{"id":236,"date":"2005-03-07T01:45:00","date_gmt":"2005-03-07T01:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=236"},"modified":"2019-04-21T20:24:15","modified_gmt":"2019-04-21T20:24:15","slug":"santo-antonio-de-lisboa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=236","title":{"rendered":"Santo Ant\u00f4nio de Lisboa"},"content":{"rendered":"<blockquote style=\"font-style: italic;\"><p>Dieser Artikel lag lange auf meinem Notebook und wird leider erst jetzt ver\u00f6ffentlicht:<\/p><\/blockquote>\n<p>Heute bin ich wieder recht fr\u00fch aufgestanden. Unter der Dusche habe ich beschlossen, dass ich neben Tagebucheintr\u00e4gen auch mal &#8222;Themenparks&#8220; machen m\u00fcsste, z.B. \u00fcber Autotypen in Brasilien, \u00fcber Dialekte (Sotaques), und halt \u00fcber die Vorteile von brasilianischen Duschbrausen mit elektrischem Durchlauferhitzer. Die sind n\u00e4mlich echt muito bom.<br \/>\nDazu werde ich in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen sicherlich noch etwas schreiben.<br \/>\nGeschrieben habe ich dann jedoch zuerst mal weiter am Tagebuch, es war noch niemand aufgestanden und der PC war frei, so dass ich mal eine Zusammenfassung vom Samstag begonnen habe. Irgendwann um 10 haben wir dann zusammen ausgiebig gefr\u00fchst\u00fcckt: P\u00e3o franc\u00eas sind Br\u00f6tchen, die wie die Aufbackbr\u00f6tchen aus dem Aldi\/Kaufland aus Baguetteteig sind. P\u00e3o de quejo ist eine Spezialit\u00e4t aus Minas Gerais, winzige K\u00e4sebr\u00f6tchen, welche man mit einem Happen essen kann. Als Brotaufstrich steht neben quejo und presunto (=Schinken) auch eine Art K\u00e4sequark namens Requej\u00e3o cremoso zur Auswahl, der sehr lecker schmeckt.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck habe ich etwa eine Stunde lang mir unregelm\u00e4\u00dfige Verben und ihre Vergangenheitsformen angschaut &#8211; ich merke dass ich dort die meisten Fehler mache. Dann habe ich das Telefonbuch von Florinan\u00f3polis entdeckt, von dem es hei\u00dft, dass es die einzige ordentliche Karte der Ilha da Santa Catarina und einen Stadtplan von Flor\u00edpa enthalte. Gut, wer mich kennt, wei\u00df, dass jetzt keine Vokabeln mehr gelernt wurden, und ich mir zun\u00e4chst mal einen geographischen \u00dcberblick \u00fcber unsere gestrige Inselrundfahrt verschafft habe.<\/p>\n<p>Zum Mittagessen sind wir mit Bekannten von Luiz und Michelle aus Blumenau verabredet gewesen, die zu Besuch in Flor\u00edpa sind. Wir waren in einem Ort namens Santo Ant\u00f4nio de Lisboa, der sehr buc\u00f3lio &#8211; l\u00e4ndlich &#8211; an der n\u00f6rdlichen Innenseite der Insel gelegen ist. So ist die Brandung nicht so stark, ein Familienstrand. Die Bekannten haben einen kleinen Jungen &#8211; Jo\u00e3o (Joachim) &#8211; der dann mit dem mitgereisten Kinderm\u00e4dchen an den Strand ist. Wir haben uns in einem kleinen Restaurant am Strand niedergelassen, die hatten Austern, Mariscoes (Shrimps), Muscheln und anderes Meeresgetier auf der Speisekarte, was ja wirklich nicht so mein Ding ist, allein schon wegen dem Geruch. Luiz hatte Verst\u00e4ndnis, dass ich nichts bestellen wollte, und ich sagte, ich habe bei der Hitze auch nicht wirklich Hunger und br\u00e4uchte nichts zu essen. Er schlug vor, dass wir schon in ein kleines Caf\u00e9 vorgehen sollten, wo alle sowieso sp\u00e4ter hingehen w\u00fcrden, und dort g\u00e4be es ausgesucht gute Nudeln und darauf habe er auch mehr Appetit &#8211; sein Tenor war wohl: die Austern seien gute Delikatessen, aber satt machen, vergiss es.