{"id":36,"date":"2005-10-17T11:14:00","date_gmt":"2005-10-17T11:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=36"},"modified":"2019-04-21T12:56:16","modified_gmt":"2019-04-21T12:56:16","slug":"interview-mit-cesar-olsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=36","title":{"rendered":"Interview mit Cesar Olsen"},"content":{"rendered":"<p>Morgens um 8:30 Uhr nehmen wir den Bus vom TICEN zum Jardim Eldorado, schlie\u00dflich sind wir heute mit Cesar Olsen zum Interview verabredet. Er hat sich wirklich Zeit f\u00fcr uns genommen, und berichtet ausf\u00fchrlich \u00fcber die ersten Jahre als Unternehmensgr\u00fcnder, Wachstumsphasen des Unternehmens sowie alte und aktuelle Herausforderungen:<br \/>Im Alter von 16 Jahren starb sein Vater, und er machte eine Ausbildung als Dreher. Nachdem er dreimal durch die Aufnahmepr\u00fcfungen an der UFSC und an der UDESC f\u00fcr BWL und Wirtschaftsingenieurwesen gefallen war, arbeitete er zun\u00e4chst bei einem Designb\u00fcro in Blumenau, wo er von einem Descendete alem\u00e3o (Nachfahrer deutscher Einwanderer) auch eine Ausbildung darin bekam, was Kunden w\u00fcnschen, aber in Brasilien zu diesem Zeitpunkt schwer zu bekommen war: Produktqualit\u00e4t, Kundenservice und Liefertreue \u2013 bis heute wichtige Elemente bei Olsen. Auf die Frage, warum er ausgerechnet Zahnarztst\u00fchle herstelle, antwortet er: \u201eFaltam outras op\u00e7\u00f5es\u201c \u2013 Es fehlten andere Optionen. Aha. Wir fragen, welche Zutaten ein Unternehmer brauche, um ein Gesch\u00e4ft zu er\u00f6ffnen: Geld, Ideen, Motivation oder Kundenstamm? Er sagt: Ideen sind das wichtigste, Geld nur das unwichtigste, denn: \u201eDinheiro (Geld) \u00e9 uma conseq\u00fc\u00eancia.\u201c<br \/>Auf historische Herausforderungen angesprochen, nennt er das \u201eSich organisieren\u201c: Buchhaltung sowie die strikte Trennung von Privat und Gesch\u00e4ft. Au\u00dferdem sei es in der Anfangszeit schwierig gewesen, f\u00e4hige Mitarbeiter einzustellen. Heutige Herausforderungen sind vom Unternehmen abgeschlossene Sozialversicherungen des Unternehmens, das das staatliche Sozialversicherungssystem den Anspr\u00fcchen keinesfalls gen\u00fcge. So habe man Vertr\u00e4ge mit \u00c4rzten und Krankenh\u00e4usern abgeschlossen.<br \/>Entscheidend f\u00fcr den Erfolg auf den Exportm\u00e4rkten ist der Kurs des US-Dollars: Sinkt der Wechselkurs (der Real sei noch immer eine Spekulationsw\u00e4hrung), steigt der Preis in Dollar, die Nachfrage sinkt.<br \/>Ein n\u00e4chster Vergleich f\u00fchrte uns zu historischen und heutigen Finanzierungsquellen. Am Anfang hatte er weder Geld noch andere Sach- oder Betriebsmittel, so dass alles verdiente Geld sofort wieder ins Unternehmen floss und reinvestiert wurde. Erst seit einigen Jahren laufe das Gesch\u00e4ft so gut, dass mehr \u00fcbrig bleibe. Dennoch bleibe Reinivestimento bis heute die bevorzugte Finanzierungsform, Olsen sei zu beinahe 100% eigenkapitalfinanziert. Ausnahme sei das Leasing von Maschinen.