{"id":223,"date":"2005-03-26T02:24:00","date_gmt":"2005-03-26T02:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=223"},"modified":"2019-04-21T21:32:53","modified_gmt":"2019-04-21T21:32:53","slug":"don-cry-for-me-argentina","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=223","title":{"rendered":"Don&#39;t cry for me, Argentina"},"content":{"rendered":"<p>Nach unserem Fr\u00fchst\u00fcck (zu Tom, dem M\u00fcnchner und den Franzosen sind inzwischen Mexikaner und Ukrainer gesto\u00dfen) standen f\u00fcr uns heute die Cataratas, die Wasserf\u00e4lle auf dem Programm. Laura hat uns empfohlen, mit Diego, einem Studenten zu fahren, der mit seinem Kleinbus nebenbei ein kleines \u201eReiseb\u00fcro\u201c betreibt und auf die argentinische Seite r\u00fcberf\u00e4hrt. Das sei zwar ein paar Reais teurer als mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, daf\u00fcr k\u00f6nne Diego alle Formalit\u00e4ten an der Grenze regeln, und wir m\u00fcssten nicht in der Schlange zum Nationalpark anstehen. Also alle Mann rein in den Kleinbus, in dem, Oh Wunder, schon Vincent sa\u00df, den wir ja noch von der Fahrt nach Foz kannten. Au\u00dferdem ein Franzose namens Julien, der in Rio studiert und als patriotischer Franzose selbstverst\u00e4ndlich kein Wort Englisch spricht, sowie drei deutsche Handwerkergesellen, die auf der Walz sind, und schon seit zwei Jahren fern von ihren Heimatd\u00f6rfern unterwegs sind.<br \/>\nAuf nach Argentinien! An der Grenze klappt alles problemlos, nur f\u00fcr die Ukrainerin hei\u00dft es: No Visa, no Argentinia.<br \/>\nSeit 1984 sind Foz de Igua\u00e7u und die argentinische Nachbarstadt Puerto Iguaz\u00fa \u00fcber eine Br\u00fccke miteinander verbunden, die den Rio Igua\u00e7u \u00fcberquert. In Argentinien angekommen, beherrschen auf den ersten Kilometern Spielcasinos das Stadtbild: Gl\u00fccksspiel ist in Brasilien n\u00e4mlich verboten.<br \/>\nUnsere erste Station ist der argentinische Grenzstein des Dreil\u00e4nderecks Brasilien \u2013 Paraguay \u2013 Argentinien: Der eigentliche Grenzpunkt liegt im Wasser, wo der Rio Igua\u00e7u in den Rio Paran\u00e1 m\u00fcndet. Daher hat jedes dieser drei L\u00e4nder, die in der Zollunion \u201eMercosul\u201c zusammengeschlossen sind, auf seiner Seite als Symbol der Freundschaft eine symbolische \u201eMarca de tr\u00eas Frontieras\u201c errichtet:<\/p>\n<p>Einige Kilometer weiter erreichen wir die Grenze des Nationalparks. Hier muss ich mich leider \u00fcber mich selbst \u00e4rgern, dass ich neben meinem deutschen Reisepass nicht noch meine brasilianische Aufenthaltsgenehmigung mitgenommen habe: Als Ausl\u00e4nder zahle ich 30 Reais Eintritt, als B\u00fcrger der Mercosul-Region 18 Reais. Und meine Aufenthaltgenehmigung h\u00e4tte dazu gereicht, zu beweisen, dass ich meinen Wohnsitz in Brasilien habe. W\u00e4hrenddessen schleust uns Diego kompetent an langen Warteschlangen von Menschenmassen vorbei, ganz Argentinien scheint auf den Beinen, um am Osterwochenende die Cataratas del Iguaz\u00fa zu betrachten. Mit Diego vereinbaren wir einen Treffpunkt und Zeit f\u00fcr die R\u00fcckfahrt auf Englisch, was jeder versteht, nur halt Julien nicht. Ich bin zwar auch kein Freund von \u00fcberpr\u00e4sentem Englisch und insbesondere nicht von Anglizismen, aber wenn man nun mal mit einer international aufgestellten Reisegruppe unterwegs ist, ist Englisch halt der kleinste gemeinsame Nenner, um sich auf dem niedrigstm\u00f6glichen Niveau verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. Eigenartig, dass Ukrainer besser Englisch sprechen als Franzosen. Somit habe ich Julien alles noch mal auf Portugiesisch erkl\u00e4rt (das spricht er), und er hatte tats\u00e4chlich nicht einmal mitbekommen, dass wir \u00fcber einen Treffpunkt diskutiert hatten.