{"id":218,"date":"2005-03-31T02:33:00","date_gmt":"2005-03-31T02:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=218"},"modified":"2019-04-21T21:44:12","modified_gmt":"2019-04-21T21:44:12","slug":"besuch-von-bosc","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ganseforth.org\/?p=218","title":{"rendered":"Besuch von Bosch"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-735\" src=\"http:\/\/ganseforth.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/olsen-logo.gif\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"163\" \/><\/p>\n<p>Beim Sprachkurs ist irgendwie die Luft raus: Heute morgen f\u00e4llt er schon wieder aus, weil Ingmar und Markus ein Vorstellungsgespr\u00e4ch haben, vielleicht fangen sie in einer Gr\u00fcnderfirma an, Ingmar habe ich n\u00e4mlich schick in Schale geworfen am TICEN getroffen. Ich hatte mich aber auch schick gemacht und auf dem Weg zu Olsen feststellen m\u00fcssen, dass der Direktbus \u00fcber die K\u00fcstenautobahn wirklich nur morgens und abends f\u00e4hrt, also habe ich diesmal wieder alle Stadtteile von Kontinental-Florian\u00f3polis, S\u00e3o Jos\u00e9 und Palho\u00e7a mitgenommen, bis ich am Jardim Eldorado eingetroffen bin. Die M\u00e4dels am Empfang kenne ich jetzt schon, die haben mich dann gleich in H\u00e9lvios B\u00fcro in der Engenharia hochgeschickt. H\u00e9lvio war gut gelaunt, hat sich Zeit f\u00fcr mich genommen, und wir sind mein Bewerbungsschreiben und den Lebenslauf durchgegangen. Au\u00dferdem haben wir ein Programm festgelegt, welche Aufgabengebiete ich bearbeiten soll:<br \/>\n1) Racionaliza\u00e7\u00e3o de processos de fabrica\u00e7\u00e3o \u2013 Rationalisierung von Produktionsprozessen<br \/>\n2) Gerenciamento e desenvolvimento de produtos \u2013 Produktentwicklung und -managment<br \/>\n3) Controle estast\u00edstico de processo (CEP) \u2013 Statistische Qualit\u00e4tskontrolle<br \/>\n4) Lista de componentes por produto \u2013 St\u00fccklisten und Verwendungsnachweise<br \/>\nIrgendwann kam dann Cesar Olsen bei H\u00e9lvio ins B\u00fcro, hat mir ein \u201eSeja Bem-Vindo na Olsen\u201c gew\u00fcnscht und gesagt, gleich k\u00e4men die Leute von Bosch an. Als wir dann zum Essen runtergingen, waren sie eingetroffen, die Firmenband \u201eOlsen-Boys\u201c hat gespielt, und wir haben in der Kantine gegessen, wo ich mich mit dem Einkaufleiter unterhalten habe. Eine wichtige Erkenntnis ist mir in Erinnerung geblieben: In Brasilien streuen die L\u00f6hne sehr viel weiter auseinander als in Europa. Eine Putzfrau, ein Busschaffner, ein Wachmann, ein Botenjunge auf dem Moped \u2013 alles das sind Dienstleistungen, die beinahe kostenlos zur Verf\u00fcgung stehen. Er hat mir erz\u00e4hlt, dass er mit seiner Familie in Florian\u00f3polis wohnt, und sie eine Hausangestellte haben, der er knapp 400 Reais im Monat bezahlt. Daf\u00fcr macht sie die komplette W\u00e4sche, putzt, kauft ein, kocht und spielt Kinderm\u00e4dchen. In der Zeit verdiene seine Frau, die auch nur als normale B\u00fcroangestellte arbeitet, aber mehr als das Doppelte.<br \/>\nNach dem Mittagessen ist dann eine Besprechung angesetzt, bei dem es um eine Designver\u00e4nderung an den Motoren geht, die f\u00fcr eine neue Baureihe von St\u00fchlen ben\u00f6tigt werden. Cesar Olsen ist zwar auch dabei, sitzt aber seitlich, schl\u00fcrft seinen Ch\u00e1 (Tee) und telefoniert. H\u00e9lvio als Produktionsleiter sitzt am Kopfende und hat das Ruder in der Hand, verhandelt, trifft die Entscheidungen.<br \/>\nNach einem ausgiebigen Produktionsrundgang, von den brasilianischen Bosch-Leuten f\u00fcr die deutschen Bosch-Leute in grauenhaftes Englisch \u00fcbersetzt, diskutieren wir \u00fcber das Berufsausbildungssystem in Deutschland und Brasilien. Fast alle Funcion\u00e1rios (Mitarbeiter) bei Olsen waren fr\u00fcher Fischer, bis vor 10 Jahren war Palho\u00e7a noch stark durch Fischfang gepr\u00e4gt. Interessant ist ein Schwei\u00dfkarussel, in dem ein Mitarbeiter die Grundstrukturen f\u00fcr die Basis und die Sitzfl\u00e4chen und die R\u00fcckenlehnen punktschwei\u00dft. Er dreht sich mit seinem Schwei\u00dfger\u00e4t karussellartig um die Vorrichtungen herum, eine weitere Person baut die Vorrichtungen auf und legt die Rohteile ein, eine dritte Person entnimmt die punktgeschwei\u00dften Schwei\u00dfstrukturen und legt sie auf eine weitere Vorrichtung, wo sich ein zweites Karussell zum Fertigschwei\u00dfen befindet. Inzwischen sind wir bei Cesar im B\u00fcro angekommen, und nachdem uns Cesar von seinem gro\u00dfen Vorbild, Robert Bosch, berichtet hat, es geht zum Small Talk \u00fcber, wie es den Bosch-Leuten und mir so in Brasilien gef\u00e4llt.<br \/>\nH\u00e9lvio fragt mich nach meinen ersten Eindr\u00fccken vom Unternehmen, und was man in Deutschland anders machen w\u00fcrde: In Deutschland g\u00e4be es bei einem Zahnarztstuhlhersteller sicherlich keine Tischlerei, die die Paletten und Holzkisten, in die die fertigen Produkte verpackt werden, herstellt. Das w\u00fcrde man zukaufen. Interessant ist auch die Art und Weise, wie die Kunststoffteile hergestellt werden: Nicht etwa mit Spritzgussformen, nein, es wird eine Kunststoffplatte erhitzt, und nur eine Matrize f\u00e4hrt von unten in den fl\u00fcssigen Kunststoff, der dann mit Ventilatoren abgek\u00fchlt wird. Eine Spritzgussform und die dazugeh\u00f6rige Spritzgussmaschine w\u00e4ren aber mindestens 20 mal so teuer, und die Leute, die das entgraten, die kosten doch nichts, meint H\u00e9lvio.<br \/>\nAuf dem R\u00fcckweg werde ich von den Bosch-Leuten mitgenommen, die noch auf den Morro da Cruz wollen, und komme fast p\u00fcnktlich zum Nachmittagskurs an. Hausaufgaben habe ich nat\u00fcrlich nicht, wann h\u00e4tte ich die machen sollen?<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-757\" src=\"http:\/\/ganseforth.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/pwb-bosch.gif\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"581\" \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Sprachkurs ist irgendwie die Luft raus: Heute morgen f\u00e4llt er schon wieder aus, weil Ingmar und Markus ein Vorstellungsgespr\u00e4ch haben, vielleicht fangen sie in einer Gr\u00fcnderfirma an, Ingmar habe ich n\u00e4mlich schick in Schale geworfen am TICEN getroffen. 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