<br \/>Er berichtet weiter \u00fcber die innere Organisation des Unternehmens mit der extrem flachen Hierarchie und den kurzen Wegen. Sowie von einer interessanten Tatsache: \u201eN\u00e3o consigo trabalhar em grupos.\u201c \u2013 Ein Teamplayer sei er nicht. Daf\u00fcr habe er die Abteilungsleiter, und f\u00fcr einen Unternehmer sei das auch nicht so sehr erforderlich, dieser m\u00fcsse eh unabh\u00e4ngig von der Meinung anderer entscheiden. So sieht das \u00fcbrigens auch Prof. \u00c1lvaro, der einmal sagte: \u201eO Empreendedor tem que ser o dono do seu nariz.\u201c \u2013 Der Unternehmer muss Eigent\u00fcmer seiner Nase sein.<br \/>Zum Schluss erz\u00e4hlt Sr. Cesar noch einige Anekd\u00f6tchen, z.B. seine Meinung \u00fcber Marktforschung: \u201eDa wird gefragt was der Kunde will, dann analysiert, dann ein Produkt eintwickelt, was vielleicht nicht allen entspricht, es geht viel Zeit ins Land. Und wenn das Produkt dann auf den Markt kommt, haben sich die Kundenw\u00fcnsche ge\u00e4ndert.\u201c Seine Strategie daher: der \u00dcberraschungseffekt bei der Markteinf\u00fchrung innovativer Produkte.<br \/>Zum Schluss fragen wir noch, wie er die Unternehmensnachfolge regeln wird. Er hat drei erwachsene Kinder. Die \u00e4lteste, Roberta Olsen, studiert BWL und Design, und tritt schon etwas in die Fu\u00dfstapfen ihres Vaters: \u201eIch unterst\u00fctze meine Kinder, wo ich kann, Dieses Unternehmen ist die Verwirklichung meines Traumes \u2013 aber den m\u00f6chte ich meinen Kindern nicht aufzwingen!\u201c Deswegen wird er sie dabei unterst\u00fctzen, ihre Tr\u00e4ume zu verwirklichen, keinesfalls aber zwingen, ihm in der Unternehmensleitung zu folgen.<br \/>Nach dem Interview, wir bedanken uns ganz herzlich f\u00fcr seine guten Ratschl\u00e4ge, k\u00f6nnen wir Olsen nat\u00fcrlich nicht so schnell verlassen, ohne der Abteilung Engenharia und Helvio einen Besuch abzustatten. Helvio ist bester Laune, und erkundigt sich als erstes, ob wir auch gen\u00fcgend herumreisen w\u00fcrden, jetzt wo das Praktikum vorbei sei. Auf dem Oktoberfest w\u00e4ren wir doch sicher schon gewesen?<br \/>Er hat eine neue Maschine zum Plasmaschneiden gekauft, und pr\u00e4sentiert die Teile: so m\u00fcssen nicht mehr alle Teile zeitaufw\u00e4ndig mechanisch gestanzt werden, und durch das \u201eZusammenpuzzlen\u201c der diagonal zugeschnittenen Teile auf der gr\u00f6\u00dferen Arbeitsfl\u00e4che reduziere sich der Verschnitt erheblich. Und noch eine gute Nachricht hat er: Er hat die Bewerbungen der Deutschen f\u00fcr 2006 gelesen, und sich schon seinen Kandidaten rausgesucht.<br \/>Zu Mittag sind wir zur\u00fcck in Floripa, und begeben uns wieder an das PCP-Spiel, wo wir zuvor entnervt aufgegeben hatten. Das Spiel bleibt schei\u00dfe, und nach den sechs Perioden, die wir simulieren sollten, ist der Gewinn nach zwischenzeitlichen Verlusten immerhin wieder positiv.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens um 8:30 Uhr nehmen wir den Bus vom TICEN zum Jardim Eldorado, schlie\u00dflich sind wir heute mit Cesar Olsen zum Interview verabredet. 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