<br \/>\nMit den Handwerkerjungs (Christian = Tischler, Jo-Achim = Dachdecker und Carsten = Zimmermann) machen wir uns auf Stegen und durch Rote Erde auf den Weg zu den F\u00e4llen, so 10 km Fu\u00dfweg werden wir wohl insgesamt zur\u00fcckgelegt haben heute.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ganseforth.org\/?page_id=1169\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-648\" src=\"http:\/\/ganseforth.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/galerie-arg.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr zus\u00e4tzliche 30 Reais ist eine Fahrt in einem offenen Schnellboot m\u00f6glich, das direkt in die F\u00e4lle hineinf\u00e4hrt \u2013 bei den argentinischen Besuchern, die nass bis auf die Knochen aussteigen, ist das der Hit. Wir fahren auch mit dem Boot, einem kostenlosen, auf eine Insel im Fluss. Sie wird in der Regenzeit von tobenden Wassermassen umringt, heute ist hier eher wenig los. Daf\u00fcr gibt es einen steinigen, dreckigen, h\u00e4sslichen, furchtbar kleinen Strand. Bei Kontinentalargentiniern auch ziemlich beliebt, aber mal ehrlich: Mit Florian\u00f3polis kein Vergleich.<br \/>\nAuf der R\u00fcckfahrt sind wir mit Diego noch auf einem kleinen argentinischen Markt vorbeigefahren, haben argentinisches Bier, S\u00fc\u00dfigkeiten, Oliven, Wurst und K\u00e4se gekostet und sind dann zur\u00fcck nach Foz. F\u00fcr Puerto Iguaz\u00fa ist das ein Problem: alle gro\u00dfen Hotels sind in Foz auf brasilianischer Seite, kaum einer \u00fcbernachtet in Argentinien. Eigentlich sehr schade, vor allem wahrscheinlich f\u00fcr die Gl\u00fccksspielbetreiber\u2026<br \/>\nZur\u00fcck in Foz sind wir dann alle gemeinsam (Tom, Julien, Vincent, die Handwerker und wir sechs) wieder in der Churrascaria von gestern gelandet. Alle Handwerker? Nein, Christian hatte schon vorher aufgegeben und lag wohl mit Durchfall im Hotelbett.<br \/>\nDaf\u00fcr habe ich mir von Jo-Achim sein Walzbuch mit Eintr\u00e4gen, Arbeitszeugnissen, Stempeln etc. zeigen lagen. Das ist schon eine ziemlich interessante Erfahrung, die die Jungs machen: Sie haben sich verpflichtet, drei Jahre mindestens 50km von ihrem Heimatort entfernt zu bleiben (sie stammen alle aus der Region Bremen \/ Hamburg) und haben in Mecklenburg das Reetdachdecken, im Vogtland das Schieferbekleiden von Hausw\u00e4nden gelernt, und sind jetzt schon mehr als ein halbes Jahr in Brasilien, wo sie ein Schulgeb\u00e4ude errichtet haben \u2013 aus Tropenholz mit mittelalterlichen Werkzeugen (\u201eeine Bohrmaschine gab\u2019s, alles andere war Handarbeit\u201c).<br \/>\nAls die Churrascaria nach sehr leckerem Essen um Mitternacht schloss, mussten wir ja noch etwas weiter ziehen. Foz hat, was Nachtleben angeht, relativ wenig zu bieten, einzig einen Tanzschuppen gab es, der voll mit Argentiniern war. Die Band spielte Forstis Lieblingslied aus seiner Zeit bei einer Blaskapelle: \u201eRosamunde\u201c, ein deutscher Sch\u00fctzenfestschlager. H\u00e4tte nicht viel gefehlt, dann w\u00e4re Forsti auf die B\u00fchne gesprungen, h\u00e4tte sich ne Trompete geschnappt und w\u00e4re zum Forsti de Igua\u00e7u mutiert&#8230;:-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach unserem Fr\u00fchst\u00fcck (zu Tom, dem M\u00fcnchner und den Franzosen sind inzwischen Mexikaner und Ukrainer gesto\u00dfen) standen f\u00fcr uns heute die Cataratas, die Wasserf\u00e4lle auf dem Programm. Laura hat uns empfohlen, mit Diego, einem Studenten zu fahren, der mit seinem Kleinbus nebenbei ein kleines \u201eReiseb\u00fcro\u201c betreibt und auf die argentinische Seite r\u00fcberf\u00e4hrt. 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