Die Mitarbeiter werden jedoch zu 100% von Megaflex gestellt. Erkenntnisse aus der Produktionsdatenerfassung w\u00e4hrend der Serienproduktion stehen jedoch stets auch f\u00fcr Forschungszwecke zur Verf\u00fcgung, \u201edie Probleme treten halt im Stress der Serienproduktion auf, wenn schnelles Umr\u00fcsten erforderlich ist. Da hilft es auch in der Forschung wenig, nur eine Serie zu fahren!\u201c erl\u00e4utert Herr Pfeiffer.<br \/>Dann verteilt Mario einige Antistatikb\u00e4nder, die wir an unsere Schuhe heften, und hinein geht es in die Produktionsanlage. Zun\u00e4chst gibt es eine Maschine zur Prototypenproduktion von Platinen, insbesondere zum Fr\u00e4sen von Platinenschablonen. Zwei weitere Linien enthalten Best\u00fcckmaschinen unterschiedlicher Generationen: eine Maschine arbeitet mit der PTH-Methode (Plated through Hole), wo die F\u00fc\u00dfchen der Komponenten durch Platinenbohrungen hindurch gesteckt und auf der R\u00fcckseite verl\u00f6tet werden. Eine weitere, neuere Best\u00fcckungsmaschine arbeitet mit der Surface Mounting Technology (SMT), hier werden die Bauteile direkt auf den L\u00f6tbahnen der Platine montiert.<br \/>Nach der F\u00fchrung durch die Produktion, G\u00fcnter Pfeiffer hat schon mehrmals von Portugiesisch auf Deutsch gewechselt, und umgekehrt, hei\u00dft es dann: \u201eVamos tomar um Caf\u00e9!\u201c Apropos Kaffee, da taut er auf. Denn Kaffee war in den achtziger Jahren der Grund f\u00fcr eine enge Forschungszusammenarbeit zwischen Brasilien und der DDR. Alles lief \u00fcber Tauschgesch\u00e4fte, denn beiden L\u00e4ndern fehlte es an konvertierbaren W\u00e4hrungen. Brasilien lieferte Kaffee, und die DDR optoelektronische Ger\u00e4te von Carl Zeiss Jena. Und einen regen wissenschaftlichen Austausch habe es gegeben, insbesondere von Doktoranden und Habilitanden. \u201eO H\u00f6hne ficou anos\u201c \u2013 Unser heutige Prof. H\u00f6hne blieb \u00fcber Jahre, wahrscheinlich die angenehmste Art, sich dem DDR-Regime zu entziehen. \u201eUnd da gab es noch ein Technikum in Suhl, mit einem Herrn Lin\u00df.\u201c Und Prof. Schneider? Den habe er erst in letzter Zeit kennen gelernt, als dieser schon als Direktor des IWT war. Santa Catarina und Th\u00fcringen verbinde schlie\u00dflich viel, meint Herr Pfeiffer: Viel Wald, Holzindustrie und neue Technologien.<br \/>Wir verabschieden uns mit vielen neuen Eindr\u00fccken aus dem Labelectron, die \u00fcbrigens durchaus an Praktikanten, haupts\u00e4chlich aus dem Bereich Schaltungstechnik, interessiert sind.<br \/>Als wir nach Hause kommen, ist der K\u00fchlschrank von der Wand abger\u00fcckt worden. Nach erster Untersuchung stellt sich heraus, dass jedoch kein technischer Defekt vorliegt, und der K\u00fchlschrank einwandfrei funktioniert. Des R\u00e4tsels L\u00f6sung: Gastbruder Eduardo hat mal wieder seinen Schl\u00fcssel verloren, und wurde in der Wohnung eingesperrt. Hinter dem K\u00fchlschrank befindet sich eine weitere T\u00fcr auf den Flur (man k\u00f6nnte die Wohnung offenbar in zwei Wohnungen teilen), durch die er raus ist. Seltsam.<br \/>Abends ist noch der letzte Vortrag der Semana da Produ\u00e7\u00e3o. Franziska macht descansar, aber ich will mir den Vortrag von Petrobras, immerhin Brasiliens gr\u00f6\u00dftes Unternehmen, nicht entgehen lassen. Leider verf\u00fcgt die Vortragende noch nicht \u00fcber besonders viel Redeerfahrung, so dass ich 20 Minuten sp\u00e4ter drau\u00dfen mit einigen Studenten zum Labern stehe.<br \/>Danach wollten wir dann eigentlich bei Forsti und Steve im Strandhaus Grillen. Das haben die anderen dann auch gemacht, ich war allerdings zu m\u00fcde und bin zu Hause geblieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Kontakt von Prof. Schneider, der \u00fcber das Institut der Wirtschaft Th\u00fcringens (IWT) Entwicklungsbeziehungen nach Brasilien h\u00e4lt, sind wir heute von der privaten brasilianischen Forschungsstiftung CERTI (etwa wie das Fraunhofer-Institut in Deutschland) zu einer Firmenbesichtigung einer Produktionsanlage f\u00fcr Halbleiterplatten eingeladen.Das ganze nennt sich LABelectron und befindet sich auf der Kontinentseite von Florian\u00f3polis. 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