<br \/>\nSo zogen wir also los durch den kleinen &#8222;mittelalterlichen&#8220; Ort, der durch von den Azoren stammenden Siedlern gepr\u00e4gt wurde. Luiz erkl\u00e4rte mir, an welchen H\u00e4usern man azorische Einfl\u00fcsse (janelas azuls = blaue Fensterl\u00e4den) erkennen k\u00f6nne. Auf den Azoren war irgendwann im 17. oder 18. Jahrhundert eine Hungersnot ausgebrochen, es gab nicht genug zu essen und viele Einwohner zogen mit den Handelsschiffen, die zwischen Brasilien und Portugal verkehrten und auf den Azoren Zwischenstation machten, mit nach Brasilien. Dort lie\u00dfen sie sich in Florian\u00f3polis nieder, weil sie dort auf \u00e4hnliche klimatische Bedingungen trafen. (Mittelalterlich in Anf\u00fchrungszeichen: Ich wei\u00df, dass das Mittelalter gemeinhin mit der Entdeckung Amerikas endetete, aber ein Ort, der hier 200&#8230;300 Jahre alt ist, ist hier einfach eine Attraktion).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1033\" src=\"http:\/\/ganseforth.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/P3060047-kl.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"http:\/\/ganseforth.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/P3060047-kl.jpg 640w, http:\/\/ganseforth.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/P3060047-kl-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Santo Ant\u00f4nio de Lisboa<\/span><\/p>\n<p>Inzwischen sind unsere Spaghetti mit Basilikum fertig, muito gostoso!, und die anderen kommen nach und trinken noch einen Kaffee, es gibt noch ein wenig Kuchen und irgendwann machen wir uns wieder auf den Nachhauseweg.<\/p>\n<p>Abends waren wir noch in der Kirche, das war recht interessant:<br \/>\nDer Gottesdienst beginnt p\u00fcnktlich, auch wenn w\u00e4hrend der ersten Lieder erst die Mehrheit der Gemeinde eintrudelt, und zun\u00e4chst noch die Neuigkeiten vom Tage austauscht. Jugendliche machen Musik, aber das eigentlich beste ist ein Faltblatt, in der alle Lieder und Gebete, die gesungen und gesprochen werden, die gesamte Lesung, das Evangelium, das Glaubensbekenntnis, die Wandlung etc. abgedruckt stehen. Dieses Blatt wird zentral von der brasilianischen Kirche an alle Gemeinden verteilt, und ich kann dank dieser &#8222;Untertitel&#8220; auch fast alles verstehen.<br \/>\nNach der Kommunion werden die Vermeldungen verlesen, und beim Schlusslied lichten sich dann die Reihen erheblich. Drau\u00dfen treffen wir uns noch mit den Leuten von der Studentengemeinde, der Pastor sch\u00fcttelt allen Leuten die Hand und ich bekomme erkl\u00e4rt, dass Luiz&#8216; Kommentar von gestern, ich k\u00f6nne ja sogar Verben konjugieren,<br \/>\n1. ein Lob war und<br \/>\n2. ein Seitenhieb auf die Amis war, denn Amis sind wohl f\u00fcr ihre Infinitivbildungen verschrien&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel lag lange auf meinem Notebook und wird leider erst jetzt ver\u00f6ffentlicht: Heute bin ich wieder recht fr\u00fch aufgestanden. Unter der Dusche habe ich beschlossen, dass ich neben Tagebucheintr\u00e4gen auch mal &#8222;Themenparks&#8220; machen m\u00fcsste, z.B. \u00fcber Autotypen in Brasilien, \u00fcber Dialekte (Sotaques), und halt \u00fcber die Vorteile von brasilianischen Duschbrausen mit elektrischem Durchlauferhitzer. 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